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Impfung (Symbolbild)

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    Corona-Impfstoff: Studie in München untersucht Langzeit-Wirkung

    Von so einer Impfquote kann der Rest der Republik nur träumen: Jeder zweite Mitarbeitende am Münchner Klinikum rechts der Isar ist bereits gegen den Erreger Sars-CoV-2 geimpft. Doch wie wirksam ist der Impfschutz tatsächlich und wie lang hält er an?

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    Von
    • Boris Berg

    Ende Dezember beginnt am Münchner Klinikum rechts der Isar eine Impfkampagne. Innerhalb von sechs Wochen werden 3.500 Mitarbeiter mit dem als sehr wirksam geltenden Impfstoff vom Typ mRNA immunisiert.

    Impfkampagne als Chance

    Die Impfkampagne im eigenen Haus sehen die Immunologen am Klinikum rechts der Isar als große Chance, mehr über die Wirksamkeit des Impfstoffes zu erfahren.

    "Wir hoffen, dass wir mit dieser Studie tatsächlich eine Antwort darauf finden: Wie häufig müssen wir impfen? Denn das Virus wird auch auf Dauer bei uns bleiben und wir werden uns wahrscheinlich daran gewöhnen müssen, dass wir ähnlich wie bei der Grippeschutzimpfung auch regelmäßig eine Corona-Virus-Impfung benötigen." Prof. Percy Knolle, Leiter der Studie

    Suche nach Antikörpern

    Für die Studie werden einige hundert Freiwillige unter den geimpften Mitarbeitern zunächst einmal befragt, wie sie sich nach der Impfung fühlen. Schwere Nebenwirkungen wurden dabei bislang nicht festgestellt. Dann wird denn Freiwilligen Blut abgenommen.

    Im Labor suchen die Immunologen als Erstes nach Antikörpern. Anhand von bestimmten Details in der Struktur dieser Antikörper lässt sich genau bestimmen, ob sie natürlichen Ursprungs sind, also vom Immunsystem als Reaktion auf eine tatsächliche Covid-19 Infektion oder durch die Impfung gebildet wurden.

    Antikörper oft nicht mehr nachweisbar

    Der erste Eindruck sei sehr gut, sagt Prof. Knolle. "Das Immunsystem reagiert auf die Impfung so, wie wir das gerne möchten." Doch die große Herausforderung für die Impfstoff-Forschung ist die Frage, wie wirksam der Schutz auf Dauer ist. Denn die Antikörper nehmen meist innerhalb eines Jahres deutlich ab und lassen sich oft schon einige Monate nach einer Impfung oder auch einer Infektion nicht mehr nachweisen.

    Immungedächtnis als Hoffnungsträger

    Da ruht die Hoffnung auf dem Immungedächtnis des menschlichen Körpers. Dabei spielen die sogenannten T-Zellen eine große Rolle. Auch sie können im Blut nachgewiesen werden. Der Aufwand dafür ist allerdings viel größer, als die Suche nach den Antikörpern. Doch wenn diese T-Zellen tatsächlich, so wie im Fall von anderen Krankheitserregern, auch den Bauplan für die Immunantwort auf Corona-Viren speichern, dann würden die aktuellen Impfungen auch im Herbst noch gut schützen.

    Warten auf den Herbst

    Bis dahin werden die Studienteilnehmer regelmäßig Blut abgeben und Auskunft über ihr Befinden geben. Viele Fragen lassen sich frühestens im Herbst beantworten. Brauchen die Geimpften dann eine Verstärkungsimpfung? Sind Sie komplett gegen eine Infektion geschützt? Oder kann die Impfung vor allem die schweren Verläufe der Covid-19 Erkrankung verhindern.

    Prof. Knolle: "Das wäre natürlich viel besser, wenn wir nachweisen könnten, dass eine Infektion nicht mehr erfolgt oder nur so schwach erfolgt, dass eine Weitergabe der Infektion nicht mehr möglich ist. Auch das ist ein Aspekt, zu dem wir hoffen, einen Beitrag leisten zu können."

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    Die Corona-Studie der TU München Klinikum rechts der Isar wird ausgeweitet, um zu untersuchen, wie gut der Impfschutz funktioniert.

    Studie als wichtiges Puzzleteil

    Für Gewissheiten ist die Studie allerdings mit wenigen hundert Teilnehmern zu klein. Aber sie könnte ein wichtiges Puzzleteil im Rahmen der weltweiten Corona-Forschung werden - auch weil die Impfstudie nur ein Teil einer sehr umfangreichen Mitarbeiterstudie ist, die Prof. Knolle und Prof. Paul Lingor schon im April 2020, mitten in der ersten Welle der Corona-Pandemie gestartet haben. Dafür konnten die beiden 4.500 der insgesamt 7.000 Mitarbeiter am Klinikum rechts der Isar gewinnen.

    Nur geringe Durchseuchung bei Klinikmitarbeitern

    Erstes Ziel war es, die Durchseuchung mit Corona festzustellen. Nach der Auswertung der Antikörpertests waren die beiden Studienleiter überrascht, dass sich in der ersten Welle "nur" 2,4 Prozent der Studienteilnehmer mit Sars-CoV-2 infiziert hatten. Prof. Paul Lingor: "Eine der wichtigen Fragen, die wir durch diese Studie beantworten konnten, ist tatsächlich, wie gut die Mitarbeiter geschützt gewesen sind. Da können wir sagen, dass wir sehr erstaunt gewesen sind, weil diejenigen, die auf Stationen arbeiten, in denen viele Covid-Patienten waren, sogar eine noch geringe Durchseuchung hatten."

    Mit anderen Worten: Die Klinikmitarbeiter hatten sich insgesamt gut geschützt und wohl in der Tendenz umso besser, je häufiger sie mit Covid-Patienten zu tun hatten.

    Fünf Prozent der Infizierten haben immer noch Nebenwirkungen

    Doch der Neurologe Paul Lingor möchte auch wissen, wie es um die Nachwirkungen einer Sars-CoV-2-Infektion steht. Deswegen werden alle Mitarbeiter, die infiziert waren, insgesamt etwa zwei Jahren lang regelmäßig befragt und untersucht. Die gute Nachricht: Fast alle Patienten, die Geschmacks- oder Geruchsstörungen hatten, haben nach wenigen Wochen keine Einschränkungen mehr gehabt. Doch knapp fünf Prozent der Infizierten, die solche Nebenwirkungen gehabt haben, leider immer noch.

    "Das, was für viele Patienten noch unangenehmer als der Ausfall oder die Einschränkung des Geruchssinns ist, dass viele auch Fehl-Wahrnehmungen haben. Und wenn dann der morgendliche Kaffee ganz anders oder auch sehr unangenehm schmeckt, dann ist das etwas, was für den Patienten sehr unangenehm ist, weil sie das ja ständig mitbekommen." Prof. Paul Lingor, Neurologe

    Wie in so vielen Aspekten der Corona-Pandemie steht die Forschung auch hier noch vor großen Rätseln. Gehen die Geschmacks- und Geruchsstörungen auf eine dauerhafte Beschädigung der Sinneszellen zurück? Oder sind Signalwege im Gehirn gestört? Paul Lingor hofft, noch in diesem Jahr mehr herauszufinden.

    Riech-Training nur begrenzt wirksam

    Eine Therapie der langfristigen Geruchsstörungen durch ein Riech-Training sieht er skeptisch. "Wenn man sich die harten Fakten von Untersuchungen über das sogenannte Riech-Training anschaut, dann muss man sagen, dass das von der Wirksamkeit doch relativ begrenzt ist."

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