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Übergewicht bei Haustieren: Kuschelfaktor oder Risiko? | BR24

© BR/Katharina Lorch

In der Adipositas Sprechstunde der Medizinischen Kleintierklinik München werden die tierischen Patienten gewogen, vermessen und abgetastet.

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    Übergewicht bei Haustieren: Kuschelfaktor oder Risiko?

    Die Medizinische Kleintierklinik München bietet eine Spezialsprechstunde für übergewichtige Katzen und Hunde an. Es geht dabei nicht nur darum, Schönheitsfehler zu beheben: Übergewicht senkt die Lebenserwartung der Haustiere.

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    Katze Sweety ist zu dick. Die Europäische Kurzhaarkatze ist vier Jahre alt und bringt fast acht Kilogramm auf die Waage. Sie liegt damit deutlich über ihrem Idealgewicht von fünf bis sechs Kilogramm.

    Übergewicht bis hin zur Fettleibigkeit betrifft laut dem Bundesverband Praktizierender Tierärzte bis zu 50 Prozent der Hunde und Katzen. Grund hierfür ist meistens eine falsche Ernährung. Besonders Leckerlis, die zusätzlich zu den normalen Futterrationen gegeben werden, sind häufig für die überflüssigen Pfunde verantwortlich.

    Risikogruppen bei Katzen und Hunden

    Während Übergewicht bei Katzen primär im mittleren Alter zwischen fünf und zehn Jahren auftritt, sind Hunde vor allem im hohen Alter anfällig für Gewichtsveränderungen. Auch eine Kastration oder Sterilisation des Haustiers erhöht die Wahrscheinlichkeit für eine ungewollte Zunahme, da durch den Eingriff der tägliche Energiebedarf sinkt.

    Grundsätzlich neigen einige Katzen- und Hunderassen, zum Beispiel Labrador, Retriever und Möpse, aufgrund genetischer Veranlagung eher zu Fettleibigkeit. Bei anderen Rassen wie Windhunden sieht man hingegen seltener übergewichtige Tiere, so Petra Kölle, Privatdozentin und Tierärztin in der Medizinischen Kleintierklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München.

    Übergewicht gefährdet die Gesundheit

    Die Ernährungsspezialistin betont, dass Übergewicht bei Haustieren nicht nur ein ästhetisches Problem sei.

    "Übergewicht bei Hund und Katze verkürzt die Lebenszeit. Es gibt Studien, dass dicke Hunde etwa drei Jahre kürzer leben als idealgewichtige Tiere. Und es beeinträchtigt auch die Lebensqualität, weil viele Erkrankungen eben durch Übergewicht verursacht werden, wie zum Beispiel Gelenkprobleme, Herzprobleme oder felines Asthma." Petra Kölle, Medizinische Kleintierklinik München

    Abspecken ist häufig Voraussetzung, um diese mitunter schwerwiegenden Krankheiten zu behandeln und den Gesundheitszustand zu verbessern. Die meisten Patienten werden erst über die Diagnose von Folgeerkankungen auf das Übergewicht aufmerksam und kommen dann in die Adipositas-Spezialsprechstunde der Medizinischen Kleintierklinik München.

    Spezialsprechstunde in der Kleintierklinik

    Zweimal wöchentlich findet die Spezialsprechstunde statt. Kölle und ihre Assistentin Anna Lena Ziese beraten Hunde- und Katzenbesitzer, mit welcher Ernährung sie ihre Tiere auf gesunde und nachhaltige Weise zur Gewichtsabnahme bewegen.

    Bei einer ersten Anamnese des tierischen Patienten werden neben dem Gewicht auch die Körpermaße an Hals, Brust und Taille vermessen. Anhand dieser Ausgangspunkte wird das Idealgewicht ermittelt. Die Tierärztinnen erstellen im nächsten Schritt einen individuellen Ernährungsplan, der sowohl die Vorlieben des Tieres, als auch die zeitlichen und finanziellen Möglichkeiten der Besitzer berücksichtigt.

    Leckerlis dürfen auch in der Diät nicht fehlen: Kalorienreiche Fertigprodukte können beispielsweise durch gesunde Alternativen wie Gurken- oder Karottenstücke ersetzt werden.

    Diäterfolge messen

    Bei den sogenannten Follow-ups prüfen die Ärztinnen, ob der Diätplan funktioniert und der tierische Patient Gewicht verliert.

    "Wenn die Tiere abgenommen haben und Besitzer und Tier zufrieden sind - das heißt, das Tier bettelt nicht viel, sondern ist mit der Ration zufrieden - dann können wir so weitermachen. Sollte es zu keiner Gewichtsabnahme kommen, setzen wir den Kaloriengehalt der Ration nochmal herunter und besprechen mit dem Besitzer, wo man eventuell nochmal eine Futterkomponente einsparen könnte." Petra Kölle, Medizinische Kleintierklinik München

    Kölle und Ziese verfolgen die Gewichtsentwicklung ihrer Patienten kritisch, denn eine zu schnelle Abnahme führt oft zu einem Rückfall der Besitzer in alte Gewohnheiten. Stattdessen soll die Diät in kleinen Schritten erfolgen.

    Bei Katze Sweety ist dieser Plan aufgegangen. Sie hat innerhalb von zwei Wochen 100 Gramm abgenommen. Auf den Menschen umgerechnet, würde das immerhin einen Gewichtsverlust von ein bis zwei Kilogramm bedeuten.

    Übergewicht erkennen und behandeln lassen

    Ob die eigene Katze oder der eigene Hund überhaupt von Übergewicht betroffen ist, lässt sich auch ohne Waage überprüfen. Der Ernährungszustand kann sowohl visuell als auch per Tasten festgestellt werden.

    Die optische Form eines idealgewichtigen Tieres beschreibt Kölle wie folgt: "Das Tier hat eine Taille. Also nach dem Brustkorb eine Einziehung. Und die Bauchlinie geht, wenn man sie von der Seite betrachtet, nach oben."

    Weiteren Aufschluss über das Gewicht des Haustieres bietet das Fett im Bereich der Rippen. Im Idealfall sollten die Rippen deutlich unter einer kleinen Fettschicht fühlbar sein. Ist das Tier untergewichtig, sind die Rippen sehr deutlich tastbar und bei kurzhaarigen Tieren auch deutlich sichtbar.

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