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Ein voller Hörsaal: Zu Corona-Zeiten ein ungewohntes Bild.

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    Universitäten: Sind Hörsäle bald wieder voll?

    Nach etwa eineinhalb Semestern im Digitalen sollen jetzt wieder mehr Seminare und Vorlesungen in der Uni möglich sein. Auch auf das Wintersemester blickt Bayerns Wissenschaftsminister angesichts sinkender Corona-Zahlen optimistisch.

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    Von
    • Axinja Weyrauch

    Bisher gibt es nur wenig Präsenzlehre an Bayerns Unis und Hochschulen. Labore sind geöffnet, Musikunterricht oder künstlerische Fächer finden statt – die meisten Seminare und Vorlesungen laufen aber nach wie vor digital. Mit den sinkenden Corona-Infektionszahlen könnte sich das nun zumindest für kleinere Veranstaltungen ändern: Das bayerische Kabinett hat in seiner Sitzung am Freitag beschlossen, dass wieder mehr Präsenz möglich ist. Wie viele Studierende teilnehmen dürfen, hängt von der Raumgröße ab. Der Abstand von 1,5 Metern muss eingehalten werden und es herrscht Maskenpflicht. Außerdem gilt nun ähnlich wie an den Schulen eine Testpflicht: In die Uni darf nur gehen, wer sich zweimal die Woche testen lässt.

    Studierende brauchen Planungssicherheit

    Grundsätzlich freut sich Johanna Weidlich, Sprecherin der Landes-Asten-Konferenz und Master-Studentin an der Hochschule Ingolstadt darüber, dass wieder mehr Präsenzlehre angeboten werden kann. Allerdings fordert sie, dass das aktuell laufende Sommersemester komplett digital studierbar bleiben muss. "Nach eineinhalb Online-Semestern haben viele Studierende, die mitten im Studium sind, einfach ihre Wohnungen aufgegeben und müssen sich eine neue Wohnung suchen, wenn jetzt von heute auf morgen der Unterricht wieder anfängt." Studierende bräuchten einfach mehr Planungssicherheit als Schulen, sagt Weidlich.

    Aus diesem Grund und auch weil ausländische Studierende derzeit womöglich gar nicht einreisen können, geht man zumindest an der Universität Augsburg davon aus, dass in diesem Semester weiterhin alle Veranstaltungen online stattfinden, sagt Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel, Präsidentin der Uni.

    Wie die Unis das Wintersemester planen

    In Augsburg und auch an anderen Universitäten und Hochschulen laufen bereits die Vorbereitungen für das Wintersemester. Wissenschaftsminister Bernd Sibler (CSU) ist optimistisch, dass wieder Lehre vor Ort möglich sein wird. "Die sehr positive Entwicklung bei den Inzidenzzahlen geben ein Stück Hoffnung. Ich gehe auch fest davon aus, dass im Herbst schon viele junge Menschen ein Impfangebot haben oder komplett durchgeimpft sind, das wird alles mithelfen."

    Mit Impfen und Tests hofft man auch an der Universität Regensburg, dass das Wintersemester wieder recht normal ablaufen kann, sagt Vizepräsident Prof. Dr. Nikolaus Korber. "Wir planen wirklich ohne Abstandsregeln und in Präsenz die über 4.500 Lehrveranstaltungen die wir in einem normalen Wintersemester haben in unseren Räumen, in den Seminarräumen und Hörsälen." Allerdings soll jede Veranstaltung schnell ins Digitale wechseln können, falls die Pandemie wieder einen Strich durch die Rechnung macht.

    Unis rechnen mit unterschiedlichen Szenarien

    Schon im vergangenen Wintersemester haben manche Hochschulen und Unis in Präsenz gestartet – nach wenigen Wochen war dann aber Schluss. Deshalb plant die Universität Augsburg nicht so optimistisch. Präsidentin Sabine Doering-Manteuffel findet, dass keine Erwartungen geweckt werden sollten, die nicht eingehalten werden können. Sie ist außerdem Vorsitzende der Bayerischen Universitätenkonferenz Universität Bayern e.V.. Da stimme man sich bayernweit ab. "Im Moment herrscht die Meinung vor, dass man vielleicht in Präsenz gehen kann, wenn die Zahlen das zulassen. Aber das ist ein ganz wichtiger Punkt: Man muss einfach immer sagen, dass Infektionsgeschehen haben wir alle nicht in der Hand."

    Doering-Manteuffel ist eher skeptisch, ob ausreichend Studierende bis in den Herbst geimpft sein werden. Deshalb plant sie für die Universität Augsburg mit drei Szenarien: Volle Präsenz, voll Digital oder eine Mischform. "Denn die Zahlen sind ja nach wie vor schwankend. Im Moment scheint ja die Sonne und da hat man den Eindruck, dass die Corona-Pandemie schon fast vorbei wäre. Aber es mag ja gut sein, und das zeigt ja die Erfahrung unter anderem aus europäischen Ländern, dass sich das auch ganz schnell wieder ändern kann."

    Was auf jeden Fall bleibt: Mehr digitale Formate

    In jedem Fall wird die Zeit der digitalen Semester ihre Spuren in der Lehre an den Universitäten und Hochschulen hinterlassen, denkt Doering-Manteuffel. "Interessant sind die Konferenzsysteme, die Videosysteme, die wird man für vielerlei Zwecke nutzen können in Zukunft, für kleine Veranstaltungen, für ein kurzfristiges Treffen mit Studierenden, für Fragen beantworten und so weiter. Da ist jetzt eine Gewohnheit eingetreten, dass das meiner Meinung nach beibehalten wird."

    Gerade die großen Vorlesungen könnten künftig wohl noch häufiger als schon vor der Pandemie digital übertragen und auch nachträglich verfügbar gemacht werden. Neue digitale Formate hätten für Nikolaus Korber, Vizepräsident der Universität Regensburg auch den Vorteil, dass das Studium inklusiver würde. "Wir können besser auf unterschiedliche Anforderungen von Seiten der Studierenden eingehen, auf unterschiedlichen Startbedingungen." So könne das Studium beispielsweise für junge Menschen mit Kindern oder zu pflegenden Angehörigen erleichtert werden.

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