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Süßstoffe für Schwangere - alles andere als zuckersüß | BR24

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Tierexperimente an Mäusen legen nahe, dass Zuckerersatzstoffe den Nachwuchs schädigen: Sie haben Einfluss auf den Stoffwechsel, verändern die Darmflora und fördern die Entstehung von Diabetes.

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Süßstoffe für Schwangere - alles andere als zuckersüß

Kalorienfreie Süßstoffe können Karies an den Zähnen verhindern und den Blutzuckerspiegel bei Diabetikern stabil halten. Dennoch geraten sie immer wieder in die Kritik. Besonders auch bei schwangeren Frauen.

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Sieben verschiedene künstliche Süßstoffe sind weltweit zugelassen und gelten für den Menschen als unbedenklich. Aber sind sie auch gesund? Denn künstliche Süßstoffe stehen immer wieder in der Kritik. Ob sie speziell für schwangere Frauen schädlich sind, haben US-Forscher im Tierversuch überprüft. Die Wissenschaftler setzten trächtige und stillende Mäuse einer Kombination von Sucralose und Acesulfam-K aus. Diese Süßstoffe werden häufig gemischt, um den meist störenden, bitteren Geschmack zu vermeiden. Sie sind häufig in Sportergänzungsmitteln, Erfrischungsgetränken und anderen gesüßten Produkten zu finden.

Die Mäuse wurden für den Versuch in drei Gruppen aufgeteilt. Die erste Gruppe erhielt eine Dosis, die der für Menschen empfohlenen täglichen Höchstmenge entspricht, eine zweite die doppelte Menge und eine Kontrollgruppe nur Wasser. Die Ergebnisse dieser neuen Tierexperimente an Mäusen legen nahe, dass Zuckerersatzstoffe den Nachwuchs schädigen: Sie haben Einfluss auf den Stoffwechsel, verändern die Darmflora und fördern möglicherweise die Entstehung von Diabetes. Ihre Studie veröffentlichten die Wissenschaftler am 20. Juni 2019 in Frontiers in Microbiology.

Das Problem mit den Süßungsmitteln

"Es wird allgemein angenommen, dass nicht-nahrhafte Süßstoffe sicher sind, wenn sie in Maßen verwendet werden", sagt Dr. John Hanover, Glykobiologe und leitender Autor der Studie am US-amerikanischen Nationalen Institut für Diabetes und Verdauungs- und Nierenerkrankungen (NIDDK) Nationales Gesundheitsinstitut. Das Gefährliche bei Süßungsmitteln ist aber, dass sie die Auswirkungen des Zuckers imitieren. Daher kommt es in Folge zu einer verstärkten Ausschüttung von Insulin in der Bauchspeicheldrüse, das Darmmikrobiom verändert sich, Adipositas und Diabetes Typ2 werden gefördert.

Tatsächlich hat der Süßstoffkonsum der Mutter Auswirkungen auf den Nachwuchs. Denn die künstlichen Süßstoffe gelangen in die Plazenta und in die Muttermilch. Im Tierversuch zeigte sich selbst bei geringer Tagesdosis eine deutliche Verschlechterung der Leberfunktion und des Darmmikrobioms. Beispielsweise wurde eine bestimmte Bakterienart, Akkermansia muciniphila, im Darm nicht mehr gebildet. Beim Menschen wird diese Veränderung in der Darmflora mit Typ-2-Diabetes und Adipositas in Verbindung gebracht.

Sollten schwangere oder stillende Mütter Süßstoffe meiden?

Während Süßstoffe in Maßen bei Erwachsenen nach Aussagen der Forscher sicher sind, sind sie aber nicht uneingeschränkt als Alternative zu Zucker zu empfehlen. Es kommt immer auf die Dosis an und in welchem Entwicklungsstadium sich der Nachwuchs befindet.

In Maßen dürfen Schwangere also Süßstoffe verwenden - mit Ausnahme des Saccharins, dies gilt es vollständig zu meiden. Heutzutage kommen Zuckerersatzstoffe allerdings nicht nur in Nahrungsmitteln und Getränken vor, sondern auch in Mundwasser, Zahnpasta und Medikamenten. Da auf den Etiketten die Namen und Mengen der zugesetzten Süßstoffe nicht genau angegeben sind, ist es nahezu unmöglich, auf alle zu verzichten.

Für den Menschen wie auch für den Mausversuch gilt daher: Kurz vor, während und kurz nach der Geburt ist ein kritischer Zeitraum für die Entwicklung einer gesunden Darmflora und die entstehenden Entgiftungssysteme – bei Nagetieren wie bei Neugeborenen. Die Verwendung von Süßstoffen ist da eher nachteilig.

© Bayerischer Rundfunk / Gut zu wissen

Bis zu 100 Billionen Bakterien und Kleinstlebewesen leben in unserem Verdauungssystem. Sie helfen dort, unter anderem Krankheitserreger abzuwehren. Und beeinflussen wohl auch unser Gewicht. Doch unseren Darmbakterien droht Gefahr: durch Süßstoffe.