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Borkenkäferbefall im Wald - Fichten müssen großflächig gefällt werden

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Überlebenswichtig und in akuter Gefahr: Der Wald weltweit

Ohne funktionierende Waldökosysteme kann die Menschheit nicht überleben. Doch den Wäldern geht es schlecht, und zwar rund um den Globus. Krankheiten setzen den Bäumen zu, ebenso wie Kahlschläge. Der Klimawandel ist dabei nicht das einzige Problem.

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Von
  • Johanna Stadler
  • Chris Köhler

Damit hat Förster Gerhard Waas nicht gerechnet: Dass ihm eines Tages die "Kaukasische Tannentrieblaus" Sorgen bereiten wird. Waas kümmert sich um Waldschäden im Landkreis Miesbach, wo er die Forstaufsicht über 8.000 Hektar Wald hat. Den Bäumen setzen Insekten, Pilze, Viren, Bakterien und Wild zu, dazu kommen Stürme, Schneebruch, Trockenheit. All das gab es auch schon früher. Aber der Klimawandel und die Globalisierung verschärfen die Probleme.

Schädlinge haben gute Bedingungen

Denn Schädlinge, die aus anderen Ländern zu uns gelangen, haben hier oft keine natürlichen Feinde. Und: Bäume, die durch Trockenheit eh schon belastet sind, können sich gegen Schädlinge nicht wehren. Ein Beispiel dafür ist laut Waas die Esche. Das aus Asien eingeschleppte "Falsche weiße Stengelbecherchen" - ein Schlauchpilz - hat es in relativ kurzer Zeit geschafft, die europäischen Eschen zum Absterben zu bringen.

Waldzustandsbericht: Es wird immer schlechter

Prof. Andreas Bolte vom Thünen-Institut für Waldökologie ist besorgt. Der Forstwissenschaftler hat im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums den Waldzustandsbericht verfasst. Er hat einen Überblick über die Zahlen, seit dieser Bericht erstmals 1983 vorgelegt wird, und er sagt:

"Noch nie hatten unsere Waldbäume in Deutschland so wenig Benadelung oder Belaubung wie im letzten Jahr 2019." Prof. Andreas Bolte, Thünen-Institut für Waldökologie

Besonders auffällig laut Bolte: Inzwischen sind alle Baumarten betroffen. Sogar die Buche, die bisher als besonders robust galt. Er befürchtet, dass die heimischen Buchenökosysteme ganz verschwinden könnten.

Experten suchen nach Zukunftsbäumen

Auch Ralf Petercord vom Bundeslandwirtschaftsministerium befürchtet: Wenn der Klimawandel weiter in diesem Tempo vorankommt, dann wird es immer schwieriger, Bäume zu finden, die angepasst sind. Er kann sich sogar Phasen vorstellen, in denen es womöglich keine Wälder mehr gibt, sondern vorübergehend eine Strauchvegetation oder Graspampa. Denn einfach nur Bäume aus wärmeren Regionen bei uns anzupflanzen, das wird Petercord zufolge nicht funktionieren. Denn: Mit Winter und Frost ist bei uns trotz des Klimawandels zu rechnen, und dagegen sind Bäume aus dem Mittelmeerraum nicht gefeit.

Wälder regeln das Weltklima

Welche Bäume sich durchsetzen werden, das ist auch für Prof. Christian Ammer von der Universität Göttingen nicht vorhersehbar. Er verweist darauf, dass derzeit die Waldflächen in Deutschland nicht abnehmen, weil laut Gesetz Waldflächen nach Sturm oder Rodung wieder aufgeforstet werden müssen. Weltweit gehen die Waldflächen aber zurück. Und das, obwohl die Menschheit auf die Wälder des Planeten angewiesen sind - unter anderem, weil sie das Weltklima regeln. Die tropischen Regenwälder werden deshalb auch "grünen Lungen" der Erde genannt.

Weltweit wird immer mehr gerodet

In Zeiten von Corona wird mehr denn je gerodet, das hat die Umweltschutzorganisation WWF herausgefunden. Im Amazonasgebiet wird viel abgeholzt, um Viehweiden zu schaffen und Soja anzubauen. Die größten Verluste aber gibt es derzeit in Indonesien und in der Demokratischen Republik Kongo. Die WWF-Wald-Expertin Susanne Winter befürchtet: Wenn es so weitergeht, ist der Kipppunkt bald erreicht. Der Klimawandel wird dann wohl nicht mehr zu stoppen sein.

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Studien aus aller Welt belegen: der weltweite Verlust an Wäldern und zunehmende Infektionskrankheiten beim Menschen hängen zusammen. Wald ist systemrelevant, wird aber gerodet und von diversen Schadorganismen dezimiert.

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