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Vor 75 Jahren: Stauffenbergs Attentat auf Hitler scheitert | BR24

© dpa-Bildfunk

Soldaten tragen beim Ehrengedenken der Bundeswehr anlässlich des 75. Jahrestages des Stauffenberg-Attentats auf Hitler Kränze zu Ehrengräbern

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Vor 75 Jahren: Stauffenbergs Attentat auf Hitler scheitert

Mit einer Feierstunde in Berlin gedenkt die Bundesregierung heute des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler. 75 Jahre nach dem missglückten Staatsstreich bleibt der Mut der NS-Widerstandskämpfer unvergessen - doch das war nicht immer so.

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Eine Gruppe deutscher Offiziere um Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg hat am 20. Juli 1944 versucht, Adolf Hitler zu töten. Der Anschlag scheiterte - mit tödlichen Folgen für Stauffenberg und seine Mitstreiter.

Druckwelle war viel zu schwach

Am 20. Juli 1944 explodierte zur Mittagszeit in einer Baracke im sogenannten Führerhauptquartier "Wolfsschanze" nahe der Stadt Rastenburg im damaligen Ostpreußen eine Bombe. Angriffsziel war Adolf Hitler. Die Fenster der einfachen Holzbaracke standen an diesem heißen Sommertag weit offen. Auch deshalb war die Druckwelle der schnell scharf gemachten Bombe viel zu schwach. In einem Bunker hätte vermutlich niemand die Explosion überlebt.

Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg hatte die Bombe in einer Aktentasche versteckt. Der Anschlag auf Hitler sollte am Anfang eines Staatsstreiches stehen. Stauffenberg, der zunächst fest davon ausging, dass Hitler die Explosion nicht überleben würde, kehrte mit einem Flugzeug nach Berlin zurück.

Mitglieder des Widerstands machten Fehler

Stauffenberg, die treibende Kraft des Aufstands gegen Hitler, verlor wertvolle Zeit. Er traf erst am späten Nachmittag im Berliner Bendlerblock ein. Dort befand sich das Hauptquartier des Widerstands. Der Staatsstreich gegen Hitler kam nicht voran. Die Männer um Stauffenberg machten Fehler. Eine Machtübernahme blieb aus. Zudem gab es in diesen entscheidenden Stunden verstörende Nachrichten aus dem Führerhauptquartier: Hitler sei noch am Leben.

Hitler: "Fingerzeig der Vorsehung"

Der Aufstandsversuch gegen die NS-Herrschaft und den Krieg brach nicht zuletzt deshalb innerhalb weniger Stunden zusammen. Noch am Abend des 20. Juli wurde Stauffenberg verhaftet. Um Mitternacht wurden Stauffenberg und einige seiner Mitstreiter im Hof des Berliner Bendlerblocks erschossen. Wenig später meldete sich der lediglich leicht verletzte Hitler in einer Radioansprache zu Wort. Hitler erkannte "einen Fingerzeig der Vorsehung", um so sein "Werk" weiter fortzuführen.

Überlebende Unterstützer des Aufstandsversuchs am 20. Juli 1944 wurden der NS-Rachejustiz ausgeliefert. Die vorliegenden Filmaufnahmen aus dem sogenannten Volksgerichtshof zeigten, wie NS-Gegner beschimpft, gedemütigt und anschließend zum Tode verurteilt wurden. Familienangehörige wurden in Sippenhaft genommen. Noch wenige Tage vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges ließ das zusammenbrechende "Dritte Reich" inhaftierte Gegner des NS-Regimes hinrichten. Auch so dokumentierte sich die Vernichtungswut Hitlers.

Stauffenberg und seine Mitstreiter: Helden oder Verräter?

Waren die Männer um Oberst Stauffenberg Helden oder Verräter? Über diese Frage wurde in der Nachkriegszeit bitter gestritten. Millionen Deutsche folgten ihrem "Führer" bis in den Untergang. Sie konnten sich nur schwer mit dem Gedanken abfinden, dass nur wenige den Mut fanden und versuchten, Hitler und sein verbrecherisches Regime zu beseitigen. Historiker setzten sich mit den Biographien der Männer des 20. Juli 1944 kontrovers auseinander und wiesen darauf hin, dass einige zunächst Gefolgsleute des NS-Regimes waren.

Tatsache war: Als Stauffenberg die Bombe zündete, hatte die Rote Armee wenige Wochen zuvor die Heeresgruppe Mitte der Wehrmacht im Osten zerschlagen, und die Alliierten standen nach der geglückten Landung in der Normandie tief in Frankreich. Für jeden denkenden und wohlinformierten Offizier war die militärische Niederlage Deutschlands damit absehbar.

Millionen Menschen hätten gerettet werden können

Dennoch wurde und wird bis heute oft übersehen: Nach dem gescheiterten Attentat kamen Millionen Zivilisten, KZ-Häftlinge und auch Soldaten in den entsetzlichen letzten Monaten von Hitlers Vernichtungskrieg um. Sie hätten womöglich gerettet werden können, wenn Stauffenberg und seine Mitstreiter am 20. Juli 1944 die NS-Herrschaft beendet hätten.

© BR

Vor 75 Jahren versuchte Claus Schenk Graf von Stauffenberg vergeblich, Hitler zu töten und - gemeinsam mit seinen Mitverschwörern aus dem militärischen Widerstand - das Nazi-Regime zu beseitigen. Wer war von Stauffenberg? Ein Porträt.