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Die Gier nach Strom: Können wir den Bedarf nachhaltig decken? | BR24

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Die Gier nach Strom - können wir den Bedarf nachhaltig decken?

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    Die Gier nach Strom: Können wir den Bedarf nachhaltig decken?

    Heizen mit Strom, Fahren mit dem E-Auto, Digitalisierung - der Strombedarf wächst und wächst. Wenn die Energiewende gelingen soll, muss mehr Strom aus Erneuerbaren Energien gewonnen werden - aus Windkraft, Photovoltaik, Biomasse. Kann das gelingen?

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    Heizen wird künftig wohl der größte Posten beim Stromverbrauch der Haushalte sein. Öl- und Gasheizungen werden nach und nach ersetzt, damit die klimaschädlichen Emissionen zurückgehen. Alternativ werden nun häufig Wärmepumpen eingebaut , die aber nur klimafreundlich sind, wenn der Strom hierfür nachhaltig erzeugt wird.

    "Denn bei Wärmepumpen haben Sie den klaren Vorteil, dass Sie aus einer Einheit Strom drei bis viereinhalb Wärme machen können. Und das ist wieder ein Ressourcen- und Kosteneffizienzargument." Christoph Pellinger, Forschungsstelle für Energiewirtschaft

    Auch die Verkehrswende benötigt Strom

    Die Bundesregierung fördert den Kauf von E-Autos mit Kaufprämien, um die Klimaziele zu erreichen. Angepeilt werden in Deutschland bis 2030 sieben bis zehn Millionen zugelassene Elektrofahrzeuge. Nach Ansicht von Christoph Pellinger von der Forschungsstelle für Energiewirtschaft ist das ein guter Weg, denn bereits jetzt lohne sich ein Elektrofahrzug. Dies sei nicht nur mit Blick auf die kurzfristigen Emissionen so, sondern auch mit Blick auf die Gesamtemissionen eines Fahrzeugs, so der Experte. Das sei durch aktuelle Analysen zu belegen. Voraussetzung auch hier: Der Strom kommt aus "grüner" Produktion.

    Was kann die Windenergie beitragen?

    In Bayern ist die Stromgewinnung durch Wind nahezu zum Erliegen gekommen. Nach Ansicht von Petra Hutner vom Bundesverband WindEnergie e.V. bremst die Politik die Windenergie bewusst aus. Dazu trage vor allem die 10h-Regelung im Freistaat bei. Sie besagt, dass Windkraftanlagen "einen Mindestabstand vom 10-fachen ihrer Höhe zu Wohngebäuden (...) einhalten" müssen. Zwar könnten die Kommunen diese Regel außer Kraft setzen, aber das funktioniere nur theoretisch, so die Leiterin der Landesgeschäftsstelle Bayern. Der bürokratische Aufwand für die einzelnen Kommunen sei in der Praxis kaum zu stemmen.

    Flächenverbrauch durch Photovoltaik?

    Klassiker ist nach wie vor die Anlage auf dem Dach. Für manche ein ästhetisches Problem, das aber gelöst werden kann. Bei den Indach-Anlagen werden die Module anstelle von Dachpfannen in das Dach integriert. Und durch Dünnschichtmodule lassen sich sogar Fassaden als Stromproduzenten nutzen. Aber auch abseits der Dächer werden immer neue Ideen realisiert, um Flächen zu erschließen, ohne Boden dafür versiegeln zu müssen. Das erhöht die Akzeptanz. So gibt es in Baden-Württemberg Versuchsflächen mit Agro-Photovoltaik. Auf Gerüsten über den Äckern thronen die Module, darunter werden zum Beispiel Getreide und Kartoffeln angebaut. Auf ein- und derselben Fläche werden also Strom und Lebensmittel produziert. In den Niederlanden und in Frankreich gibt es schwimmende Solarstromanlagen auf Gewässern wie Stau- und Baggerseen, sogenannte "Floating Solar Farms". Diese sind besonders effizient.

    PV-Anlagen auf Dächern

    Nach Einschätzung von Axel Berg, dem deutschen Vorsitzenden der Europäischen Vereinigung für Erneuerbare Energien EUROSOLAR ist die Energiewende auch ohne PV-Sondernutzungen in Deutschland möglich. Es gebe überall ausreichend Dachflächen für Solaranlagen. Auf diese Weise - so Berg - könne die Energiewende regional un

    d dezentral bewerkstelligt, auf den Bau von großen Leitungen könne verzichtet werden. Zudem wird Berg zufolge die Stromherstellung immer günstiger. Die großen Stromkonzerne sähen dadurch ihr Geschäftsmodell in Gefahr, sagt Berg, der an der Erarbeitung des Erneuerbare Energiengesetzes maßgeblich beteiligt war. Auch die Bundesregierung bremst den Ausbau der Photovoltaik. Bald könnte mit der staatlichen Förderung von Solarenergie Schluss sein, wenn die Regierung nicht bald den sogenannten Solardeckels streicht; dh. wenn die Einspeisung eine bestimmte Marke übersteigt, gibt es kein Geld mehr für weitere Projekte. Dies könnte demnächst der Fall sein, wenn die Gesetzeslage nicht geändert wird.

    Vorbild Pfaffenhofen

    In Bayern gibt es bereits einige Kommunen, die die Energiewende in Eigenregie umsetzen. Ein Beispiel ist die oberbayerische Stadt Pfaffenhofen an der Ilm. Die Kommune hat sich ein Ziel gesetzt. Sie will bis 2021 energiesouverän sein. Die dortige Bürgerenergiegenossenschaft und Bürgermeister Thomas Herker waren rührig, haben die Versorgung der Stadt mit Erneuerbaren Energien vorangebracht. Es gibt ein Bioheizkraftwerk, ein Windrad, dem demnächst drei weitere folgen werden, auf dem Carport des Pendlerparkplatzes ist eine Photovoltaikanlage installiert. Warum das alles funktioniert hat, hat nach Ansicht von Andreas Herschmann, dem Vorstand der Bürgerenergiegenossenschaft Pfaffenhofen, mit der Einbindung der Bürgerschaft zu tun.

    "Was Pfaffenhofen ausmacht, ist vor allem die Bürgerbeteiligung bei den Projekten der Genossenschaft. Dort können sich die Bürger aktiv, demokratisch an diesem Ausbau der Erneuerbaren beteiligen, das heißt sie können auch über Projekte abstimmen und auch finanziell partizipieren, d.h. auch Gewinne damit erwirtschaften." Andreas Herschmann von der Bürgerenergiegenossenschaft Pfaffenhofen

    In Pfaffenhofen liegt der Anteil des selbst produzierten sauberen Stroms bei über 70 Prozent - Ziel sind aber 100 Prozent. Ein weiterer Schritt auf diesem Weg: Künftig muss auf jedem Neubau eine Photovoltaikanlage installiert werden.

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