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Virologe Christian Drosten.

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Virologe Drosten warnt vor schwerer Coronawelle im Winter

Viele Menschen wiegten sich wegen der niedrigen Inzidenzen derzeit in falscher Sicherheit, sorgt sich der Berliner Virologe Christan Drosten. Doch um eine schwere Winterwelle zu vermeiden, müsse der Impffortschritt noch deutlich Fahrt aufnehmen.

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Von
  • BR24 Redaktion
  • Gerhard Brack

Vielerorts in Deutschland ist die Sieben-Tage-Inzidenz derzeit niedrig, Corona-Sorgen treten da womöglich in den Hintergrund. Viele Menschen wiegen sich in falscher Sicherheit, glaubt der Virologe Christian Drosten von der Charité in Berlin. In einem schriftlich geführten Interview der Deutschen Presse-Agentur erklärte er nun: Um einer schweren Winterwelle vorzubeugen, brauche es eine deutlich höhere Impfquote.

Falsches Sicherheitsgefühl bei niedriger Inzidenz

Er hoffe wie alle, dass es in diesem Jahr nicht zu einer Winterwelle mit vielen schweren Fällen komme und wünsche sich keinen weiteren Lockdown. Aber es sei zunehmend besorgt über den Impffortschritt: "Hier kommen wir nicht schnell genug voran, obwohl genug Impfstoff zur Verfügung steht." Viele glaubten sich aufgrund der derzeit niedrigen Inzidenz in Sicherheit, aber das sei ein falsches Sicherheitsgefühl: "Es ist wichtig, jetzt sehr viel mehr Informationsarbeit zu leisten - auch im privaten Umfeld, damit die Impfquote schneller ansteigt." So lasse sich die Wahrscheinlichkeit von erneuten schmerzhaften Eingriffen im Winter senken, meint Drosten.

Jede(r) vierte über 60 ohne Schutz

Wenn die Impfquote nicht signifikant erhöht werde, sei eine schwere Winterwelle zu erwarten. Bei 75 Prozent voll Geimpften über 60 Jahren sei ein Viertel dieser besonders gefährdeten Altersgruppe ohne Schutz, erklärt der Virologe und warnt: "Wenn das so bliebe, könnten wir - stark vereinfacht gesagt - nur etwa viermal mehr Infektionen zulassen als noch vor der Impfkampagne. Diese Vervierfachung wäre bei einer Verdopplungszeit von vielleicht zehn bis 14 Tagen in weniger als einem Monat erreicht."

Impfen gegen den Lockdown

Ziel sei es aber, durch den Herbst und Winter zu kommen, "ohne dass es wieder zu erheblichen Belastungen der Krankenhäuser und zu Einschränkungen des gesellschaftlichen Lebens kommt." Jetzt gehe es darum, möglichst viele Menschen dazu zu bewegen, sich impfen zu lassen: "Jeder Erwachsene kann durch Impfung seinen Beitrag leisten, dass Gesellschaft, Kultur und Wirtschaft im Winterhalbjahr nicht erneut eingeschränkt werden müssen."

Drosten äußerte sich auch zur Frage, wie viele Infizierte man zulassen kann, ohne dass die Krankenhäuser Probleme bekommen. Der Blick auf Inzidenzzahlen müsse sich mit zunehmender Impfquote ändern, so Drosten. "Es kommt im Moment zu einer fortschreitenden Entkopplung zwischen Inzidenz und Krankheitsschwere."

Virologe Bartenschlager: Ungeimpfte werden sich wohl infizieren

Auch der Präsident der Gesellschaft für Virologie, Ralf Bartenschlager, warnt vor zu viel Sorglosigkeit: "Das Virus wird ohnehin nicht mehr verschwinden, es wird jedes Jahr vor allem im Herbst und Winter wiederkommen und wer bis dahin nicht geimpft ist, wird sehr wahrscheinlich infiziert." Der Experte der Universität Heidelberg rief dazu auf, die Inzidenz über den Sommer niedrig zu halten, davon werde man dann im Winter profitieren.

Für die vierte Welle rechnet Bartenschlager dank der Impfungen nicht damit, dass sie wie die vorherigen durch alle Altersgruppen hindurchschwappe. "Sie wird vor allem nicht immune Menschen treffen, deren Anzahl mit der Zeit immer kleiner werden wird. Für manche Gruppen wie Kinder muss man annehmen, dass das Virus schneller sein wird als die Impfung, aber diese Gruppe erkrankt auch sehr selten schwer."

Lehrerpräsident will Corona-Tests an Schulen

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, wirbt derweil dafür, die regelmäßigen Schnelltests für Schülerinnen und Schüler fortzusetzen - "am besten dreimal pro Woche". Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, empfiehlt sogar tägliche Schnelltests vor Unterrichtsbeginn. Anfang August beginnt in den ersten Bundesländern das neue Schuljahr.

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Viele Kinder und Jugendliche leiden noch oder haben unter Long Covid-Symptomen gelitten. Damit beschäftigen sich viele Studien, mit ganz unterschiedlichen Ergebnissen.

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