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Stoffwindeln sind wieder trendy | BR24

© pa/dpa/Bildagentur-online

Baby in Windeln

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Stoffwindeln sind wieder trendy

Einwegwindeln haben schnell die Stoffwindel verdrängt, weil sie einfach praktischer waren. Doch nun dreht sich der Trend: Nichts muss mehr mühsam ausgekocht werden, und in Regensburg gibt es gar einen Zuschuss, um den Müll zu reduzieren.

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Stoffwindeln gibt es in vielen verschiedenen Systemen, dreiteilig, als Hybrid oder All in one, aus Baumwolle oder Schafwolle, zum Knöpfen oder mit Klettverschluss. Sabine Lehner aus Sinzing im Landkreis Regensburg ist Stoffwindelberaterin. Sie hat sich selbst schlau gemacht über Vor- und Nachteile von Stoff- und Einwegsystemen und berät Eltern. Ihre eigenen Kinder tragen Stoff. Etwa 400 Euro müsse man dafür ausgeben. Wegwerfwindeln dagegen kosten je nach Qualität über die komplette Wickelzeit um die 2.000 Euro.

Mehr Arbeit, aber weniger Müll

1973 tauchten die ersten Einwegwindeln in Deutschland auf und verdrängten in kurzer Zeit die Stoffwindel. Die Vorteile waren klar: Einwegwindeln sind praktisch, nach Gebrauch werden sie einfach entsorgt, das früher übliche mühsame Auskochen der Stoffwindeln fällt weg. Seit ein paar Jahren aber kommen Stoffwindeln aber wieder.

Der Landkreis Regensburg zum Beispiel fördert die Anschaffung von Stoffwindeln mit maximal 50 Euro, und es gibt noch eine Reihe von Gemeinden und Landkreisen in Bayern, die das ähnlich handhaben - einfach, weil Einwegwindeln jede Menge Müll bedeuten.

Stoffwindeln kommen ohne Chemie aus

Stoffwindeln gelten zudem als schonender für die empfindliche Babyhaut, das war für Sabine Lehner mit ausschlaggebend.

"In den Einwegwindeln ist natürlich jede Menge Chemie drin. Und bei der Stoffwindel kann ich selbst entscheiden, was an die Haut von meinem Kind hinkommt. Ob jetzt Biobaumwolle oder auch Baumwolle oder irgendwelche synthetischen Materialien." Sabine Lehner, Stoffwindelberaterin

Ökobilanz bleibt etwa gleich

So ganz eindeutig ist die Öko-Bilanz allerdings nicht – die einzige Studie dazu stammt aus Großbritannien aus dem Jahr 2005. Ergebnis: Der Energieverbrauch im Zyklus von Einweg- und Stoffwindeln ist etwa gleich groß - einfach deswegen, weil Stoffwindeln immer wieder heiß gewaschen werden müssen.

Lerneffekt: Babies werden mit Stoff schneller trocken

Stoffwindel-Fans sind sich aber sicher: Mit den Mehrwegwindeln lernen Babys schneller, ganz ohne Windel auszukommen, sagt Sabine Lehner.

"Bei den Stoffwindeln ist es ja in der Regel auch so, dass die Kinder auf der Feuchtigkeit, also auf dem Urin dann quasi auch liegen und diese Feuchtigkeit spüren. Und dadurch natürlich dann irgendwann auch sagen, hey, ich will vielleicht jetzt selber aufs Töpfchen gehen. Bei den Wegwerfwindeln, durch den Superabsorber, wird natürlich die komplette Flüssigkeit weggesaugt. Und die Kinder haben da überhaupt kein Gefühl, jetzt hab ich Pipi gemacht, denn es ist ja alles so wie vorher." Sabine Lehner, Stoffwindelberaterin

Klar, wer Stoffwindeln benutzt, muss sich auf jeden Fall mehr Zeit nehmen fürs Waschen und Trocknen –und unterwegs sind Einwegwindeln eindeutig praktischer. Es kommt also drauf an, was den Eltern besonders wichtig ist – dass das Wickeln schnell und praktisch abläuft oder die Umwelt schont.