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Stiftung Warentest: Worauf man bei Grillkohle achten sollte | BR24

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Grillen ist der Deutschen liebstes Hobby. Jedes Jahr verglühen wir 250.000 Tonnen Holzkohle. Importware, die zum Teil aus Tropenholz besteht, wie Stiftung Warentest erneut bestätigt hat. Hier einige Alternativen.

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Stiftung Warentest: Worauf man bei Grillkohle achten sollte

Grillen ist der Deutschen liebstes Hobby. Jedes Jahr verglühen wir 250.000 Tonnen Holzkohle. Importware, die zum Teil aus Tropenholz besteht, wie Stiftung Warentest erneut bestätigt hat. Wie viel der Holzkohle, die wir verbrauchen, ist legal?

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Würde Deutschland Kohle nur aus heimischen Hölzern herstellen, bräuchte es eine Waldfläche so groß wie 500.000 Fußballfelder – nur fürs Grillen! Deshalb wird Grillkohle auch importiert - rund 233.000 Tonnen im Jahr 2018. Doch ein Teil dieser Holzkohle wird aus Tropenholz gewonnen - für den Verbraucher kaum zu erkennen, da häufig nicht deklariert oder zertifiziert. Das wirft die Frage auf: Wie viel unserer Holzkohle, die in Deutschland verkauft wird, ist überhaupt legal?

Umweltschützer verlangen bessere Gesetzgebung

Umweltschutzorganisationen kämpfen seit Jahren für ein besseres Gesetz. Sie fordern, dass der Import von Grillkohle ebenso strengen Kontrollen unterliegt wie der von Holz. Denn Holz- und Papierprodukte fallen unter die Europäische Holzhandelsverordnung (EUTR), die Unternehmen dazu verpflichtet, die Legalität der Produkte sicherzustellen. Der "reine" Import von Tropenholz oder illegal geschlagenem Stammholz aus osteuropäischen Urwäldern ist verboten, das gilt aber nicht, wenn diese Hölzer vorher zu Kohle verarbeitet wurden, so laut NDR und "World Wide Fund for Nature" (WWF).

Grillkohle im Test: Analysen des NDR und WWF

Bei einer Marktanalyse des NDR und des WWF im Juli 2018 wurde Tropenholz in Grillkohle gefunden: Dabei wurden 36 Grillkohlen untersucht – von Markenprodukten bis hin zu Beuteln aus Discountern und Tankstellen. Danach enthielten 42 Prozent der getesteten Produkte Tropenholz-Anteile. 61 Prozent waren hochrisikobehaftet, weil sie aus Regionen mit umfangreichem illegalen Holzeinschlag stammten.

"Unsere Analysen belegen, dass die Produktion von Grillkohle zu einem erheblichen Teil auf Raubbau an den Wäldern basiert. Die Holzkohleindustrie verfeuert alles, was ihr in die Finger kommt", sagt Johannes Zahnen, Holzexperte des WWF Deutschland auf den Seiten des WWF.

Besonders bedenklich ist laut WWF der hohe Anteil an nicht-zertifiziertem Tropenholz:

"Mit der Zerstörung der Tropen verlieren wir die artenreichsten Lebensräume der Erde und zugleich unsere wichtigsten Verbündeten im Kampf gegen die Klimakatastrophe. Wir können nicht zulassen, dass der heimische Grill zum Scheiterhaufen des tropischen Regenwaldes wird." Johannes Zahnen, Holzexperte des WWF Deutschland.
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Grillen ist der Deutschen liebstes Hobby. Jedes Jahr verglühen 250.000 Tonnen Holzkohle. Ein Teil der Holzkohle wird aus Tropenholz gewonnen und ist häufig nicht zertifiziert.

Stiftung Warentest: Tropenholz in Grillkohle

Auch Stiftung Warentest hat untersucht, wie viel Tropenholz oder Holz aus Raubbau in unserer Grillkohle steckt. Die Untersuchung zeigt, dass mehrere Händler nach wie vor Grillkohle aus Tropenholz verkaufen. Insgesamt wurden 17 Holzkohlesäcke analysiert, davon enthielten fünf Säcke Kohle aus dem tropischen oder subtropischen Raum. Bei insgesamt neun Säcken waren weder Holzarten noch Herkunft angegeben.

Aber auch Produkte aus europäischen Laubbäumen sind kein Garant für eine saubere Herkunft, zum Beispiel, wenn sie aus der Ukraine stammen, wo es viel Korruption und illegalen Holzeinschlag gibt. Knapp die Hälfte der Anbieter beziehen ihre Kohle zumindest teilweise aus der Ukraine.

Flamenco Grill-Holzkohle erfüllt am ehesten alle Kriterien

Ein Produkt führt Verbraucher in die Irre: Max Grill & Barbecue trägt ein Siegel des Forest Stewardship Council (FSC), das Kohle aus nachhaltiger Waldwirtschaft ausweist. Tatsächlich besteht sie jedoch aus Tropenholz. Im Test erfüllte die Flamenco Grill-Holzkohle (1,17 Euro pro Kilogramm) am ehesten alle Kriterien.

Holzkohle-Siegel zur Orientierung

Oft fehlen Hinweise auf die genaue Herkunft des Holzes. Im Gegensatz zu Möbelholz hat man bei den schwarzen Kohlestückchen keine reelle Chance, selbst zu prüfen, welche Baumart dafür gefällt wurde. Das DIN-Prüfzeichen (DIN EN 1860-2) weist zumindest aus, dass die Kohle kein Pech, Erdöl, Koks oder Kunststoff enthält. Um den Grillkohle-Raubbau aber zu meiden, sollte man ein Produkt wählen, auf dem Holzart und -herkunft angegeben sind und das das FSC-Siegel (Forest Stewardship Council) trägt.

Das FSC-Siegel

Verbraucher, die vor der Wahl zwischen nicht-zertifizierter Ware und solcher mit FSC-Siegel stünden, sollten in jedem Fall zur FSC-Variante greifen, so Johannes Zahnen vom WWF. Das Siegel biete zwar keine endgültige Sicherheit, aber die aktuell größtmögliche Wahrscheinlichkeit, dass die Holzkohle aus verantwortungsbewusster Waldwirtschaft stamme. Ende 2011 geriet das Siegel allerdings in Kritik, als das ARD-Magazin Plusminus über Kahlschläge in schützenswerten Wäldern Russlands durch die IKEA-Tochter Swedwood berichtete, obwohl diese mit dem Siegel zertifiziert ist.

Weitere Tipps zur Grillkohle

  • Altholz, Nadelbaumzweige, Papier, etc. gehören nicht in den Holzkohle-Grill, da krebserregende Stoffe freigesetzt werden können. Verwenden Sie ausschließlich Holzkohle oder -briketts.
  • Generell gilt: Grillkohle hat eine kurze Anglühphase, Briketts das längere Durchhaltevermögen. Fürs kurze Grillen greift man daher am besten zur Kohle, für einen langen Grillabend besser zu Briketts.
  • Grillkohle sollte für ein ruhiges Abbrennen aus möglichst feinen, gleich großen Kohlestücken bestehen.
  • Grillkohle nach Möglichkeit ausglühen lassen, nicht ablöschen: Durch Löschaktionen kann sich das Metall des Grills verziehen.
  • Grillkohle zieht sehr schnell Feuchtigkeit, angebrochene Säcke daher nicht im Freien stehen lassen.
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Im Sommer geht es heiß her: Grillkohle anzünden, Fleisch würzen und ab damit auf den Rost. Schon bald riecht's gut und Würstel und Steaks werden knusprig gebräunt verspeist. Doch was passiert genau beim Grillen?