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Was Wal-Ohrenschmalz über die Tiere verrät | BR24

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Buckelwal-Weibchen mit Kalb

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    Was Wal-Ohrenschmalz über die Tiere verrät

    Der Ohrenschmalz von Walen ist mit den Jahresringen von Bäumen vergleichbar: Beide zeigen Umwelt-Ereignisse, die Wachstum und Gesundheit von Tier und Baum beeinflusst haben.

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    Forscher der Baylor University in Texas blickten drei Arten von Bartenwalen ganz genau in die Ohren. Bei Walen ist es so, dass es zwei Unterordnungen gibt: Wale mit Zähnen gehören zur Ordnung der Zahnwale und beißen Nahrung. Wale mit Barten, kammartige nebeneinander stehende Platten aus Keratin, gehören zu den Bartenwalen und schlürfen ihre Nahrung, indem sie sich Meerwasser ins Maul fließen lassen und es durch die Barten wieder herauspressen. In den Ohren haben Bartenwale Ohrenschmalz, der im Laufe ihres Lebens auf Zapfen von mehreren Dezimetern Länge anwachsen kann. Der Biologe Stephen Trumble und der Umweltforscher Sascha Usenko haben Ohrenschmalz-Zapfen von 20 Finn-, Buckel- und Blauwalen aus dem Atlantik und dem Pazifik untersucht und ein Stressprofil von Walen in den vergangenen 146 Jahren erstellt (1870-2016). Die Ergebnisse der Studie veröffentlichten sie Ende November 2018 im Fachmagazin "Nature Communications".

    Was Wale stresst

    Anhand des Stresshormons Cortisol im Ohrenschmalz der Tiere konnten die Forscher Stressoren identifizieren: Je mehr Walfang betrieben wurde, desto höher war der Stresspegel der Tiere. Stresspegel und Walfang hatten ihren Höhepunkt in den 1960er-Jahren. Knapp 150.000 Wale wurden gefischt. Danach entspannte sich die Lage wieder - und auch die Tiere. Wie der Walfang hatte auch der Zweite Weltkrieg Auswirkungen auf die Meeressäuger: Obwohl in diesem Zeitraum weniger Wale gejagt wurden, stieg der Stresspegel der Tiere leicht an. Grund sind nach Angaben der Forscher wahrscheinlich Lärm und erhöhter Verkehr unter Wasser: Seeschlachten, Schiffsverkehr, Unterwasser-Detonationen und U-Boote sorgten für Unruhe im Meer.

    Welchen Einfluss hat der Klimawandel?

    Hat auch der Anstieg der Wassertemperaturen im Zuge des Klimawandels einen Einfluss auf Wale? Das untersuchten die Forscher für den Zeitraum 1970 bis 2016. In dieser Zeit nahmen Anomalien der Oberflächentemperatur zu und auch der Cortisolgehalt im Ohrenschmalz der untersuchten Wale. Welche Auswirkungen der Schwund des Meereises und der Fang riesiger Krillmengen, das Futter von Walen, hat, ist noch nicht erforscht.

    Geschlechtsreife und Schadstoffe

    Bereits 2013 hatte das Forscherteam der Baylor University den Ohrenschmalz eines Blauwals untersucht. Überprüft wurde der Gehalt an Cortisol, Testosteron und Pestiziden. Das Ergebnis: Der Blauwal wurde mit etwa zehn Jahren geschlechtsreif. Während des ersten Lebensjahrs - in der Stillzeit - war das Tier hohen Schadstoffkonzentrationen ausgesetzt. Mit zwölf Jahren starb der Wal durch eine Kollision mit einem Schiff.

    Wie Wale hören

    Imposante Schwanzflossen, breite Mäuler, massive Körper, Wasserfontänen: Diese Bilder von Walen kennt man. Ihre Ohren dagegen sind total unterschätzt. Die minikleinen Löcher schräg unter dem Wal-Maul sind alles, was man äußerlich vom Ohr eines Wals sieht. Dahinter verbirgt sich ein ausgeklügeltes System. Wale haben zwei bis dreimal so viele Zellen im Ohr wie wir Menschen und einen größeren Hörnerv. Während die Tiere hochfrequente Klangwellen problemlos unterscheiden können, sind wir unter Wasser ziemlich orientierungslos.

    Wale nehmen Töne (Schallwellen) über den Unterkieferknochen auf. Weitergeleitet werden sie über einen mit Fett gefüllten Kanal zum Felsenbein, das das Mittelohr enthält, und weiter zum Innenohr. Wale können aber auch selbst Töne erzeugen. Dazu brauchen sie den Oberkieferknochen und ein Resonanzsystem, dessen Herzstück ein Fett-Wachs-Gewebe, die sogenannte Melone ist, mit der Wale Töne bündeln und nach außen lenken. Die Atemöffnung auf dem Kopf der Tiere ist übrigens ihr Nasenloch.

    © BR

    Aufbau des Gehörs von Waltieren (Cetacea)