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Tier getötet: Welche Strafen Tätern drohen | BR24

© picture alliance / Arco Images/H. & M.Kuczka

Rauhaardackel

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    Tier getötet: Welche Strafen Tätern drohen

    Ein Konflikt, der wie in Fürstenzell (Lkr. Passau) damit endet, dass der Mann einen Hund aus dem Fenster wirft: Eskaliert ein Streit, geraten oftmals Tiere zwischen die Fronten. Wie sieht in solchen Fällen die Rechtslage aus?

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    Ein Streit zwischen einem 50 Jahre alten Mann und einer 44-jährigen Frau in Fürstenzell im Landkreis Passau hat für den Hund der Frau ein tragisches Ende genommen: Der Mann warf den Yorkshire-Terrier aus dem Fenster. Der Hund überlebte den Sturz aus dem dritten Stock nicht. Er starb an den schweren Verletzungen, die er bei dem Sturz erlitten hatte.

    Egal ob Rosenkriege oder Streit unter Nachbarn: Oftmals geraten Tiere zwischen die Fronten. Doch wie sieht die rechtliche Situation aus?

    Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe

    Für jedes Tier gilt in Deutschland das Tierschutzgesetz, dass in seinem Grundsatz besagt, dass niemand "einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen" darf. Wer "ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder einem Wirbeltier aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden oder länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt", der wird laut Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes mit einer "Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe" bestraft.

    Tiere werden aber nicht nur um ihrer selbst willen als Lebenwesen durch das Tierschutzgesetz geschützt. Gleichzeitig gelten sie auch als Eigentum ihrer Halter. Zusätzlich zum Verstoß gegen das Tierschutzgesetz gelten Tiere also nicht ausschließlich als Tiere, sondern eben auch als Sache. Ansonsten wäre es nicht möglich, etwa Hunde bei einem Züchter zu erwerben, da dieser Fall dann ähnlich wie Menschenhandel zu bewerten wäre.

    Schadenersatzansprüche auch wegen Sachbeschädigung

    Menschen, die gegen das Tierschutzgesetz verstoßen, müssen also auch damit rechnen, wegen Sachbeschädigung und gegebenenfalls Schadenersatzansprüchen der Eigentümer belangt zu werden.

    Zur Strafverfolgung beider Delikte kommt es, wenn der geschädigte Tierhalter einen Strafantrag wegen Sachbeschädigung stellt - so wie unlängst geschehen im Streit um das tote TV-Huhn Sieglinde. Das braune Legehuhn war im Sommer 2017 auf dem Hof vom freilaufenden Hund eines Spaziergängers getötet worden. Aufgrund seiner Prominenz ( es war extra für Film und Fernsehen geschult und hatte zuletzt für den Ende 2018 in der ARD ausgestrahlten Film "Wir sind doch Schwestern“ vor der Kamera gestanden) hatte seine Besitzerin 4.000 Schadenersatz vom Hundebesitzer verlangt. Der Fall liegt derzeit in zweiter Instanz vor dem Landgericht Kleve.

    Beispiele für gerichtliche Entscheidungen aus Bayern:

    2017

    Geldstrafe 1.350 Euro am Amtsgericht München. Ein Mann würgte im Juli 2016 seinen Hund, schlug ihn mit Wucht und sprühte ihm Trockenshampoo ins Gesicht. Zeugen hatten die Polizei verständigt. Bei der Geldstrafe berücksichtigte die Kammer, dass der Mann Hartz IV bezog und von seiner Mutter unterstützt wurde.

    2017

    Zehn Monate Haft auf Bewährung, 2.000 Euro Bußgeld und fünf Jahre Tierhalteverbot: Ein Mann aus Niederbayern hatte 2015 seinen Schäferhund an der Anhängerkupplung seines Autos zu Tode geschleift. Die Strafe wurde 2016 verhängt. Das Urteil sollte am Landgericht überprüft werden, doch Angeklagter und Oberstaatsanwalt nahmen das frühere Urteil an.

    2016

    Vorläufige Einstellung des Verfahrens unter Auflagen. Anklage: Mindestens 15 Rinder völlig abgemagert und verdreckt im Mist. Der Landwirt Nikolaus Ertl und seine Mutter waren zuvor zu Geldstrafen verurteilt worden. Ertl legte Rechtsmittel ein, um einen Freispruch zu erreichen, einigte sich aber im Einvernehmen mit Staatsanwaltschaft und Kammer des Augsburger Landgerichts auf die vorläufige Einstellung gegen Auflagen.

    2012

    27.000 Euro Geldstrafe (180 Tagessätze à 150 Euro) verhängt vom Amtsgericht Starnberg. Eine Pferdehalterin hatte ihre drei Pferde nicht artgerecht gehalten, unter anderem keinen freien Auslauf gewährt und dem Tier mit ständigem Sporeneinsatz psychisches und physisches Leid zugefügt.