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Vor 500 Jahren brach Ferdinand Magellan zur Weltumsegelung auf | BR24

© picture alliance/Mary Evans Picture Library

Die Zeichnung veranschaulicht, wie sich Ferdinand Magellan mit seiner Mannschaft berät, um eine westliche Route zu den Gewürzinseln zu finden.

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Vor 500 Jahren brach Ferdinand Magellan zur Weltumsegelung auf

Mutig machte sich Ferdinand Magellan am 10. August 1519 dahin auf, wo der Pfeffer wächst: Der Portugiese wollte die lukrativen Gewürzinseln auf einer neuen Route finden und beweisen, dass die Erde rund ist. Das erlebte nur ein kleiner Teil der Crew.

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Vor 500 Jahren standen Nelke, Muskat und Pfeffer hoch im Kurs. Den portugiesischen Ritter und Seefahrer Fernao de Magalhaes zog es deshalb dorthin, wo der Pfeffer wächst: zur indonesischen Inselgruppe der Molukken, den Gewürzinseln. Am 10. August 1519 startete der in spanischen Diensten stehende Portugiese seine größte, dramatischste und letzte Unternehmung.

Spanien und Portugal konkurrieren um Territorien und Rohstoffe

Spanien und Portugal lieferten sich seit der Amerika-Reise von Christoph Kolumbus 1492/93 und dem 1498 von Vasco da Gama entdeckten Seeweg um Afrika herum nach Indien ein Wettrennen um Überseegebiete und Rohstoffe. 1494 wurde mit dem Segen von Papst Alexander VI. der Vertrag von Tordesillas geschlossen: Er sprach den Spaniern den westlichen Teil der damals bekannten Welt zu, den Portugiesen den östlichen Teil. Bedeutet: Die Ost-Route war von den Portugiesen versperrt, den Spaniern blieb nur der Seeweg nach Westen. Magellan sollte deshalb auf Anweisung des spanischen Königs Karl I. "in den Gebieten, die uns gehören und die unsere sind im ozeanischen Meer" zu neuen Ufern vorstoßen, Gewürzvorkommen entdecken, "und andere Dinge, womit uns sehr gedient ist und woraus diese unsere Reiche großen Nutzen ziehen werden".

Magellan soll herausfinden: War die Erde flach - oder doch rund?

Magellans Auftrag war kein geringerer, als den amerikanischen Kontinent zu umschiffen und über völlig unbekannte Gewässer durch die Hintertür den Fernen Osten zu erreichen, den die Portugiesen über den Seeweg um Afrika herum ins Visier genommen hatten. Dies konnte nur klappen, wenn die Erde tatsächlich rund und keine Scheibe war. So ganz sicher war man sich jedoch nicht, dass die Schiffe nicht am westlichen Rand ins Bodenlose stürzen könnten. Magellan selbst war zuversichtlich, dass er den westlichen Seeweg zu den Molukken finden würde. Die spanische Krone rüstete seine Expedition aus und versprach ihm als Belohnung einen Teil der Reichtümer, die er von seiner Reise mitbrachte.

"Er war auf jeden Fall keiner dieser Haudegen, mit denen man heute häufig die Entdecker und Eroberer assoziiert. Er hat eine gewisse Bildung genossen, war Knappe am Hof des portugiesischen Königs, und hatte auch ein gewisses Interesse an den fremden Kulturen mitgebracht. Was jetzt nicht bedeutet, dass er nicht als Kapitän durchaus gewalttätig war. Also eine gewisse Autorität und auch Gewalt war ihm sicher auch eigen, aber auch ein positiver Entdeckergeist." Georg Jochum, Soziologe, Technische Universität München

Mehr als 230 Mann brechen mit Magellan ins Unbekannte auf

Als Spross einer verarmten Adelsfamilie stach Magellan im Alter von fast vierzig Jahren 1519 in See. Zu seiner Flotte gehörten fünf Schiffe - das Flaggschiff Trinidad, die San Antonio, die Victoria, die Concepción und die Santiago - mit einer Besatzung von insgesamt 237 Mann. Die Schiffe starteten am 10. August 1519 von Sevilla aus und fuhren den Guadalquivir bis zur Mündung in Sanlúcar de Barrameda hinab. Am 20. September 1519 war die Flotte schließlich vollbeladen und startklar, die Reise ins Ungewisse begann.

"Die Entdeckerschiffe waren eher klein, damit auch wendig, und konnten auch in kleinere Buchten einfahren. Sie waren relativ schnell für die damaligen Verhältnisse. Bei Kolumbus wird die Hauptgeschwindigkeit mit zwölf Knoten, das sind mehr als 22 Kilometer die Stunde, angegeben, was immerhin schon ausreichend war für weite Reisen." Georg Jochum, Soziologe, Technische Universität München

Magellan will schlechte Messer aus Deutschland eintauschen

Ausgestattet waren die Schiffe unter anderem mit Waffen, Schießpulver, Wein, lebenden Kühen und Schweinen, Knoblauch, Zwieback, Hülsenfrüchten und Rosinen. Der Proviant war für zwei Jahre ausgelegt. Zum Tauschen waren vorgesehen Tücher, Mützen, Kämme, Angelhaken, Glöckchen, Glasperlen und rund "vierhundert Dutzend Messer von denen aus Deutschland von der schlechtesten Sorte", wie Christian Jostmann in "Magellan oder Die erste Umsegelung der Erde" schreibt. Für notwendig erachtet wurden außerdem auch Rattenfallen, Urinale, Messbücher und Altartücher.

Von Brasilien nach Patagonien - bis zur Meuterei

Die Flotte passierte den Äquator und nahm zuerst Kurs auf Brasilien. Magellan hoffte vergebens, im weitverzweigten Rio de la Plata eine Durchfahrt zu finden. Die Expedition gelangte bis zur Südspitze des heutigen Patagoniens und war dort gezwungen, in der bitteren Kälte zu überwintern. Weil der Einzelgänger Magellan wohl zu wenig mit seiner hungrigen, entkräfteten und zunehmend demotivierten Mannschaft sprach, verdächtigten die Spanier den Portugiesen, heimlich für sein Heimatland zu spionieren. Drei der ihm unterstellten Kapitäne rebellierten und wollten ihren Generalkapitän ermorden. Die Verschwörung wurde jedoch aufgedeckt und die Rädelsführer gevierteilt, erstochen oder in Patagonien ausgesetzt.

Durchgang vom Atlantik zum Pazifik entdeckt: Magellanstraße

Nach dem eisigen Winter setzte Magellan die Suche nach einer Durchfahrt fort. Dabei erlitt die Santiago Schiffbruch. Die verkleinerte Flotte segelte weiter und sichtete am 21. Oktober 1520 nahe des 52. Breitengrades ein Kap, das "Kap der Jungfrauen" getauft wurde. Magellan schickte die San Antonio und die Concepción aus, um die dahinterliegende Bucht zu erkunden. Weil ein Sturm aufzog, konnten die Schiffe nicht umkehren und mussten sich weiter ins verzweigte Innere treiben lassen. Dabei entdeckten sie eine Öffnung, in die sie einlaufen konnten. Tatsächlich handelte es sich dabei um die gesuchte Passage vom Atlantik zum Pazifik! Magellan zu Ehren wurde sie "Magellanstraße" getauft.

© BR/radioWissen

Zum Nachhören: Hunger, gewaltige Stürme, Meutereien und Tod. Auf der ersten Reise um die Erde fand Ferdinand Magellan eine Passage um Südamerika herum in den Pazifik hinein. Das Ende der Reise erlebte er nicht. Autorin: Dorit Kreissl

Magellans Mannschaft muss Leder essen

Am 1. November 1520 wagte sich die ganze Flotte in die tückische Meerenge. Magellan manövrierte sie geschickt durch das Labyrinth. Allerdings desertierte die Mannschaft der San Antonio währenddessen und kehrte nach Spanien zurück, die Flotte verlor dadurch ihre größten Vorräte. Nach der Passage durchquerte die übriggebliebene, von Hunger, Durst und Skorbut gezeichnete Mannschaft vier Monate lang den Pazifik. "Um nicht hungers zu sterben, aßen wir das Leder, mit dem die große Rahe zum Schutz der Taue umwunden war", schrieb Antonio Pigafetta in seinem Augenzeugenbericht.

Ferdinand Magellan wird 1521 auf den Philippinen getötet

Im März 1521 landeten die Männer schließlich auf den Philippinen. Die geplante Übernahme samt der christlichen Missionierung der Philippiner schlugen jedoch fehl. Häuptling Cilapulapu von der Insel Mactan weigerte sich, die Macht des Königs von Spanien anzuerkennen und lehnte die Missionierung ab. Magellan befahl den Kampf, er unterschätzte jedoch die Einheimischen: Den rund 60 Männern, die ausgestattet mit schweren Rüstungen, Schwertern und Lanzen zusammen mit ihm von Bord gingen, standen etwa 1.500 Insulaner mit Pfeilen, Pfählen und Erdbrocken gegenüber. Viele Besatzungsmitglieder - und auch Magellan selbst - wurden im ausbrechenden Tohuwabohu getötet.

Auf Generalkapitän Ferdinand Magellan folgt Juan Sebastián del Cano

Nach dem verlorenen Kampf und aufgrund vorheriger Verluste war die Mannschaft jetzt insgesamt nur noch etwa 115 Mann stark. Um die verbliebenen Schiffe zu manövrieren, waren das zu wenig Kräfte. Die Concepción wurde deshalb aufgegeben, sie war von allen Schiffen im schlechtesten Zustand. Die Trinidad und die Victoria segelten weiter. Neuer Kapitän wurde Juan Sebastián del Cano, ein einfacher Bootsmann. Über Borneo steuerte er die beiden Schiffe Richtung Molukken. Rund ein halbes Jahr nach Magellans Tod, am 8. November 1521, kamen sie bei den Gewürzinseln an. Die Männer konnten die Laderäume mit Dutzenden Zentnern Gewürzen füllen, vor allem mit Gewürznelken und Pfeffer.

Nur Segelschiff Victoria kehrt nach Spanien zurück

Doch als die Mannschaft wieder abreisen wollte, leckte die Trinidad und musste auf den Gewürzinseln zurückbleiben. Später beschlagnahmten die Portugiesen, die sich ebenfalls auf den Weg gemacht hatten, das Schiff samt Ladung und nahmen die Mannschaft gefangen. Nur ein Schiff, die Victoria, kehrte über den Indischen Ozean, um Afrika und das Kap der Guten Hoffnung herum, wieder nach Spanien, zum Ausgangshafen von Sanlúcar, zurück. Nach fast drei Jahren und mehr als 46.000 Seemeilen waren am 6. September 1522 von den ursprünglich mehr als 230 Mann keine 20 mehr übrig.

Spanien macht dank der Gewürze Gewinn

Mit der Ankunft feierte Spanien die erste Weltumsegelung - und Kapitän del Cano, der offiziell zum Kapitän ernannt und in den Ritterstand erhoben wurde. Die mitgebrachten Gewürze fuhren einen stattlichen Gewinn ein: "Die Gewürznelken, die zurückgebracht werden, haben sogar einen Wert, der in etwa knapp über den Kosten der ganzen Expedition ist - also kommerziell ein Gewinn von etwa fünf bis zehn Prozent", berichtet der Soziologe Georg Jochum. Zwar habe der Verlust der Mannschaft nahezu 90 Prozent betragen, "aber rein ökonomisch ist das ja zweitrangig".

"Und in dem Sinn beginnt hier ökonomische Globalisierung. Die Prozesse, die später nachfolgen, bauen auf dieser Reise letztlich auf." Georg Jochum, Soziologe, Technische Universität München

1914 ersetzt der Panamakanal die Magellanstraße

Viele nachfolgende Schiffe scheiterten an der schwierigen Durchfahrt der Magellanstraße. Doch vor allem im 19. Jahrhundert wurde sie zur wichtigen Handelsroute. Erst 1914 wird sie durch den Panamakanal ersetzt. Heute ist die 570 Kilometer lange Meerenge mit ihren vielen Inseln und Seitenarmen im Süden von Chile ein Naturparadies.

Magellan als Vorreiter der Globalisierung

Ferdinand Magellan gilt heute als Vorreiter der Globalisierung. Die erste historisch belegte Weltumsegelung bewies endgültig, dass die Erde rund und nicht flach ist. Dank der Expedition konnten verbesserte Karten erstellt werden, die noch vielen nachfolgenden Seefahrern nutzten. Der große Ruhm wurde damals jedoch nicht Magellan zuteil, sondern Juan Sebastián del Cano, der das Vorhaben erfolgreich zu Ende führte.

Literaturtipps:

  • Christian Jostmann: Magellan oder Die erste Umseglung der Erde, C. H. Beck, München 2019.
  • Antonio Pigafetta: Mit Magellan um die Erde - Ein Augenzeugenbericht der ersten Weltumseglung, Römerweg GmbH, Wiesbaden 2009.
  • Stefan Zweig: Magellan - Der Mann und seine Tat: Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt 1983.