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Ein Tintenfisch beim Farbwechsel.
© dpa-Bildfunk/Stephan Junek

Autoren

Tanja Fieber
© dpa-Bildfunk/Stephan Junek

Ein Tintenfisch beim Farbwechsel.

Tintenfische können ihre Farbe ändern wie Chamäleons. Das tun die Meerestiere aber nicht nur, um sich zu tarnen. Sie kommunizieren mit Farben und Mustern, schleichen sie an eine Beute an und manche denken schon als Embryo im Ei über ihre Umwelt nach.

Riesiges Gehirn steuert kleine Muskeln

Beim Chamäleon steuern Hormone den Farbwechsel. Der Tintenfisch lässt dafür die Muskeln spielen - und sein ungewöhnlich großes Gehirn: Das Denkorgan des Meerestieres stimuliert kleine Muskeln, sich zusammenzuziehen. Dadurch ziehen sich auch Pigmentzellen auf der Hautoberfläche zusammen oder weiten sich. Diese sogenannten Chromatophoren verändern je nach Zustand Farbe und Muster auf der Haut der Tintenfische. Sie können Farben schneller wechseln als Chamäleons.

"Im Ruhezustand sind die Pigmentzellen zusammengezogen und man sieht nur die weiße Haut darunter. Je nachdem, welche Pigmentzellen offen sind, sind unterschiedliche Farben oder Oberflächen auf der Haut zu sehen." Sam Reiter, Max-Planck-Institut für Hirnforschung, Frankfurt am Main.

Traumhaftes Datenmaterial

Tintenfische stehen 30 bis 40 Muster zur Verfügung, um sich an ihre Umgebung anzupassen. Allerdings haben Sam Reiter und seine Kollegen vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung auch Farbveränderungen an schlafenden Tieren beobachtet und veröffentlichten dazu im Oktober 2018 eine Studie in der Fachzeitschrift "nature". Noch wissen die Wissenschaftler nicht, ob sie die Tiere beim Träumen erwischt haben und wollen deshalb größere Tintenfischgruppen über längere Zeiträume beobachten. Das gesammelte Datenmaterial soll Aufschluss über die Hirnprozesse bei der Wahrnehmung der Tiere, aber auch beim Menschen geben. Durch den Vergleich mit einem entwicklungsgeschichtlich so weit entfernten, aber überaus intelligenten Lebewesen wie dem Tintenfisch wollen die Wissenschaftler herausfinden, was an Wahrnehmung gemeinsam und was artspezifisch ist.

Erstaunliches über Tintenfische

Wissen über Tintenfische zu sammeln lohnt sich, denn die Tiere haben ganz erstaunliche Fähigkeiten und anatomische Besonderheiten:

  • Tintenfische sind keine Fische, sondern Weichtiere ohne Skelett, die mit Schnecken und Muscheln verwandt sind. Nur das Maul ist hart und besteht aus hornartigen Kieferzangen ähnlich einem Papageien-Schnabel. Der Speichel enthält Gift.
  • Der Blauringkrake (Hapalochlaena maculosa und lunulata) ist auch für den Menschen gefährlich: Beim Biss sondert das Tier ein starkes, schnell wirkendes Nervengift ab, das innerhalb von zwei Stunden Muskeln und Nerven lähmt und zu Atemstillstand führen kann.
  • Tintenfische gehören zu den Kopffüßern: Sie bestehen aus Kopf, Fuß und einem Eingeweidesack, der durch einen Mantel geschützt ist. Die Fangarme mit Saugnäpfen sind direkt am Kopf angebracht und denken beim Oktopus jeweils selbstständig.
  • Oktopusse / Kraken haben acht Arme, Sepien und Kalmare zehn. Sie gehören zu einer Familie, aber unterschiedlichen Ordnungen.
  • Oktopusse haben drei Herzen. Zwei versorgen die Arme, eins die Körpermitte.
  • Tintenfische haben Linsenaugen, die genauso gut funktionieren wie die von Wirbeltieren - also auch unsere Augen.
  • Tintenfische haben blaues Blut. Sauerstoff im Blut wird mithilfe von Kupfer statt wie bei uns mithilfe von Eisen transportiert. Mit Sauerstoff-Einwirkung verfärbt Kupfer Blut blau.
  • Tintenfische schmecken mit den Fingern: Mit ihren Fangarmen schnappen sie sich Beute. Auf den Fangarmen sitzen Saugnäpfe, um die herum Sinneszellen angebracht sind. Sie können wahrnehmen, ob die Beute schmackhaft ist.
  • Tintenfische wechseln bis zu 1.000-mal am Tag ihr Aussehen.
  • Tintenfische können bis fünf zählen. Das ergab ein Experiment. Die Tiere konnten unterscheiden, ob in einem Wasserbecken vier oder fünf Garnelen schwimmen. Damit sind Tintenfische schlauer als Rhesusaffen und Kleinkinder und können sich aufgrund ihrer Fähigkeiten beim Probleme lösen im Tierreich mit Krähen, Ratten, Tauben und Hunden messen.