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Studie zu Darmkrebs: Minimalinvasiv-Operierte leben länger | BR24

© pa/dpa

Minimalinvasive Operation.

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    Studie zu Darmkrebs: Minimalinvasiv-Operierte leben länger

    Jedes Jahr erkranken rund 60.000 Menschen in Deutschland an Darmkrebs. Damit ist er bei Frauen die zweithäufigste – bei Männern die dritthäufigste Krebserkrankung. Früh erkannt sind die Heilungschancen hoch.

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    Darmkrebs gilt als besonders aggressive Krebsart. Nur etwas weniger als die Hälfte der daran erkrankten Personen überlebt die Krankheit. Für eine Behandlung sind unter anderem operative Eingriffe nötig. Ein Regensburger Team hat nun untersucht, ob auch die Wahl der Operationsmethode bei Darmkrebs Einfluss auf die Überlebensraten hat. Das eindeutige Ergebnis: sowohl bei Dickdarm wie auch bei Enddarmkrebs sind die Überlebensraten höher, wenn minimalinvasiv operiert wird.

    Was heißt minimalinvasiv?

    "Minimalinvasiv bedeutet, dass wir nur zwei, drei kleine Hautschnitte machen. Durch die nur wenigen Millimeter großen Zugänge werden eine Kamera sowie spezielle OP-Instrumente an den Ort des Geschehens eingebracht. Die Kamera überträgt die Bilder maßstabsgetreu und in höchster Qualität auf einen Bildschirm, sodass wir das Operationsgebiet stets im Blick haben", erklärt Professer Alois Fürst.

    Fürst ist Direktor der Klinik für Chirurgie am Caritas-Krankenhaus St. Josef und ein Teil des Regensburger Forschungsteams. Wenn bei Darmkrebs eine Operation nötig wird, geschieht dies entweder minimalinvasiv oder in einer offenen Operation. Offen bedeutet, dass der ganze Bauch mit einem langen Schnitt geöffnet wird. Der Chirurg macht den Zugang zum krankhaft veränderten Organ komplett frei. Während in skandinavischen Ländern bereits rund 80 Prozent der Operationen minimalinvasiv durchgeführt werden, liegt die Quote in Deutschland bei etwa 50 Prozent.

    Seit 1991 rund 800.000 Patientendaten ausgewertet

    Bereits vor fünf Jahren war Fürst an einer Studie mit Experten aus Holland und Skandinavien beteiligt, die darauf hindeutete, dass Patienten, die minimalinvasiv operiert wurden, länger überleben. Damit gab er sich aber nicht zufrieden. Gemeinsam mit dem Tumorzentrum Regensburg brachte er eine eigene Studie auf den Weg. "Das Tumorzentrum Regensburg war der optimale Partner", so Professor Fürst. Seit 1991 werden hier die Daten von inzwischen 800.000 Krebspatienten aus ganz Ostbayern gesammelt und ausgewertet. "Wir haben eine ganz besondere Datenlage, sie ist bundesweit bemerkenswert", betont auch Monika Klinkhammer-Schalke, Professorin und Direktorin des Regensburger Tumorzentrums.

    Die klinisch-wissenschaftliche Zusammenarbeit des Caritas-Krankenhauses St. Josef mit dem Tumorzentrum Regensburg bestätigte, was sich bereits im Rahmen verschiedener randomisierter Studien abzeichnete: "Es zeigten sich signifikante, langfristige Überlebensvorteile für minimalinvasiv operierte Dickdarm- und Enddarmkarzinome – im Schnitt von zehn bis zwölf Prozent", so Alois Fürst. "Damit gilt als bewiesen, dass die minimalinvasive Tumorchirurgie die besseren Ergebnisse erzielt."

    Warum das so ist, sei noch nicht abschließend geklärt. Ein Ansatz sei, dass minimalinvasive Operationen schonender und weniger belastend für den Körper sind. Im Gegensatz zur offenen Operation werden Muskel- und Gewebedurchtrennungen vermieden.

    Appell: zur Vorsorgeuntersuchung gehen

    Auch wenn die Studie wichtige Erkenntnisse für die Behandlung von Darmkrebs erbracht hat, liegt Professorin Klinkhammer-Schalke ein anderes Thema sehr am Herzen: "Je früher Darmkrebs entdeckt wird, umso leichter lässt er sich behandeln, umso besser sind die Heilungschancen. Polypen, die während einer Darmspiegelung entdeckt werden, können meist sofort entfernt werden und sich so nicht zu Darmkrebs entwickeln." Deshalb appelliert sie an alle, zu den Vorsorgeuntersuchungen zu gehen: "Da kann man sich viel Leid ersparen."

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