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Vorbereitet für das Weltende: Was sind und wollen "Prepper"? | BR24

© picture alliance/Helen Corbett/dpa

Gegenstände für den Notfall liegen während eines Workshops für "Prepper" auf einem Tisch.

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    Vorbereitet für das Weltende: Was sind und wollen "Prepper"?

    Sie bereiten sich vor mit Konservendosen, Wasser und selbstgebauten Bunkern: die sogenannten "Prepper" rüsten sich für den Katastrophenfall. Über eine Szene, die immer wieder in Verruf gerät, rechtsradikale Tendenzen zu haben. Aber stimmt das?

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    Einmachgläser, Gulaschkonserven und Kanister voller Wasser: Vorsorgen für den Notfall, etwa bei einem Stromausfall oder einer Überschwemmung, das hält auch die Bundesregierung für sinnvoll. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz empfiehlt deshalb einen Vorrat für zehn Tage anzulegen.

    Doch geht es um die sogenannten "Prepper" (von lateinisch praeparare, vorsorgen), werden einige skeptisch. Vielen sind sie nicht ganz geheuer, auch weil sie sich mit einer Akribie auf etwas vorbereiten, was die Mehrheitsgesellschaft eher für unwahrscheinlich halten dürfte: den kompletten Zusammenbruch des Staates und seines Versorgungssystems. Deshalb horten sie Vorräte, die ihnen über Monate hinweg zum Überleben reichen sollen. Das Ziel: autonom sein vom Staat.

    Rechtsradikale Prepper?

    Seit 2017 sind die Prepper stärker in den Fokus der Behörden geraten. Die Innenministerkonferenz hatte damals beschlossen, ein bundesweites Lagebild über die Prepper-Szene zu erstellen, um rechtsradikale Prepper vom Verfassungsschutz beobachten zu können.

    Der Anstoß: In Mecklenburg-Vorpommern waren im Auftrag der Bundesanwaltschaft die Wohnungen von Männern aus der Prepper-Szene durchsucht worden. Den Beschuldigten – unter ihnen auch ein Polizist – wurde vorgeworfen, eine schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet zu haben. Sie gehörten einem Netzwerk namens "Nordkreuz" an. Daraufhin brachte der Innenminister Mecklenburg-Vorpommerns das Thema auf die Agenda.

    Seitdem ist die Prepper-Szene in den Verdacht geraten, rechtsradikale Tendenzen zu haben. Und tatsächlich gibt es auch Prepper, die sich mit Waffen ausrüsten.

    Verfassungsschutz: Prepper-Szene kein Beobachtungsobjekt

    Auf Anfrage des BR lässt der bayerische Verfassungsschutz wissen: "Bis zum jetzigen Zeitpunkt liegen keine hinreichend gewichtigen tatsächlichen Anhaltspunkte für extremistische Bestrebungen hinsichtlich der Prepper-Szene in ihrer Gesamtheit oder einzelner Gruppierungen der Szene in Bayern vor. Daher unterliegt die Prepper-Szene als solche nicht dem Beobachtungsauftrag des Bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz." Allerdings sei dem Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz jedoch bekannt, dass auch in Teilen der bayerischen rechtsextremistischen Szene der Glaube an Untergangszenarien vorhanden sei oder mit einem nahenden Bürgerkrieg gerechnet werde.

    Der bundesweit zuständige Verfassungsschutz sieht die Prepper-Szene ebenfalls nicht als Beobachtungsobjekt. "Auch eine Einflussnahme von Rechtsextremisten auf die 'Prepper-Szene' ist bislang nicht bekannt", so das Bundesamt für Verfassungsschutz auf Anfrage. Eine Zuständigkeit bestehe dann, wenn sich Rechtsextremisten mit der Vorbereitung auf Katastrophenszenarien befassen. Für die Beurteilung von "Prepperfällen" sei daher entscheidend, mit welchem Zweck die Vorbereitung betrieben wird. Nur wenn dem Verhalten eine extremistische Motivation zugrunde liegt, ist eine Zuständigkeit gegeben.

    Experte: Anknüpfungspunkte für Rechtsextreme

    Mischa Luy hat seit 2017 für seine Doktorarbeit mit einem Dutzend Preppern gesprochen. "Etwa drei von denen, die ich befragt habe, würde ich eher eine rechte Gesinnung zuschreiben", so Luys Einschätzung. Diese hätten sich beispielsweise hinsichtlich einer jüdischen Weltverschwörung geäußert, wegen derer sie sich für den Katastrophenfall vorbereiten wollten. Dass die Prepper so offen mit ihm gesprochen haben, liegt auch daran, dass Mischa Luy ihnen die Anonymisierung der Interviews zugesagt hat.

    Linke Prepper sind nach Luys Einschätzung eher selten, weibliche ebenso. "Es ist ein männliches Phänomen. Aber es sind eben auch unpolitische Familienväter Prepper, die einfach nur für den Ernstfall vorsorgen wollen." Nichtsdestotrotz gebe es Anknüpfungspunkte für Rechtsradikale zur Prepper-Szene: "Es gibt – wenn auch nicht bei allen Preppern, aber bei vielen - ein großes Misstrauen gegenüber Staat und Politik. Ebenso Enttäuschung und das Gefühl, nicht ausreichend geschützt zu sein durch den Staat", sagt Mischa Luy.

    Prepper gingen davon aus, dass im Falle eines Zusammenbruchs des Staates, jeder für sich selbst sorgen müsse – und jeder Mitmensch ein Feind ist. "Der Versuch autark und unabhängig vom Staat zu werden, das ist auch für viele Rechtsradikale reizvoll", so Luy.