BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Virologin zur Corona-Lage: "Mir macht der Herbst schon Sorgen" | BR24

© BR.de

Die Corona-Ansteckungszahlen in Deutschland steigen wieder etwas an. Kein Grund zur Panik, aber doch zur Vorsicht, meint die Chefvirologin der TU München, Prof. Ulrike Protzer, im Rundschau-Interview. Sorge äußert sie vor dem Herbst.

35
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Virologin zur Corona-Lage: "Mir macht der Herbst schon Sorgen"

Es bestehe kein Grund zur Panik, aber Vorsicht müsse weiterhin sein: So äußert sich die Münchner Virologin Ulrike Protzer im Rundschau-Interview. Aus ihrer Sicht könnte sich die Situation ab Herbst jedoch verschärfen.

35
Per Mail sharen

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat am Dienstagmorgen angesichts erneut steigender Infektionszahlen eindringlich dazu appelliert, Covid-19 nicht zu unterschätzen. Die neueste Entwicklung in Deutschland mache ihm große Sorgen, so RKI-Chef Lothar Wieler. Gleichzeitig rief er dazu auf, Abstands- und Hygieneregeln unbedingt einzuhalten.

Protzer: "Kein Grund zu dramatisieren"

Etwas beschwichtigender formulierte es dagegen Ulrike Protzer am Abend im BR Fernsehen. Man müsse sich dessen bewusst sein, dass das Coronavirus noch da ist, sagte Protzer, die Chefvirologin am Klinikum Rechts der Isar in München ist. Allerdings habe man es bisher nicht mit einem Riesenanstieg der Zahlen zu tun: "Wir sehen einen gewissen Anstieg. Das erinnert uns daran: Wir müssen halt doch diese Regeln wieder einhalten. Wir müssen weiterhin vorsichtig sein. Aber ich sehe noch keinen Grund, das zu dramatisieren."

Derzeit gehe man von einem sehr niedrigen Niveau aus. Auch wenn der sogenannte R-Wert ein bisschen ansteige, seien es halt ein paar Infektionen mehr, aber sicherlich noch nichts, was große Panik verursachen sollte, so Protzer. Zuletzt lag die Zahl der täglichen Neuinfektion laut dem RKI zeitweise bei über 800. Die Hoffnung des Instituts, dass sich die Zahl im Sommer stabil unter 300 einpendeln würde, hat sich somit nicht erfüllt.

Differenzierung zwischen Corona und Grippe schwierig

Sorgen bereitet der Virologin dagegen der Herbst: "Wir wissen, jeden Herbst haben wir einfach mehr Atemwegsinfektionen als im Sommer. Dazu kommt dann meist im Dezember oder Januar die Grippewelle. Und das wird uns noch beschäftigen." Laut Protzer wird es dann schwieriger werden, zwischen Grippe und Corona zu unterscheiden.

"Und, ich glaube, da müssen wir einfach noch schneller in der Reaktion werden – vielleicht auch einen Tick gelassener, aber auch gezielter", so die Virologin. Protzer appellierte, sich wieder mehr an die Regeln zu halten. Ziel sei es, eine zweite Welle, wie man sie gerade in Australien beobachte, zu verhindern.

Die Lockerungen, die Bayern vorgenommen hat, hält die Virologin für richtig - doch die Maskenpflicht sollte ihrer Ansicht nach beibehalten werden: Ich denke, das hilft uns schon sehr, das Ganze einzudämmen. Wenn wir nach Österreich schauen: Die haben es abgeschafft und jetzt letzten Freitag wieder eingeführt." Solche Vorgänge führten aus ihrer Sicht zu Verunsicherung in der Bevölkerung.

© BR

Die Warnung des RKI angesichts steigender Corona-Zahlen ergibt Sinn, so die BR-Wissenschaftsredakteurin Jeanne Rubner. Das Virus sei nicht weg, aber die Menschen erlaubten sich mehr. Das führe zu höheren Infektionszahlen.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!