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Tiere im Krieg | BR24

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Wenn Menschen in den Krieg ziehen, kommen meist auch Tiere zum Einsatz. Sie überbringen Nachrichten, transportieren Munition, orten U-Boote oder werden - bepackt mit Sprengstoff - selbst zur tödlichen Waffe.

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Tiere im Krieg

Im Ersten Weltkrieg starben etwa zehn Millionen Soldaten, aber auch rund acht Millionen Pferde verloren ihr Leben. Auch in anderen Kriegen dienten sie dem Militär, genauso wie Tauben, Hunde, Delfine, Bienen - und Glühwürmchen.

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Tiere wurden im Krieg als Reit- und Lasttiere eingesetzt. Pferde, Esel und Hunde - andernorts waren es Kamele, Maultiere oder Lamas - schleppten Verpflegung, Munition und Soldaten an die Front oder in schwer zugängliche Gebiete. Aufgrund ihrer speziellen Fähigkeiten und scharfen Sinne wurden Tiere auch trainiert, als Boten, Spione, Wächter, Sanitäter und Minen-Suchdienst zu arbeiten. Oder sie wurden als lebende Bomben ins Feld geschickt.

© picture alliance/Imagno

Pferdeknochen auf einem Schlachtfeld. Erster Weltkrieg, 1918

Brieftauben im Kriegseinsatz

Spezielle Fähigkeiten haben zum Beispiel Tauben. Sie können bis zu 100 Stundenkilometer schnell fliegen, außergewöhnlich gut sehen und sich hervorragend orientieren. Im Ersten Weltkrieg wurden sie an mobile Holzkisten als Heimatschlag gewöhnt, die 15 bis 20 Kilometer von der Front entfernt aufgestellt wurden. Für Einsätze wurden die Tiere dann in kleinen Körben (im ersten Bild oben rechts zu sehen) an die Front und in die Schützengräben mitgenommen. Von dort konnte man sie mit Botschaften zurück ans Feldlager schicken. Das war die einzige Möglichkeit zur Kommunikation, wenn der Feind die Telegrafenleitungen zerstört hatte. Deutsche Truppen sollen im Ersten Weltkrieg mehr als 120.000 Brieftauben genutzt haben. Die meisten stammten von privaten Züchtern.

In den USA wurde eine Brieftaube namens "Cher Ami" zum Nationalheld. Das Tier rettete mit seiner Botschaft rund 194 US-Soldaten das Leben. In Frankreich beschossen US-Truppen irrtümlich eigene Truppen, die von deutschen Soldaten eingekesselt waren. "Cher Ami" informierte sie am 4. Oktober 1918 - kurz vor Ende des Ersten Weltkrieges - darüber, dass sie das Feuer einstellen sollten. Geschickt hatte die Botschaft Major Charles Whittlesey. Die Brieftaube wurde beim Botenflug schwer verletzt und starb ein halbes Jahr nach Kriegsende - geehrt mit mehreren militärischen Orden und Auszeichnungen. Heute steht sie ausgestopft und einbeinig im National Museum of American History. Besonders zuverlässige Tauben wurden im Krieg auch zu Aufklärungsflügen genutzt.

"Eine Sonderform waren Tauben, die über die Frontlinie flogen und mit automatisch auslösenden Kameras bestückt wurden, also Mini-Kameras. Heute würde man das mit Drohnen machen. Und da hatte man eben Luftbilder der Frontlinie und von der gegnerischen Stärke und dort, wo sich der Gegner positioniert hatte." Rainer Pöppinghege, Historiker und Professor an der Universität Paderborn

Glühwürmchen-Lampen

Um die Geheim-Botschaften, Karten und Feldpost lesen zu können, brauchten die Soldaten in Schützengräben, in Tunneln, in Verstecken und im Lager Licht. Lampen konnten sie nicht anmachen, sonst hätte der Feind sie gesehen. Deshalb wendeten britische Soldaten im Ersten Weltkrieg eine List an. Sie nutzten die besondere Fähigkeit eines ganz besonderen Tieres an: Glühwürmchen! Die Leuchtkäfer, der Name sagt es schon, können durch Biolumineszenz hell leuchten. Britische Soldaten fingen haufenweise Tiere ein und steckten sie in Glasgefäße. So hatten sie kurzzeitig Licht.

Hunde - Boten, Sanitäter, Wächter

Wie Tauben haben auch Hunde spezielle Fähigkeiten. Im Krieg bekamen sie daher verschiedene Jobs. Als Meldehunde waren sie an der Front wie Brieftauben Boten. Als Sanitätshunde versorgten sie als Erste Hilfe verletzte oder kranke Soldaten. Aufgrund ihres guten Geruchssinns warnten Hunde vor Giftgas sowie als Patrouillenhunde vor Feinden, außerdem bewachten sie Kriegsgefangene. So machte sich auch der US-amerikanische Bullterrier "Sergeant Stubby" im Ersten Weltkrieg einen Namen und erhielt mehrere Auszeichnungen. Unter anderem soll das Tier einen deutschen Spion aufgespürt und in Schach gehalten haben, bis Verstärkung kam. "Sergeant Stubby" wurde mit einem Nachruf in der New York Times geehrt, als er 1926 starb und steht heute neben der Brieftaube "Cher Ami" im National Museum of American History. 2018 kam der Animationsfilm "Sergeant Stubby, an American Hero" auf den Markt.

Eigentlich waren Bullterrier für Kriegszwecke nicht die erste Wahl. Am beliebtesten waren im Ersten Weltkrieg generell Schäferhunde und Dobermänner. In Deutschland wurden zudem Schnauzer und Pudel eingesetzt, in England Irish Terrier, Retriever und schottische Collies. Ansonsten entschied die Art des Einsatzes über die Hunderasse.

Suchtiere - Hunde, Bienen, Ratten, Delfine

Zu den speziellen Fähigkeiten von Hunden gehört auch, dass sie dressiert werden können, Menschen und Dinge zu suchen. Deshalb wurden und werden die Tiere als Minenhunde eingesetzt. Genauso wie Ratten und Bienen, die ebenfalls abgerichtet werden können, Sprengstoff zu finden. Unter Wasser übernehmen diesen Job Delfine. Das US-Militär setzte sie im Vietnam- und im Irakkrieg ein. Die schnellen und geschickten Meeressäuger orientieren sich unter Wasser mit hochfrequenten Klicklauten, mit denen sie sich ein genaues Bild ihrer Umwelt machen können. Das gleiche gilt für Wale. Sie wurden auch zum Ausspähen von U-Booten eingesetzt, wozu ihnen eine Kamera am Körper angebracht wurde.

Tierische Bomben - Delfine, Hunde, Tauben, Fledermäuse

Delfine wurden nicht nur zum Suchen eingesetzt, sondern auch zum Angriff. Das US-Militär brachte den Tieren bei, wie man Tauchern das Mundstück entreißt und sie mit Messern angreift, die den Tieren vorher an die Flossen geheftet wurden. So können die Tiere auch Schiffe und Häfen bewachen. Im Zweiten Weltkrieg wurden dann Hunde als tierische Bomben eingesetzt. Man schnallte ihnen Sprengstoff um und schickte sie zum Gegner. Die Bomben waren mit Zeitzünder versehen und explodierten nach der eingegeben Zeit automatisch. Mit Minen ausgestattete Hunde wurden auch dressiert, zu feindlichen Panzern zu laufen und sich darunter zu legen. Die Minen sollten dann explodierten und die feindlichen Panzer sprengen. "Das hat leidlich funktioniert und deswegen hat man davon Abstand genommen", sagt Rainer Pöppinghege, Historiker und Professor an der Universität Paderborn. Das Problem war, dass die Hunde manchmal auch unter die Panzer der eigenen Truppe liefen.

Der amerikanische Geheimdienst CIA wollte auch Tauben zu tierischen Bomben machen, als Kamikaze-Flieger. Man wollte die Vögel in eine Mine stecken und aus der Luft abfeuern. Tauben sollten im Flug dafür sorgen, dass die Mine an der richtigen Stelle explodiert, durch Picken auf einen Bildschirm. Ähnliches wollte man in den 1940er-Jahren mit Fledermäusen machen. Sie sollten als Fledermausbomben in japanische Häuser geschickt werden und diese in Brand stecken. Die Häuser waren meist aus leicht entflammbarem Material gebaut. Die Aktion sollte eine Vergeltung für den Angriff Japans auf Pearl Harbor 1941 sein. Weder Kamikaze-Tauben noch Fledermausbomben kamen zum Einsatz, denn kurze Zeit später beendete die Atombombe den Krieg.

Elefanten - Antike Tiersoldaten

In der Antike wurden Elefanten als Waffe eingesetzt, zum Beispiel von Hannibal in der Schlacht gegen die Römer. Die kräftigen Riesen sollten die Gegner zu Tode erschrecken und als Kampfpanzer zertrampeln. Als Gegenwehr baute man Gräben, die die schwerfälligen Tiere nicht überqueren konnten. In antiken Quellen ist auch zu finden, dass Elefanten eine Achillesferse haben sollen: Ihre Angst vor Schweinen. Wenn sie Schweine quieken hörten oder sie rennen sahen, sollen die schreckhaften Elefanten angeblich in Panik geraten sein und eigene Soldaten zertrampelt haben. Die Tiere wurden mit der Zeit nicht mehr in Kriegen eingesetzt, weil sie auch aufwendig in der Haltung und in der Dressur waren.

Sind Cyborg-Kriegstiere die Zukunft?

Nachdem sich die Art der Kriegsführung stetig ändert, ändert sich auch der Einsatz von Tieren in kriegerischen Zeiten. Zwar setzt die US-Marine auch heutzutage noch Delfine und Robben ein, ansonsten dienen Tiere häufig eher als Suchdienst für Minen und Verletzte. Und in Zukunft? Autorin Malin Gewinner glaubt, dass die Zeit der technischen Manipulation von Tieren begonnen hat.

"Ich bin der Meinung, dass Tiere nach wie vor in Einsatz kommen, aber es sich um andere Tierarten handelt. Dass dann eher genetisch modifizierte Tiere zukünftig vermehrt in Einsatz kommen, da bin ich mir ziemlich sicher, also so Cyborg-artige Tiere, die durch Menschenhand verändert werden." Malin Gewinner, Autorin

Wie die Autorin darauf kommt? Zwei Projekte im Auftrag des amerikanischen Verteidigungsministeriums lassen aufhorchen. So testen Forscher beispielsweise, wie man Haie gefügig machen kann, die bislang als undressierbar gelten. Sie implantierten Katzenhaien Elektroden ins Gehirn, mit denen die Tiere aus 300 Kilometer Entfernung nach Belieben durchs Meer gesteuert werden können sollen. In einem anderen Projekt experimentieren Forscher mit Käfern. Die Augen der Insekten sollen genutzt werden. Man könnte Käferlarven aber auch Elektroden einpflanzen, die während der Metamorphose mit dem Käfer zusammenwachsen. So könnte man das Insekt im Flug steuern. Und Käfer können erstaunlich viel Gewicht transportieren.

© picture alliance

Denkmal für Tiere im Krieg - Animals in War Memorial, London, Hyde Park

Ein Denkmal für Tiere im Krieg - Animals in War Memorial

Im November 2004, zum Gedenken an den Beginn des Ersten Weltkrieges vor 90 Jahren, weihte Prinzessin Anne im Londoner Hyde Park ein ungewöhnliches Denkmal ein: Das "Animals in War Memorial" erinnert an die Kriegseinsätze von Tieren. Abgebildet sind Pferde, Hunde, Elefanten, Kamele, Tauben und Glühwürmchen. Das Denkmal trägt zwei Inschriften. Die erste heißt: "Dieses Denkmal ist allen Tieren gewidmet, die zu allen Zeiten in Kriegen und Konflikten den britischen und alliierten Streitkräften dienten und starben." Die zweite lautet: "Sie hatten keine Wahl."