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"Überzuckerungstag": Werbeverbote und Zuckersteuer gefordert | BR24

© picture alliance/Jörg Carstensen/dpa

Bereits Mitte August haben Kinder und Jugendliche in Deutschland soviel Zucker gegessen, wie im ganzen Jahr für sie gut wäre.

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    "Überzuckerungstag": Werbeverbote und Zuckersteuer gefordert

    Schon heute haben deutsche Kinder und Jugendliche ihr Zucker-Limit für 2020 erreicht. Übergewicht und Erkrankungen sind die Folge dieser schlechten Ernährung. Verbände und Krankenkassen fordern Gegenmaßnahmen.

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    Von
    • Fabian Dilger

    Die Verbraucherorganisation "Foodwatch" hat den 11. August 2020 zum "Kinder-Überzuckerungstag" erklärt. Das ist der Tag, an dem die Kinder in Deutschland bereits so viel Zucker gegessen haben, wie sie im ganzen Jahr 2020 konsumieren sollten.

    Doch nicht nur die Kinder, alle Deutschen essen zu viel Zucker. Das hat fatale Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen. Ein wesentlicher Grund für den hohen Zuckerkonsum ist der hohe Zuckeranteil in vielen verarbeiteten Lebensmitteln.

    Gesunde Zuckermenge ist bereits Mitte August erreicht

    Die deutschen Kinder und Jugendlichen essen deutlich mehr Zucker als von Experten empfohlen: So sollten eigentlich nur zehn Prozent der täglich aufgenommenen Kalorien aus sogenanntem freiem Zucker bestehen, der Speisen und Getränken zugesetzt wird.

    Doch die Kinder und Jugendlichen von drei bis 18 Jahren nehmen 16,3 Prozent ihrer Tagesenergie aus freien Zuckern auf, 63 Prozent mehr als empfohlen (Stand 2016). Rechnet man das um, dann ist schon am 11. August das Zucker-Limit für das ganze Jahr erreicht.

    Für Foodwatch sind daran auch die Marketingstrategien der Unternehmen schuld, wie Luise Molling sagt: "Süßwaren, Limo und Snacks bescheren der Lebensmittelindustrie besonders große Profite, daher fixt sie Kinder und Jugendliche auf allen Kanälen gezielt auf diese Produkte an.“

    15 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland haben Übergewicht

    Zuviel Zucker hat dramatische Auswirkungen auf die Gesundheit. Die wichtigsten Krankheiten, die daraus resultieren, sind Übergewicht, Adipositas, Diabetes mellitus Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Karies und Krebs. Dazu kommt die aktuelle Gefahr, die von Covid-19 ausgeht: Menschen mit Adipositas, Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen zählen eindeutig zur Corona-Risikogruppe. In Deutschland sind ungefähr 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen übergewichtig oder sogar fettleibig.

    Helfen Werbeverbot und Zuckersteuer?

    Foodwatch fordert deswegen zum Beispiel Werbebeschränkungen auf allen Kanälen. "Ob mit Influencern über Soziale Medien, mit Comic-Figuren direkt auf den Verpackungen oder mit Werbung im Fernsehen: Nur noch ausgewogene Produkte sollten an Kinder vermarktet werden dürfen", heißt es von der Organisation.

    Eine weitere Möglichkeit ist, Zucker teurer zu machen. Andreas Schöfbeck, Vorstand der Krankenkasse BKK ProVita, sagt: "Der Staat muss regulierend eingreifen, um die Gesundheit der Menschen zu schützen. Ein wirksames Mittel sehe ich in der Einführung einer Steuer für zuckerhaltige Lebensmittel - einer Zuckersteuer." Diese Zuckersteuer sollte an die Krankenkassen fließen, wünscht sich Schöfbeck.

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