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Tag der Muttersprache: Förderer wollen Dialekt in Bayern stärken | BR24

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Dialektförderer wollen mit Projekten die Mundart in Bayern stärken.

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    Tag der Muttersprache: Förderer wollen Dialekt in Bayern stärken

    Forscher bemängeln den Verlust regionaler Sprachkompetenz in Bayern. In neuen Programmen wollen Förderer nun die Mundart stärken und stellen Forderungen an die Politik. Kinder sollen in Bayern in Schulen wieder Dialekt und Hochdeutsch lernen.

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    „Pfiat Di“ und „Ade“ - regionale Ausdrücke sind in Bayern laut Dialektforschern zu einer Seltenheit geworden. Um dem entgegenzuwirken, hat der Förderverein Bairische Sprache und Dialekte (FBSD) aus München und der in Niederbayern ansässige Bund Bairische Sprache (BBS) Forderungen an die Politik gestellt. So will der FBSD, zusammen mit der Universität Salzburg in einem grenzübergreifenden Schulprojekt die Zweisprachigkeit von Dialekten und Hochdeutsch bei Kindern fördern.

    Projekt an Schulen soll spielerisch Vorurteile abbauen

    Neben dem Erlernen der Dialekte soll das Projekt auch zum Abbau von Vorurteilen gegenüber anderen sprachlichen Eigenarten beitragen, wie etwa Akzente bei Nicht-Muttersprachlern oder Dialektfärbungen aus Nord- und Ostdeutschland. "Uns geht es um eine Entstigmatisierung von Varietäten", erklärt der Germanist Eugen Unterberger von der Universität Salzburg.

    Außerdem gelten Dialektsprecher immer noch im allgemeinen Bild als zwar gemütlich, aber auch etwas bäuerlich und weniger gebildet, so Unterberger. Hochdeutsch-Sprechende hingegen halte man zwar für gebildeter, jedoch gleichzeitig auch für hochnäsiger. Im schulischen Kontext solle dies nun kritisch thematisiert werden.

    Drei Schulen im Landkreis Berchtesgadener Land, drei weitere im Landkreis Traunstein sowie sechs Schulen im Salzburger Land werden von Herbst an teilnehmen. Die Schüler sollen über das ganze Schuljahr spielerisch mit den Ausdrucksarten umgehen, sich ausprobieren und Vorurteile reflektieren.

    "Keine Gaudi-Sprache": Dialekt-Initiative für Neugeborene

    Außerdem plant der Bund Bairische Sprache (BBS) nicht nur für Kinder, sondern auch für ihre Eltern ein neues Förderungsprojekt. Bei der Dialekt-Initiative für Neugeborene sollen Eltern parallel zur Geburtsurkunde ihres Kindes eine Broschüre ausgehändigt bekommen, die „über die Vorteile des zweisprachigen Aufwachsens mit bodenständigem Dialekt und guter deutscher Literatursprache aufklärt“, so Sepp Obermaier, Vorsitzende der BBS.

    Die Handreichung soll die Regionen Altbayern, Franken und Schwaben berücksichtigen. Der BBS fordert den Städte- und Gemeindetag - gegebenenfalls gemeinsam mit der Staatsregierung - auf, eine entsprechende Initiative zu starten. Weite Teile der Gesellschaft seien von Vorbehalten gegenüber Dialekten geprägt und hielten sie für "provinzielle Gaudisprachen", sagte Obermeier. Die Politik könne zu einem Bewusstseinswandel beitragen.