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Vor 60 Jahren: So lief der Tieftauchrekord im Marianengraben ab | BR24

© Bayerischer Rundfunk

Der Schweizer Jacques Piccard und der Amerikaner Don Walsh tauchten mit ihrem U-Boot zu einer der tiefsten Stellen hinab, die es überhaupt in den Ozeanen gibt - in den Marianengraben im Pazifik, fast 11.000 Meter unter der Wasseroberfläche.

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Vor 60 Jahren: So lief der Tieftauchrekord im Marianengraben ab

Am 23. Januar 1960 tauchten Jacques Piccard und Don Walsh als erste Menschen bis auf den Grund des Marianengrabens im Pazifik. Das war nicht nur ein Rekord, der bis 2019 halten sollte. Ihre Expedition kam auch der Umwelt zugute.

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Vor 60 Jahren, am 23. Januar 1960, schrieben der Schweizer Jacques Piccard und der Amerikaner Don Walsh Geschichte: Als erste Menschen erreichten sie das Challenger-Tief im Marianengraben, eine der tiefsten Stellen der Meere. Doch ihre Tiefseeexpedition war weit mehr als ein Rekord, der erst im Mai 2019 vom US-Abenteurer Victor Vescovo geknackt wurde. Sie war eine technische und menschliche Meisterleistung, die auch den Weltmeeren zugutekam.

U-Boot-Kapsel kam aus Deutschland

Das U-Boot, das die beiden Männer für ihre vier Stunden und 47 Minuten währende Reise benötigten, hatte Jacques Piccard gemeinsam mit seinem Vater Auguste, einem bekannten Luftfahrpionier, entworfen. Die Tauchkapsel, die dem immensen Wasserdruck von 1.100 bar in 10.916 Metern Tiefe standhalten musste, wurde vom Stahlbauer Krupp in Essen gefertigt. Piccard soll das U-Boot nicht, wie bei einer Schiffstaufe üblich, mit Champagner, sondern mit Weihwasser bespritzt haben.

Piccard und Walsh bewiesen gute Nerven

Ausgestattet mit Sauerstoff, der für zwei Tage reichen sollte, einem Unterwassertelefon und amerikanischen und schweizerischen Schokoriegeln ging es in die Tiefe. Beängstigend fand Piccard das Abenteuer nicht, wie er in einem Interview kurz vor seinem Tod verriet:

"Am Grund war es dann so schön, friedlich und still, da kamen wir nicht auf die Idee, Angst zu haben." Jacques Piccard in einem Interview im Jahr 2007 über seine Tiefseeexpedition am 23. Januar 1960

So ganz ohne Zwischenfälle verlief die Reise auf den Meeresgrund aber nicht: Bei fast 10.000 Metern Tiefe hörten die beiden Männer eine laute Implosion, wie Walsh 2017 in einem Video erzählt, das den Tauchgang in Virtual-Reality-Manier zeigt. "Weil wir noch lebten und alle Instrumente funktionierten, sagten wir uns, es kann nicht so schlimm gewesen sein und entschieden, den Tauchgang fortzusetzen", so Walsh. Wie sich später herausstellte, hatte eine Luke am Einstiegsschacht unter dem enormen Wasserdruck Risse bekommen. Aber sie hielt.

Unerwartete Entdeckung: Leben am Meeresgrund

Am Meeresgrund angekommen, sahen Piccard und Walsh aus ihrem Fenster ein paar Meter über dem Meeresboden in lichtloser Tiefe einen etwa 30 Zentimeter langen Plattfisch. Wissenschaftler meinten später, es könne auch eine Seegurke gewesen sein. Wie auch immer: Damals war das eine Sensation. Denn dass es so tief am Meeresboden Leben gab, war bis dahin unbekannt.

Entdeckung von Piccard und Walsh hat Atommüll im Meer verhindert

"Das Ziel meines Vaters war es ja nicht, einen Rekord aufzustellen, sondern zu sehen, ob es dort Leben gibt", sagte Jacques Sohn Bertrand Piccard anlässlich des Jubiläums. Seinerzeit sei überlegt worden, Atommüll auf dem Meeresboden zu deponieren. Die Entdeckung von Piccard und Walsh habe das verhindert, so Piccard junior.

Die Piccards: Eine Familie mit "Entdecker-Gen"

Bertrand Piccard wurde knapp zwei Jahre vor dem legendären Tauchgang geboren. Eine seiner ersten Erinnerungen sei, dass er seinen Vater im Fernsehen sah und hinter die Kiste kroch, um zu sehen, ob der Vater sich dort versteckt hatte, erzählt er. Schon sein Großvater hat Geschichte geschrieben. Auguste Piccard war 1931 in einem Ballon so hoch wie niemand vor ihm geflogen: 15.785 Meter.

Aber auch Bertrand Piccard hat bereits mehrere Einträge in die Geschichtsbücher erreicht: 1999 umrundete er gemeinsam mit Brian Jones als erste die Welt nonstop in einem Ballon. 2015 und 2016 steuerte Piccard, abwechselnd mit dem Schweizer Piloten und Unternehmer André Borschberg, das mit Solarenergie angetriebene Flugzeug "Solar Impulse" um die Welt. Bertrand Piccard, der eigentlich ausgebildeter Psychiater ist, sagt zu den Erfolgen in seiner Familie: "Jeder von uns hat etwas gemacht, von dem man zu dem Zeitpunkt annahm, dass es unmöglich war."

© dpa-Bildfunk/ Piccard Family

Jacques Piccard (l) und sein Sohn Bertrand (Foto aus dem Jahr 1962 oder 1963)

© Bayerischer Rundfunk

Höher und weiter wollen viele. Abenteuer in der Tiefe suchen schon weniger. Kein Wunder: Ungemütlich und stockfinster ist es. Wenn man es überhaupt überlebt - wie Jaques Piccard.

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