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Virtueller Blick auf Schicksale aus dem KZ Dachau | BR24

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Vor 75 Jahren haben amerikanische Soldaten die Insassen des Konzentrationslagers Dachau befreit. Der BR und die KZ-Gedenkstätte Dachau zeigen in einem virtuellen Rundgang die Geschichten der Befreiung aus einer neuen Perspektive.

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Virtueller Blick auf Schicksale aus dem KZ Dachau

Vor 75 Jahren haben amerikanische Soldaten die Insassen des Konzentrationslagers Dachau befreit. Der BR und die KZ-Gedenkstätte Dachau zeigen in einem virtuellen Rundgang die Geschichten der Befreiung aus einer neuen Perspektive.

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Am 29. April 1945 befreiten Soldaten der US-Armee das Konzentrationslager Dachau. 32.000 Menschen waren zu dem Zeitpunkt dort eingesperrt - entkräftet, krank und unterernährt. Die genauen Ereignisse des Befreiungstages zeigt ein neues Projekt des Bayerischen Rundfunks mit der KZ-Gedenkstätte Dachau.

Ein virtueller Rundgang über das Gelände verbindet die Bilder von damals mit den Bildern der Gedenkstätte von heute. Dazu erzählen Augenzeugen der Befreiung ihre Geschichten.

Kaline Thyroff hat für Bayern 2 am Sonntagvormittag mit Eva Deinert gesprochen, die das Projekt für den Bayerischen Rundfunk betreut.

Kaline Thyroff: Wie habt ihr es geschafft, diesen virtuellen Rundgang lebendig zu machen?

Eva Deinert: Zum einen haben wir ganz viel recherchiert. Wir haben uns ganz viele Bilder angeschaut von damals und ganz viele Berichte und Tagebuchaufzeichnungen gelesen, um ein Gefühl dafür zu bekommen - Was ist denn da eigentlich nacheinander an diesem Tag passiert? Und vor allem: Wie haben das die unterschiedlichen Protagonisten und Protagonistinnen erlebt? Also Befreier, Befreite, aber auch viele Journalistinnen und Journalisten, die an dem Tag mit vor Ort waren. Aus diesen Aufzeichnungen haben wir dann einen Rundgang konzipiert, der diesen Tag nachzeichnet.

Was sind das für Zitate und Aufzeichnungen? Wo habt ihr die her?

Das sind ganz vieles unmittelbare Aufzeichnungen, weil wir wollten so nah an diesem Moment wie möglich bleiben. Es gibt zum Beispiel Tagebuch-Aufzeichnungen von Häftlingen. Es gibt Berichte, Militärberichte oder Briefe von US-Soldaten an ihre Familien. Es gibt natürlich auch Zeitungsartikel von Journalistinnen und Journalisten, die vor Ort waren. Und es gibt zum Beispiel auch einen Bericht von Victor Maurer. Das ist ein Rot-Kreuz-Delegierter, der schon am Tag vor der Befreiung vor Ort war in Dachau und aufgezeichnet hat, was er da erlebt.

Ursprünglich sollte man diesen Rundgang aber auch direkt auf dem Gelände der Gedenkstätte Dachau nutzen können, oder?

Genau. Gedacht war das eigentlich als Augmented-Reality-App, die man vor Ort auf seinem eigenen Smartphone als Besucher der Gedenkstätte nutzen kann. Jetzt hat uns leider Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht und wir haben das als virtuellen Rundgang auf die Website gestellt. Es war eigentlich so gedacht, dass man mit seinem Smartphone und Kopfhörern sich über das Gelände der Gedenkstätte bewegt und dann auch die Bilder im realen Raum sieht.

Wird es die App dann aber trotzdem geben, wenn Corona vorbei ist?

Ja, damit rechnen wir fest. Wir wollen das natürlich auch als richtiges Augmented-Reality-Erlebnis den Nutzerinnen und Nutzern zur Verfügung stellen. Wir können jetzt momentan leider noch nicht sagen, wann das sein wird. Aber sie liegt quasi in der Schublade, und sobald es wieder geht, holen wir sie raus.

Wie lief denn die Recherche ab?

Wir haben das Projekt gestartet gemeinsam mit der Gedenkstätte. Die sind auf uns zugekommen und haben gesagt, sie würden gern mit uns kooperieren zu ihrem großen Jahrestag. Und so haben wir uns gemeinsam überlegt: Was könnte ein Ansatz sein? Und die Gedenkstätte, die haben natürlich auch die Fachexpertise. Die haben ein riesiges Archiv da draußen in Dachau und kennen sich da auch ganz gut aus. Sie haben uns da unterstützt in der Recherche, haben viel vorrecherchiert und auch Einschätzungen abgegeben, welche Berichte wären gut und welche sind vielleicht auch historisch kritisch zu sehen.

Gab's Geschichten, die ihr dort gefunden habt, die euch überrascht haben?

Ja, das ist die Geschichte von Arthur Ulo und Paul Levy. Das sind zwei Belgier, die sind befreundet und der eine ist in Dachau eingesperrt. Der andere begleitet die Amerikaner als Übersetzer und Journalist und ist quasi mit der Infanterie-Division unterwegs, als sie das KZ Dachau erreichen und befreien wollen. Und dann treffen sie sich ausgerechnet dort an diesem Ort wieder. Das ist natürlich eine sehr schöne Geschichte, dass die Freunde sich da wiedersehen.

Den virtuellen Rundgang durch das ehemalige Konzentrationslager Dachau finden Sie hier.

Bayern 2-Podcast "Die Befreiung"

Ergänzt wird der virtuelle Rundgang durch einen fünfteiligen Podcast von Bayern 2: "Die Befreiung – Die letzten Stunden in den Konzentrationslagern Flossenbürg und Dachau". Hier geht es um persönliche Geschichten von vor allem sehr jungen Opfern in den Konzentrationslagern, ergänzt um die Geschehnisse im KZ Flossenbürg. Die fünf Folgen erscheinen wöchentlich überall, wo es Podcasts gibt, und natürlich im BR-Podcastcenter und der ARD-Audiothek. Die ersten beiden Folgen sind bereits online verfügbar.

Mehr zum Kriegsende in Bayern finden Sie hier.

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© Archiv KZ-Gedenkstätte Dachau/Montage BR, Christopher Roos von Rosen

75 Jahre ist sie her - die Befreiung des KZ-Dachau durch die US-Armee.