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Maßband um eine Erdkugel

Die Erde ist ein Apfel!

Martin Behaim-Globus, Erdapfel genannt

Martin Behaim-Globus, Erdapfel genannt

Im Jahr 1492 bastelte der Nürnberger Martin Behaim den ältesten erhaltenen Globus aus Pappmaché. Sein sogenannter Erdapfel war schon veraltet, als er Form annahm, denn im gleichen Jahr war ein neuer Kontinent entdeckt worden. 1507 wurde er auf den Namen Amerika getauft und erschien erstmals auf der Waldseemüllerkarte. Dass die Welt keine Scheibe ist, sondern eine Kugel, vermuteten schon antike Gelehrte. Den Beweis erbrachte Eratosthenes im Jahr 240 vor Christus. Der Astronom und damalige Leiter der Bibliothek von Alexandria berechnete mit Sonnenuhren erstmals den Umfang der Erde. Eratosthenes kam auf 42.000 Kilometer und lag nur knapp daneben: Der Erdumfang beträgt 40.075 Kilometer. Eratosthenes gilt als Begründer der wissenschaftlich basierten Geografie. Und die sagenumwobene Bibliothek von Alexandria, die später zerstört wurde, war bereits mit einer Sternwarte ausgestattet.

Fehlerhafte Geografie-Bibel gilt 1.500 Jahre lang

Ptolemäische Weltkarte - kolorierter Holzschnitt um 1482

Ptolemäische Weltkarte - kolorierter Holzschnitt um 1482

Um das Jahr 150 nach Christus gelang Claudius Ptolemäus ein Volltreffer: Der Geograf an der Bibliothek von Alexandria erschuf DAS Nachschlagewerk für Astronomie, Astrologie und Geografie. 1.500 Jahre lang, also von der Antike bis zum Ende des Mittelalters, war Ptolemäus' Werk die Geografie-Bibel. Dabei enthielt sie einen fetten Fehler! Ptolemäus verließ sich bei seinen Karten-Berechnungen nicht auf Eratosthenes, sondern auf neuere Quellen und verrechnete sich beim Erdumfang um 10.000 Kilometer. Die Folge: Seine Karten hatten falsche Proportionen! Falsch war auch seine Annahme, dass die Erde Zentrum des Weltraums ist. Nikolaus Kopernikus, Johannes Kepler und Galileo Galilei rückten das fehlerhafte Weltbild gerade und die Sonne ins Zentrum unseres Planetensystems. Die 27 Blätter von Ptolemäus' Weltatlas waren nach dem Vorbild babylonischer Mathematiker schon in ein Koordinatensystem eingeteilt: Verzeichnet waren Linien der Länge und der Breite sowie gut 8.000 Orte. Noch heute sind Ptolemäus' 180 Breitengrade gültig.

In der Antike war "Fußgänger" ein Beruf

Antikes Hodometer aus Griechenland

Antikes Hodometer aus Griechenland

Wollte man vor rund 3.000 Jahren in die Fremde ziehen, brauchte man einen ortskundigen Führer. Von ihm hing auch das eigene Leben ab. Alexander der Große hatte um 330 vor Christus nicht so viel Vertrauen, als er von Babylon ins heutige Tadschikistan unterwegs war. Er engagierte lieber gut geschulte Schrittzähler, sogenannte Bematisten. Die Berufsgänger machten Schritte von immer gleicher Länge und vermaßen so eine Wegstrecke. Eine Meile war damit genormt: Millia passum bedeutete tausend Doppelschritte. Dank der Messungen kannte man bald die Entfernungen zwischen wichtigen Orten. Neben Bematisten gab es auch Hodometer: Mechanische Wegstreckenzähler oder Entfernungsmesser.

Wie sich Kolumbus ständig verfuhr

Christoph Kolumbus-Statue

Christoph Kolumbus-Statue

Christoph Kolumbus, der heute weltberühmte Entdecker aus Genua, ist eigentlich eine tragische Figur. Ständig verfuhr er sich auf seinen Entdeckungsreisen: Eigentlich wollte er von den Kanarischen Inseln auf der Westroute nach Asien, aber er verschätzte sich - dank fehlerhafter Informationen von Aristoteles, Ptolemäus und einem eigenen Rechenfehler. Die anvisierte Strecke war 15.000 Kilometer länger als gedacht. Aber so weit kam Kolumbus erst gar nicht, denn er entdeckte 1492 einen neuen Kontinent und merkte es nicht. Auch seine Pläne zur Kolonisation der neuen Welt scheiterten und der Entdecker kehrte in Schimpf und Schande nach Spanien zurück und starb ruhmlos 1506. Statt Kolumbus heimste ein anderer die Lorbeeren für die Entdeckung Amerikas ein: Amerigo Vespucci aus Florenz, nach dem der neue Kontinent 1507 erstmals auf der Waldseemüllerkarte benannt wurde. Den Seeweg nach Asien, via Afrika, fand 1498 der Portugiese Vasco da Gama. Die Portugiesen kontrollierten daraufhin rund hundert Jahre die Seewege der Gewürzstraße. Das lukrative Monopol brach um 1595 ein Spion: der Niederländer Jan Huygen van Linschoten.

Warum bis 1776 keiner Längengrade richtig bestimmen konnte

Porträt von Queen Anne (1665-1714)

Porträt von Queen Anne (1665-1714)

Breitengrade oder die geografische Breite konnten unsere Vorfahren schon früh und mit einfachen Geräten messen. Man brauchte nur den Sonnenstand oder die Höhe der Sterne über dem Horizont, um seine Position auf der Nord-Süd-Achse zu ermitteln. Die Bestimmung des Längengrades dagegen machte bis in 18. Jahrhundert Probleme. Astronomisch war das Rätsel nicht zu lösen: Auch, wenn die Mondlaufbahn im Voraus berechnet und Seefahrern in Form von Tabellen zur Verfügung gestellt wurde, dauerte die Positionsbestimmung auf der Ost-West-Achse vier Stunden. Wenn man den Mond überhaupt im Blick halten konnte. In dieser Zeit hatten Schiffe schon deutlich Strecke gemacht. Nach vielen verheerenden Schiffsunglücken und massenhaft toten Matrosen erließ Queen Anne im Juli 1714 den "Longitude Act": 20.000 Pfund Belohnung - heute mehrere Millionen Euro - für denjenigen, der Längengrade auf einen halben Grad genau bestimmen konnte!

Wie der "verrückte König George" etwas richtig Kluges tat

Uhrmacher John Harrison

Uhrmacher John Harrison

John Harrison konnte den Längengrad genau bestimmen. Das glaubt ihm aber etwa 40 Jahre lang keiner. Hatte sich der Uhrmacher aus Yorkshire doch sein Handwerk selbst beigebracht und kein Uhrmacherdiplom. Er präsentierte 1731 eine Uhr zur Bestimmung der geografischen Länge. Die Jury, die die eingereichten Methoden beurteilte, hatte Zweifel. Die Kommission bestand aus den damals bedeutendsten Wissenschaftlern. Vorsitzender war Isaac Newton. Lange hielten die Wissenschaftler an der astronomischen Lösung des Längengrad-Problems fest. Bis dato gab es nämlich keine Uhr, die an Bord eines Schiffes zuverlässig funktionierte: Sonnenuhren versagten bei Nacht und Wolken, Sanduhren verloren Zeit beim Umstellen und auf mechanische Uhren wirkten Hitze, Kälte, Reibung und Schwerkraft ein. Trotz namhafter Widersacher und unfairer Verzögerungstaktiken blieb John Harrison hartnäckig. Er feilte weiter an seiner Längengrad-Uhr. Und zumindest James Cook war begeistert von Harrisons zuverlässiger Erfindung. Der Entdecker nutzte eine Kopie der Uhr auf See. 1776, knapp 80 Jahre alt und kurz vor seinem Tod, platzte Harrison der Kragen: Der Uhrmacher beschwerte sich bei König George III. Der Monarch war empört über das Unrecht, das Harrison angetan wurde, und gab ihm das von Queen Anne ausgesetzte Preisgeld. Eine richtig gute Idee des Monarchen, der als Verrückter in die Annalen der englischen Geschichte eingegangen ist. 2015 wurde ein Porträt von Harrison auf den Britischen Pass gedruckt.

Wie das Bild vom einäugigen Piraten entstand

Jakobsstab, Vorläufer des Sextanten

Jakobsstab, Vorläufer des Sextanten

Bevor der Sextant im 18. Jahrhundert als Messinstrument für Seefahrer eingeführt wurde, benutzte man seit dem 15. Jahrhundert ein anderes Instrument: den Jakobs- oder Kreuzstab. Das war ein Längsstab mit einem verschiebbaren Querholz. Den Längsstab legte man ans Auge an und verschob das senkrechte Querholz so lange, bis das untere Ende den Horizont berührte und das obere Ende das angepeilte Gestirn abdeckte. Den gemessenen Winkel konnte man dann entweder am Gerät ablesen oder berechnen. Der Haken: Für die Positionsbestimmung mussten Seefahrer immer mit einem Auge in die Sonne sehen. Langfristig wurden Seemänner dadurch meist blind. Sie prägten unser Bild vom einäugigen Piraten.

Wie der Mensch abhob

Heißluftballon der Brüder Montgolfier

Heißluftballon der Brüder Montgolfier

Die wahren Entfernungen zwischen zwei Orten konnte man erstmals sehen, als Menschen in die Luft gingen: Im Jahr 1783 erfanden die Brüder Montgolfier den Heißluftballon und ließen ihn nahe Lyon steigen. Natürlich mussten erst einmal Tiere für einen Flug herhalten. Im gleichen Jahr machte den Brüdern der Physikprofessor Jacques Alexandre César Charles aus Paris mit dem Gasluftballon Konkurrenz. Das Zeitalter der Luftfahrt brach an und dass Ballonfieber aus. Ein neuer Modetrend war geboren: Hüte und Röcke von Frauen wurden ballonförmig wie auch ihre Frisuren. Ein Jahrhundert später rückte die Welt dann deutlich enger zusammen: Luftfahrt, Eisenbahn, Telegrafie und die weltweite Koordination der Uhrzeit schufen die Voraussetzung für eine globalisierte Welt.