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Skywalker Hoolock Gibbon
© FanPengfei

Autoren

Tanja Fieber
© FanPengfei

Skywalker Hoolock Gibbon

Am Mekong zwischen den Ländern Laos, Kambodscha, Vietnam, Thailand und Myanmar kreucht und fleucht es. Schon zwischen 1997 und 2017 wurden in der Region 2.681 neue Arten entdeckt. Nun kommen innerhalb eines Jahres weitere 157 neue Arten hinzu: 3 Säugetiere, 23 Fische, 14 Amphibien, 26 Reptilien und 91 Pflanzen.

Trend-Namen für neue Tierarten

Bei der Benennung der neuen Tiere und Pflanzen waren die Wissenschaftler aus Südostasien wie schon in der Vergangenheit humorvoll und trendbewusst: Sie ließen sich von Star Wars, dem Herrn der Ringe und einer Boygroup inspirieren. Wie lange man diese neuen phantastischen Arten wird studieren können, steht in den Sternen, denn der gesamte Naturraum am Mekong ist bedroht: Riesige Wasserkraftanlagen, Brandrodung uralter Nebelwälder und Wilderei reduzieren die Artenvielfalt. Das "Goldene Dreieck" - eine Region, in der sich die drei Länder Thailand, Myanmar und Laos treffen - ist ein Hot Spot des Wildtierschmuggels.

Doch es gibt auch Rettungsaktionen, die gefruchtet haben: So konnte der Bestand der Mekong-Delfine in Kambodscha wieder erhöht werden. Der "World Wide Fund For Nature Thailand" (WWF Thailand) hat eine Kampagne gegen den legalen Handel von Elfenbein gestartet. In Vietnam will man in der alten Kaiserstadt Hue den Verkauf und Handel von Fleisch aus der Wildnis bis zum Jahr 2020 unterbinden.

Top 8 der neuen Arten

Der Skywalker Hoolock Gibbon (Hoolock tianxing)

Skywalker Hoolock Gibbon

Skywalker Hoolock Gibbon

Der Skywalker Hoolock Gibbon wurde in Myanmar entdeckt und ist eine der 25 gefährdetsten Affenarten der Welt. Den Namen Skywalker erhielt die Gibbon-Art aufgrund seiner beeindruckenden Fähigkeit, sich durch das Baumkronendach des Waldes zu schwingen. Bei der Fortpflanzung ist der Affe eher träge, was seine Art angreifbar macht. Außerdem schreibt man Gibbons in China, aus dem seine Entdecker stammen, edle und mystische Eigenschaften zu. Zehn Jahre dauerte es, bis Wissenschaftler beweisen konnten, das Hoolock tianxing eine eigene, neue Art ist und sich genetisch vom Hoolock leuconedys unterscheidet, der sein nächster Verwandter ist. Die Affenlinien trennten sich vor etwa 600.000 Jahren.

Die Bergkröte (Ophryophryne elfina)

Bergkröte Ophryophrye elfina

Bergkröte Ophryophrye elfina

Die Bergkröte wurde in Süd-Vietnam entdeckt. Ein russisch-vietnamesisches Team ging auf die Pirsch und sammelte Ophryophryne ein. Diese sind Meister der Tarnung und nur durch den Vogel-ähnlichen Laut der Männchen aufzuspüren. Als die Wissenschaftler ihre Beute betrachteten, fiel ihnen auf, dass sie drei Bergkröten-Arten gefunden hatten. Die kleinste von ihnen war noch nicht bekannt. Weil diese Bergkröte "süß, wie eine kleine Elfe oder ein Kobold aussah" und kleine Hörner auf den oberen Augenlidern hat, erhielt sie von den Forschern den Beinamen 'elfina'. Sie lebt in moosigen, feuchten Wäldern über 1.500 Metern Höhe, die Elfen-Wälder genannt werden und das Forscherteam an den Herrn der Ringe erinnerte. Ein Teil der Longbian-Hochebene, wo die neue Bergkröte vor vier Jahren gefunden wurde, ist durch Abholzung inzwischen zerstört.

Platter Pfannkuchen-Wels (Oreoglanis hponkanensis)

Platter Pfannkuchen-Wels

Platter Pfannkuchen-Wels

Der Pfannkuchen-Wels wurde in Myanmar gefunden. Noch gibt es viele Exemplare des Fischs im Hponkanrazi-Naturschutzgebiet, auch wenn die Art seltener als ihre Artgenossen ist. Da der Fisch aber auf schnell fließende Flüsse spezialisiert ist, reagiert die Art empfindlich auf Störungen seines Lebensraums.

Der Samroiyot Blattfingergecko (Dixonius kaweesaki)

Der Samroiyot Blattfingergecko

Der Samroiyot Blattfingergecko

Der Dixonius kaweesaki wurde in Thailand entdeckt. Er trägt seinen Beinamen 'kaweesaki' nicht, weil er so schnell ist wie Speedy Gonzales, sondern ein Rennstreifen-ähnliches Muster trägt, das von der Schnauze bis zum Schwanz verläuft. Deshalb wussten die Forscher auch gleich, dass sie eine neue Gecko-Art vor sich hatten. Bislang sind acht verschiedene Geckos der Art Dixonius bekannt. Der Samroiyot Blattfingergecko ist die dritte einheimische Reptil-Art in Thailand.

Lance Bass-Fledermaus (Murina hkakaboraziensis)

Lance Bass-Fledermaus und Boygroup-Star Lance Bass

Lance Bass-Fledermaus und Boygroup-Star Lance Bass

Die Lance Bass-Fledermaus wurde in Nord-Myanmar im Hkakabo Razi Nationalpark entdeckt. Der Hkakabo Razi liegt an der Grenze zu Tibet und ist der höchste Berg Myanmars. Ihre charakteristischen langen, goldenen Haare auf Kopf und Rücken brachten der Fledermaus den Spitznamen "Lance Bass" ein: Der gleichnamige Boygroup-Star von *NSYNC trägt die gleiche Frisur wie Murina hkakaboraziensi. Die Brandrodung des Graslandes am Rande der Hkakabo Razi-Laubwälder gefährdet die stark spezialisierte Feldermaus-Art. Myanmar hat den Hkakabo Razi Nationalpark inzwischen als Weltnaturerbestätte nominiert.

Eine neue Wassertrugnatter (Gyiophis salweenensis)

Wassertrugnatter Gyiophis salweenensis

Wassertrugnatter Gyiophis salweenensis

Die Schlange Gyiophis salweenensis wurde in Myanmar entdeckt. Ein Exemplar der Art überraschte ein Forscherteam in der Nähe von Kalkstein-Höhlen in Myanmar. Die Wissenschaftler hatten an diesem Ort, dem Salween / Saluen Flussbecken, nicht mit einer Wassertrugnatter gerechnet und schon gar nicht mit einer neuen Art. Mehr als ein Exemplar konnten die Wissenschaftler aber nicht finden.

Der zwiebelförmige Bambus (Schizostachyum cambodianum)

Zwiebelförmiger Bambus

Zwiebelförmiger Bambus

Der zwiebelförmige Bambus wurde in Kambodscha entdeckt und 2017 als neue Art bestätigt. Die Bambus-Art hat eine Art großen Lappen um den Schaft, was ungewöhnlich für einen Bambus ist. Der zwiebelförmige Bambus ist der erste seiner Art in Indochina und Südostasien. Da er an Straßen wächst, ist er jederzeit von Rodungen bedroht.

Pflanze Thismia nigricoronata

Thismia nigricoronata

Thismia nigricoronata

Die Pflanze Thismia nigricoronata wurde in Laos entdeckt. Sie stach einem Wissenschaftler aus Hongkong, China, bei einer Expedition aufgrund ihrer ungewöhnlich grünen Farbe ins Auge. Nach fünf Jahre und eingehenden Untersuchungen war klar, dass die grüne Thismia eine neue Art ist. In den vergangenen 15 Jahren wurden in Asien und im pazifischen Raum 16 neue Arten dieses Bodenbewohners gefunden, aber keine hatte grüne Pigmente. Gefährdet ist die Pflanze durch den Kalkstein-Bergbau in Vang Vieng, Laos. Dort wurde Thismia nigricoronata erstmals entdeckt.