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Warum der Diesel nicht reif ist fürs Museum | BR24

© dpa/ picture-alliance

Diesel-Motor im Museum in München

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Warum der Diesel nicht reif ist fürs Museum

Vor 125 Jahren hat der Augsburger Rudolf Diesel seine "neue rationelle Wärmekraftmaschine" beim Kaiserlichen Patentamt angemeldet. Heute steht der Diesel für Umweltverschmutzung. Wegzudenken ist er trotzdem nicht. Von Sabine Schmalhofer

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Die Besucher des Münchner Verkehrszentrum am Bavariapark schauen neugierig, wenn sie auf Knopfdruck den schweren Diesel-Motor in Gang setzen: Kolben bewegen sich, Zahnräder übertragen die Kraft auf das Getriebe. Das Museumsstück stammt aus einem LKW. Man spürt die Kraft, die hinter dieser Antriebsart steckt - eine Jahrhunderterfindung.

Als Rudolf Diesel den Motor am 28. Februar 1892 zum Patent anmeldet, hat er mit seiner "neuen rationellen Wärmekraftmaschine" ein Musterbeispiel deutscher Ingenieurskunst erschaffen. Der Diesel- Antrieb gilt als Jahrhunderterfindung: Das Kraftstoff-Luftgemisch wird so hoch verdichtet, dass es sich durch den Druck selbst entzündet. Die Folge: ein effizienter Motor mit einem hohen Wirkungsgrad. Von einer Feinstaub-Debatte oder einem Abgasskandal ahnte der Ingenieur damals noch nichts. 125 Jahre später ist seine Motortechnik ins Gerede gekommen. Der Grund: schädliche Stickoxide und Feinstaub.

Schädliche Stickoxide contra gute CO2-Bilanz

Dafür punktet der Diesel-Motor bei der CO2-Bilanz. Er pustet weniger Treibhausgas in die Luft als ein Benziner. Mittlerweile versuchen die Hersteller mit Chemie und Technik den Schadstoffausstoß zu verringern. So soll beispielsweise Harnstoff die schädlichen Stickoxide in harmlose Stoffe umwandeln. Trotzdem: Umweltschützer würden alte Diesel am liebsten aus den Innenstädten verbannen. In Stuttgart soll 2018 ein Fahrverbot erlassen werden.

Der Abgasskandal - ein weiterer Sargnagel für den Diesel?

Ein weiterer Grund für das angekratzte Image: der millionenfache Abgasbetrug der Autokonzerne. Gefälschte Werte beim Stickoxid- Ausstoß sorgen für verunsicherte Autokäufer. Besonders in den USA ging das Interesse an Diesel-Fahrzeugen stark zurück. Hat der Diesel also noch eine Zukunft? Ja, sagt Wirtschaftsexperte Prof. Horst Wildemann von der Technischen Universität München.

"Der Diesel kann überleben, mit der bereits heute verfügbaren Technik, die diesen Schadstoff aus dem Auspuff herausfiltert und alle Umweltstandards wie sie bekannt sind, ermöglicht." Prof. Horst Wildemann von der Technischen Universität München

Umweltfreundliche Diesel-Motoren wären teurer

Doch das Dieselfahrzeug wird dann wohl teurer werden, denn die Maßnahmen zur technischen Abgasreinigung kosten Geld. Ein kleines Chemie-Labor im Fahrzeug wäre nötig.

"Doch wenn diese Anlage in allen Aggregaten eingebaut wird, dann gibt es einen Lerneffekt und die Kosten werden nochmal sinken“, sagt Horst Wildemann

Der Diesel-Motor - in vielen Bereichen kaum zu ersetzen

Der Diesel-Antrieb ist auch in der Schifffahrt nicht wegzudenken: egal ob Ozeankreuzer oder Container-Riese. Und kaum ein LKW, der nicht mit dem Selbstzünder unterwegs ist. Besonders Vielfahrer - wie etwa Taxis - schwören auf die robuste Technik und den geringen Verbrauch.

Das Kraftfahrtbundesamt hat übrigens festgestellt, dass im Januar 2017 gut zwei Prozent mehr Dieselfahrzeuge zugelassen wurden als im Vergleichszeitraum im Vorjahr. Museumsreif ist die Erfindung von Rudolf Diesel also noch lange nicht.

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