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Uni Würzburg entwickelt Kaugummi, der Infektionen anzeigt | BR24

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Frau kaut Kaugummi (Symbolbild)

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    Uni Würzburg entwickelt Kaugummi, der Infektionen anzeigt

    Ein Kaugummi, der vor Infektionen warnt: An dieser Idee haben Wissenschaftler der Universität Würzburg eigenen Angaben zufolge lange geforscht. Der Kaugummi kann Infektionen in Mund- und Rachenraum nachweisen.

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    Die Idee leuchtet ein: Wer befürchtet, dass sich in seinem Mund- und Rachenraum eine Infektion anbahnt, muss nur kurz einen speziellen Kaugummi kauen, um Gewissheit zu erlangen. Denn wenn dabei ein bitterer Geschmack entsteht, ist klar: Hier vermehren sich gerade unerwünschte Bakterien. Ein Arzt kann dann schnell die passende Behandlung einleiten.

    Bitterstoff ist nur zu schmecken, wenn Entzündungskeime vorhanden sind

    Das Prinzip des neuartigen Kaugummis erklärt die Uni folgendermaßen: Der Kaugummi dient als Trägersubstanz, in den ein löslicher Film mit einer spezifischen Peptidkette aus Aminosäuren sowie ein Bitterstoff eingearbeitet sind. Die Peptidkette ummantelt diesen Bitterstoff und verhindert so, dass die Zunge ihn von Anfang an schmecken kann. Erst wenn krankheitsspezifische Enzyme einer bakteriellen Entzündung im Speichel vorhanden sind, trennen diese die Peptidkette vom Bitterstoff ab. Von diesem Moment an wird jeder, der den Kaugummi kaut, einen deutlich bitteren Geschmack wahrnehmen. Sind keine Bakterien vorhanden, bleibt der Geschmack neutral.

    Forschung läuft seit 2011

    Gemeinsam mit seinem Team hat Professor Lorenz Meinel - Inhaber des Lehrstuhls für Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg – das neue Diagnosemittel seit 2011 entwickelt. Weitere Kooperationspartner in Würzburg sind die Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie am Universitätsklinikum Würzburg sowie die Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie. Dort werden vermutlich noch in diesem Jahr die ersten Studien am Patienten laufen, erklärt Kieferchirurg Dr. Dr. Christian Linz.

    Noch etwa 15 Monate bis zur Marktreife

    Ein Biotech-Start-Up aus der Nähe von Stuttgart arbeitet nun daran, das Produkt zur Marktreife zu bringen. Zwölf bis 15 Monate soll es noch dauern, dann soll der Kaugummi in Apotheken erhältlich sein. Bis es den Kaugummi tatsächlich rezeptfrei in Apotheken gibt, müssen Jehle und sein Team allerdings noch ein paar Hürden überwinden. Eine davon ist die Zulassung durch die Behörden.

    Kaugummi-Varianten könnten spezielle Krankheiten anzeigen

    Geht es nach den Entwicklern des Kaugummis, kann der Kaugummi in Zukunft auch weitere Krankheiten zu einem frühen Zeitpunkt anzeigen – beispielsweise eine Parodontitis, eine Mandelentzündung, Scharlach oder Influenza. Bei allen diesen Krankheiten lassen sich Meinel zufolge Erreger im Speichel nachweisen.