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Von kurios bis gefährlich: Wenn die Ladung vom Auto fällt | BR24

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Bildrechte: picture-alliance/ dpa | Michael Vollmer

Feuerwehrleute in Vollschutzanzügen räumen nach einem schweren Unfall auf

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    Von kurios bis gefährlich: Wenn die Ladung vom Auto fällt

    Nicht nur Schnee und Eis sorgen wie jüngst für viele Unfälle auf Bayerns Straßen. Auch verloren gegangene Ladung ist immer wieder Ursache von Unfällen. Wie sichert man Ladung im Auto richtig, wer haftet bei einem Schaden und welche Strafen drohen?

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    Von
    • Jörn Sawatzki

    "Vorsicht auf der A9 München Richtung Nürnberg, zwischen Allersberg und Kreuz Nürnberg liegen Gegenstände auf der Fahrbahn!"

    Solche und ähnliche Meldungen erreichen die Verkehrsredaktion des Bayerischen Rundfunks täglich dutzendfach. Bei den Gegenständen handelt es sich in den meisten Fällen um kleinere Dinge, wie Spanngurte oder Teile eines zerfetzten Reifens. Aber auch große Gegenstände werden regelmäßig verloren. So sind es im Winter oft Ski, Snowboards, Schlitten oder Christbäume, im Sommer Fahrräder oder Wanderschuhe, die auf den Straßen liegen. Aber auch ganze Sofas, Kühlschränke, Segelboote, Schränke fallen vom Dachgepäckträger oder Anhänger eines Autos - auch ein geknackter Tresor war schon mal dabei. Wenn die Ladung verlorengeht, lautet die oberste Regel: nie selbst versuchen, das Verlorene wieder von der Straße einzusammeln!

    Das ist Aufgabe der Polizei. Gerade dann, wenn es sich um große Gegenstände handelt, die den fließenden Verkehr gefährden können, ist sie für die Bergung zuständig und kann gegebenenfalls die Autobahn auch kurzfristig sperren. Anstelle der Polizei kann auch die Autobahnmeisterei ausrücken. Das passiert in der Regel sehr zeitnah, denn eine Autobahnmeisterei ist nie weiter als 30 Kilometer entfernt. Wenn es sich um etwas Größeres handelt, das auf der Straße liegt, kann die Bergung mitunter länger dauern. Denn fast nie übersteht verlorene Ladung den Aufprall auf die Fahrbahn – spätestens dann nicht, wenn ein nachfolgendes Fahrzeug darüber rollt.

    400 Container voller Gegenstände jedes Jahr

    Im Laufe eines Jahres kommt so einiges an beschädigter Ladung und weggeworfenem Müll zusammen, was die Meistereien zu entsorgen haben: etwa 400 Entsorgungscontainer an verlorener Ladung sammelt die Autobahn-Meisterei in Südbayern pro Jahr ein, bestätigt Josef Seebacher von der Autobahndirektion Südbayern auf Anfrage des Bayerischen Rundfunks. Vieles davon wird im Rahmen einer großen Aktion, dem sogenannten "Osterputz", erledigt.

    "Der über die Wintermonate angefallene Müll auf und an den Autobahnen wird dabei von Hand eingesammelt und entsorgt. Alleine dabei fallen noch einmal etwa 1.000 Kubikmeter Müll pro Jahr an." Josef Seebacher, Autobahndirektion Südbayern

    Nicht immer geht es glimpflich aus, wenn Autos, Kleintransporter oder LKW Ladung oder Teile davon verlieren. Schwere Unfälle können die Folge sein. Dann beginnt die Polizei zu ermitteln. Und auch wenn es zu keinem schweren Unfall durch verlorene Ladung gekommen ist, sondern etwa nur zu einem Sachschaden, nimmt die Polizei die Arbeit auf. Wenn Autofahrer gar nicht mitbekommen, dass sie etwas verloren und dadurch einen Unfall oder Sachschaden verursacht haben, muss die Polizei zunächst versuchen, den Fahrer zu ermitteln. Wenn das gelingt, stellt sich die Frage nach der Haftung, konkret: wer ist schuld daran, dass sich z.B. ein Mountainbike vom Dachgepäckträger gelöst hat? Fahrer, Beifahrer oder der Fahrzeughalter? Je nach Schwere des Schadens drohen Bußgelder zwischen 35 und 240 Euro und ein Punkt in Flensburg beim Kraftfahrt-Bundesamt.

    Wenn Menschen durch einen Unfall durch verlorene Gegenständen zu Schaden gekommen sind, droht im Extremfall ein Strafverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung oder Tötung. Auch versicherungstechnisch kann verrutschende Ladung problematisch sein: Für dadurch entstandene Schäden muss die Kaskoversicherung nicht aufkommen. Deswegen ist es wichtig, dass jeder, der etwas im Kofferraum, auf dem Dach oder im Laster transportiert, sorgfältig überprüft, ob die entsprechenden Gegenstände richtig und sachgemäß befestigt und gesichert sind. So steht es auch im Paragraph §22 der Straßenverkehrsordnung: "Gepäck bzw. Ladung darf selbst bei einer Vollbremsung oder einer plötzlichen Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen, hin- und herrollen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm (z.B. durch ungesichertes Befördern von Kanistern oder Blechbehältern auf der Ladefläche) erzeugen."

    Herumfliegende Ladung mit der Wucht eines Elefanten

    Und nicht zuletzt geht es beim Thema sicheres Laden auch um die eigene Sicherheit und Gesundheit. Denn selbst der kleine Wochenendeinkauf kann - wenn er lose oder schlecht gesichert ist - zum gefährlichen Geschoss werden. Mit zum Teil schweren Verletzungen an Kopf und Wirbelsäule als Folge. Warum, das erklärt Volker Sandner, Leiter der Fahrzeugsicherheit im Testzentrum Landsberg in einem Interview mit dem ADAC: "Falsch gesicherte Ladung entwickelt bei einem Unfall eine Aufprallwucht, deren Gefahr häufig unterschätzt wird. Bei einer Kollision mit Tempo 45 wirkt eine 145 Kilogramm schwere Ladung kurzzeitig mit über sieben Tonnen auf die Sicherheitsgurte - das entspricht dem Gewicht eines ausgewachsenen Elefanten."

    Tipps, wie Ladung am besten gesichert und beladen wird, gibt der ADAC:

    • Die Fracht möglichst lückenlos anordnen und mithilfe von Ladungssicherungsnetzen und Gurten fixieren
    • Falls vorhanden: Gepäcknetz verwenden
    • Darauf achten, dass die Ladung nicht in den Frontbereich ragt
    • Die Rücksitzlehne kann durch diagonal geschlossene Gurte unterstützt werden, falls dort niemand sitzt
    • Es ist nicht immer empfehlenswert, die Rückbank umzuklappen: Sie kann auch als schützende Trennwand dienen
    • Auf richtige Gewichtsverteilung achten: Schwere Gegenstände gehören nach unten, am besten im Fußraum und mit Gurten abstützen, nur leichte Gegenstände oben verstauen
    • Bruchgefährdete Gegenstände wie Vasen, Glasflaschen oder Trinkgläser nicht offen im Innenraum deponieren: Im Falle eines Unfalls fliegen scharfkantige Splitter umher. Besser: Einpacken in stabilen Kartons oder Einwickeln in Decken und hinter dem Beifahrersitz im Fußraum verstauen
    • Lose Kleinteile möglichst in Boxen verstauen
    • Vorhandene Haken und Ösen mit geeigneten Spann- oder Zurrgurten nutzen. Wenn möglich: Zusätzliche Fahrzeuggurte verwenden, um Ladung zu sichern (aber keine elastischen Expander!)
    • Spanngurte im Auto deponieren, damit Sie bei Spontaneinkäufen im Möbelhaus oder im Baumarkt entsprechend ausgerüstet sind
    • Vorgaben zum Reifendruck und zu den Achslasten laut Bedienungsanleitung beachten
    • Ladung mit Überlänge darf für eine Fahrt bis zu 100 Kilometer bis zu drei Meter über das Heck hinausragen, bei längeren Fahrten bis zu 1,5 Meter. Sie muss entsprechend gekennzeichnet sein, z.B. durch eine rote Fahne

    Für besonders lange, große und sperrige Gegenstände empfiehlt der ADAC, Transporter oder Anhänger zu nutzen. Eine Alternative könnte auch die Nutzung eines Anhängers sein. Zusätzlichen Stauraum bieten Dachboxen - z.B. für Ski und Snowboard -, Dachgepäckträger oder Fahrradträger. Und was viele Autofahrer nicht wissen: Auch Hunde und Katzen müssen ordnungsgemäß gesichert werden.

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