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Studie: Auf dem Land nicht mehr Corona als in der Stadt | BR24

© pa/dpa/Lino Mirgeler

Studie: Auf dem Land nicht mehr Corona als in der Stadt

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Studie: Auf dem Land nicht mehr Corona als in der Stadt

Ausbrüche in Berchtesgaden oder Traunstein legen nahe, dass das Virus auf dem Land besonders stark zuschlägt. Aber ist das so? Eine neue Untersuchung zeigt, dass die Infektionszahlen ähnlich sind. Es gibt aber Unterschiede in der Dynamik.

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Von
  • Moritz Pompl

Wie schnell die Corona-Infektionszahlen an Fahrt gewinnen können, das hat sich zuletzt zum Beispiel in den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein gezeigt: Binnen zwei Wochen sind die Zahlen im Landkreis Berchtesgadener Land von 4,7 pro 100.000 Einwohner auf fast 300 hochgeschossen (jeweils bezogen auf 7 Tage). Im Landkreis Traunstein war die Dynamik noch eindrucksvoller: Hier erreichten die Neuinfektionen sogar einen Wert von 420 pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen.

Infektionszahlen in Stadt und Land ähnlich

Trotzdem kommt das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in einer aktuellen Erhebung zu dem Schluss: Die Infektionszahlen sind bei Stadt und Land im Grunde ziemlich ähnlich. Demnach registrierten die deutschen Gesundheitsämter im Oktober durchschnittlich zehn Neuinfektionen pro Tag und 100.000 Einwohner im städtischen Raum, im ländlichen sieben (also pro Woche 70 bzw. 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner).

Auch im Frühjahr ähnliche Zahlen

Auch in der ersten Phase der Pandemie waren die Zahlen vergleichbar. So lag im Zeitraum Februar bis Mitte August 2020 die durchschnittliche Zahl der täglich registrierten Neuinfektionen je 100.000 Einwohner im städtischen Raum bei 1,5 und damit nur leicht höher als auf dem Land mit 1,1. Im Zeitraum August und September war der Unterschied kurzzeitig deutlicher (2,1 in der Stadt vs. 1,0 auf dem Land).

Ob dies mit dem Ende der Sommerferien zusammenhängt und damit, dass die städtische Bevölkerung möglicherweise mehr Reisen unternommen hat, ist aber unklar. Unter dem Strich ist das Fazit des BBSR: "Die Ausbreitung von COVID-19 lässt sich nicht explizit auf bestimmte räumliche Muster zurückführen."

Am Land reichen wenige Hotspots für Explosion der Infektionszahlen

Ein Blick auf die Infektionskarte in Bayern bestätigt: Städte (wie Augsburg, Fürth, Passau und Rosenheim) und ländliche Gebiete sind aktuell in etwa gleich stark von der Corona-Pandemie betroffen. Die Städte sind anscheinend nicht (mehr) die "Infektionstreiber", für die sie zu Beginn der Pandemie gehalten wurden.

Einen Unterschied gibt es allerdings doch, sagt der Statistiker Prof. Helmut Küchenhoff von der LMU München, der die Infektionszahlen laufend wissenschaftlich auswertet. Wenn in der Stadt die Zahlen ansteigen, dann sei das auf zahlreiche Infektionsherde zurückzuführen. Auf dem Land dagegen könne das durch ein, zwei oder drei Infektionsherde passieren, die möglicherweise schneller einzudämmen seien, so Küchenhoff.

In ländlichen Gebieten reichen also wenige lokale Hotspots, um die Infektionszahlen blitzartig in die Höhe zu treiben. Hotspots wie im Landkreis Berchtesgadener Land zum Beispiel würden in München deutlich weniger ins Gewicht fallen, weil die Anzahl an Einwohnern entsprechend größer ist und die vielen Gesunden den einen Ausbruch statistisch gewissermaßen abfedern.

Schnell hoch, und schnell wieder runter?

Genauso schnell wie die Zahlen in einem ländlichen Gebiet steigen, können sie aber auch wieder sinken. Zumindest, wenn entsprechende Maßnahmen ergriffen werden. Der Landkreis Berchtesgadener Land etwa wurde zwei Wochen früher als das restliche Deutschland in den Lockdown geschickt, inklusive Gastronomie, Kitas und Schulen. Inzwischen sind die Infektionszahlen im Landkreis auf 137,8 pro 100.000 Einwohner und sieben Tagen gesunken; Kitas und Schulen sind wieder offen.

Ob der neuerliche bundesweite Teil-Lockdown das Infektionsgeschehen auch deutschlandweit eindämmen kann, ist noch nicht klar. Wissenschaftliche Studien, die den ersten Lockdown im Frühjahr untersucht haben, sprechen aber dafür, dass die Zahlen bald rückläufig sein könnten.

© BR

Seit knapp zwei Wochen ist das öffentliche Leben in Deutschland wieder eingeschränkt. Allerdings sind die Maßnahmen nicht so streng wie im Frühjahr. Wissenschaftler haben nun überprüft, ob sie trotzdem genauso wirksam sind.

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