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Neues Umweltsiegel "Der grüne Knopf" | BR24

© Colourbox.com / Montage: BR

Umweltsiegel Der grüne Knopf - Symbolbild

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    Neues Umweltsiegel "Der grüne Knopf"

    2019 will Bundesentwicklungsminister Gerd Müller ein neues Textil-Siegel in Deutschland einführen. Es soll Mindeststandards bei Umwelt- und Arbeitsbedingungen sichern. Sowohl die deutsche Textilindustrie als auch Aktivisten äußern Kritik.

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    Im Oktober 2014 rief Bundesentwicklungsminister Gerd Müller ein Bündnis für nachhaltige Textilien ins Leben. Es wurde als Reaktion auf den Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch im April 2013 gegründet. Bei dem Unglück kamen vor allem Textilarbeiter ums Leben. Insgesamt starben mehr als 1.100 Menschen, mehr als 2.000 wurden verletzt.

    Ziel des neuen Textil-Siegels Der grüne Knopf, das das Bündnis für nachhaltige Textilien ausarbeitet, ist es, in der gesamten Produktions- und Handelskette soziale und ökologische Mindeststandards einzuführen. Müller will nur Textilien auszeichnen, die bereits ein privates Siegel tragen und schrittweise nach Produktionsstufen vorgehen - beginnend mit der Endproduktion der Textilien, also der Konfektionierung. Erst ab 2021 soll das Siegel auch auf andere Bereiche wie die Färbung der Stoffe ausgeweitet werden. Die Kriterien sollen im Lauf der Zeit verschärft werden.

    Kritik von allen Seiten

    Doch das Konzept des Grünen Knopfs stößt auf Kritik, sowohl bei der deutschen Textilindustrie als auch bei Aktivisten. Auslöser: Es ist unklar, welche Standards dem Grünen Knopf zugrunde liegen werden und wie das Ministerium die Kontrolle des Siegels gewährleisten will. Nach Ansicht von Ingeborg Mehser vom Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt, Mitglied der Kampagne für Saubere Kleidung, besteht bei einem freiwilligen Siegel wie dem Grünen Knopf "die Gefahr der Verwässerung". Der Zusammenschluss Saubere Kleidung hält auch die Gefahr von Greenwashing für gegeben, wenn nur Produkte statt Unternehmen ausgezeichnet werden. Ein Unternehmen, das nur ein Produkt aus dem Sortiment unter akzeptablen Bedingungen herstellt, wird seine Einkaufspraxis nicht grundsätzlich ändern.

    Die deutsche Textilwirtschaft hält den Grüne Knopf für eine "Schnapsidee". Die "Augsburger Allgemeinen" zitierte Mitte Mai 2018 aus einem internen Positionspapier: Darin stand, dass Müller "allen fachlichen Rat" ignoriere. Dem Minister gehe es "in erster Linie um politisches Marketing". Der Grüne Knopf könne "gar nicht halten, was er vorgibt zu versprechen". Die Umstellung auf das neue Siegel sei "mit enormen zusätzlichen Kosten" verbunden, der Aufbau eines Überwachungssystems dauere Jahre. Nur bei kleinen Produktionsmengen sei die lückenlose Kontrolle vom Baumwollfeld bis zum Bügel möglich, nicht jedoch bei Massenprodukten.

    Kathrin Krause vom Verbraucherzentrale Bundesverband e. V. sagt, dass es eine Unterscheidung geben müsse zwischen den herkömmlichen privaten und einem neuen staatlichen Siegel. "Und ehrlich gesagt haben wir gerade das Gefühl, dass der Minister eher die Chance nutzen sollte - wenn er schon ein staatliches Siegel schafft - dass er dieses auch gesetzlich verankert." Verstöße können nämlich sonst nicht geahndet werden. Krause empfiehlt Menschen, die bei Textilien auf nachhaltigen Konsum setzen wollen, sich folgendes zu fragen:

    "Ob Sie wirklich neue Klamotten brauchen oder ob Sie nicht auf einer Kleidertausch-Party was Schönes finden oder, indem Sie Ihre bestehende Kleidung umfärben oder umnähen ... Wenn es dann doch ein neues Kleidungsstück sein soll, würden wir empfehlen, auf den Global Organic Textile Standard (GOTS) zu achten. Das ist ein Siegel, das ein weißes Hemd auf grünen Grund hat. Das hat den Fokus bei der Ökologie, beim Baumwollanbau, [achtet] aber auch auf die Chemikalien und Färbeprozesse. Für die soziale Dimension empfehlen wir die Fair Wear Foundation (FWF). Das ist ein Siegel mit einem roten Kleiderbügel. Die haben ihren Fokus auf den sozialen Bedingungen, also den Produktionsbedingungen vor Ort." Kathrin Krause, Referentin Nachhaltiger Konsum, Verbraucherzentrale Bundesverband e. V.

    Textil-Siegel

    Die strengsten und unabhängigsten Textil-Siegel auf dem Markt sind laut der Umweltschutzorganisation Greenpeace IVN Best, GOTS und Made in Green von Oeko-Tex. Bei großen Kleiderketten in Fußgängerzonen oder in Shoppingmalls findet man Kleidung mit nachhaltigen Textil-Siegeln allerdings eher selten. Einen Überblick über die Umweltzeichen und ihre Vorgaben finden Sie auf diesen Seiten: