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Steigende Zahlen: Über 200.000 Menschen 2019 an Masern gestorben | BR24

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Über 200.000 Menschen starben im vergangenen Jahr an den Masern, obwohl es schon lange eine Impfung gibt.

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Steigende Zahlen: Über 200.000 Menschen 2019 an Masern gestorben

2016 lag die weltweite Zahl derer, die an Masern gestorben sind, auf einem Tiefststand. Seitdem steigen die Zahlen wieder. Besonders afrikanische Länder sind betroffen, weil die zweite Impfung nicht rechtzeitig erfolgt.

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"Das waren Todesfälle, die man verhindern hätte können", sagte die Expertin der Weltgesundheitsorganisation Natasha Crowcroft, als am Donnerstag der Bericht der WHO und der US-Gesundheitsbehörde CDC veröffentlicht wurde. Demnach sind 2019 etwa 207.500 Menschen weltweit an Masern gestorben. Die Zahl der Todesopfer stieg damit um 50 Prozent gegenüber 2016.

Masern gelten als hochansteckende Krankheit, die durch die Gabe von zwei Impfdosen verhindert werden kann. Außerdem ist es erforderlich, dass mindestens 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sind, um keine Ausbrüche entstehen zu lassen.

Zweite Impfung nicht rechtzeitig

Laut dem Bericht wurden 2019 aber nur 85 Prozent geimpft. Die wichtige zweite Impfung, die im richtigen Zeitfenster für die Immunisierung erfolgen muss, erhielten sogar nur 71 Prozent der Kinder.

Besonders betroffen sind nach WHO-Angaben neun Länder - unter ihnen die Zentralafrikanische Republik, die Demokratische Republik Kongo, Georgien, Kasachstan und die Ukraine. Experten fürchten, dass sich die Zahlen 2020 durch die Corona-Pandemie noch verschlimmern könnte, gerade in Ländern mit schwacher Gesundheitsvorsorge.

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In Deutschland kennen nur noch wenige die Masern und sind impfmüde. Dabei ist die Kinderkrankheit keine harmlose Erkrankung. Wie die Krankheit verläuft, welche Nebenwirkungen sie haben kann und warum eine Impfung sinnvoll ist.

Warum Masern so gefährlich sind

Ein Impfstoff gegen Masern wurde 1963 eingeführt. Bis dahin starben jährlich etwa 2,6 Millionen Menschen an der "Kinderkrankheit". Die Infektionskrankheit ist so gefährlich, weil sich die Viren sehr, sehr schnell im ganzen Körper ausbreiten können.

Es beginnt mit Symptomen wie bei einer schweren Erkältung: Fieber, Husten und Schnupfen gehören dazu. Befallen die Viren die Haut, entsteht der typische Ausschlag. Das passiert aber erst Tage später, ansteckend ist man bereits vorher.

Hirnhautentzündung kann tödlich enden

Bei einem von tausend Fällen wandern die Viren ins Gehirn und können dort eine Hirnhautentzündung, die sogenannte Masern-Enzephalitis, auslösen. Sie kann zu schweren Gehirnschäden und geistigen Behinderungen führen. Jeder fünfte stirbt daran.

Aber auch ohne Hirnhautentzündung können Masern Organe wie Lunge, Leber oder Darm befallen. Das Immunsystem wird sehr geschwächt. Bis es wieder richtig funktioniert, kann es Wochen oder Monate dauern.

Impfung bietet lebenslangen Schutz

Das einzig Gute an Masern: Wer die Krankheit einmal durchgemacht hat, kann sie nie wieder bekommen. Das Immunsystem bildet Antikörper, die das Virus bekämpfen, sollte es wieder in den Körper eindringen. Und dieser Schutz hält ein Leben lang.

Die Immunität bekommt man auch durch eine Impfung, bei der abgeschwächte Masernviren geimpft werden. Die Impfung ist harmlos, die Viren können sich zwar vermehren, lösen aber keine Krankheit aus. Mit einer flächendeckenden Impfung soll die Krankheit so ausgelöscht werden. 2016 sank die Todesrate dank der Impfungen auf einen historischen Tiefstand von 90.000.

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Masern sind hochgradig ansteckend. Die Folgen einer Masernerkrankung können schwerwiegend sein. Seit es die Impfung gibt, sind die Masernfälle stark zurückgegangen. Deshalb halten manche den Impfschutz für überflüssig.

95 Prozent müssen weltweit geimpft sein

Um die Krankheit auszurotten, müssen 95 Prozent der Bevölkerung weltweit geimpft sein. Denn es gibt Menschen, die sich nicht impfen lassen können, weil sie zu krank sind, ihr Immunsystem zu schwach ist. Für die ist es wichtig, dass sich ihre Mitmenschen impfen lassen, denn dann können sich die Masern nicht mehr ausbreiten.

Daher ist am 1. März 2020 das Masernschutzgesetz in Deutschland in Kraft getreten. Jeder Kind, das in die Schule oder in den Kindergarten gehen möchte, muss eine Masern-Impfung vorlegen können. Die Zahlen in Deutschland schwanken stark. In den Jahren 2010 bis 2019 zählte das Robert-Koch-Institut zwischen 165 und 2.465 Erkrankungen.

Masern-Impfpflicht in Deutschland

Doch die Masern-Impfpflicht wurde nicht von allen positiv aufgenommen. Impfgegner versuchen immer wieder, sie zu umgehen. Ihrer Meinung nach sind Impfungen gefährlich und können Komplikationen hervorrufen.

Ja, eine Impfung kann Nebenwirkungen haben. Jede Impfung. Dazu zählen zum Beispiel Schwellungen an der Einstichstelle oder auch allergische Reaktionen. In sehr wenigen Fällen kann die Impfung auch Masern in einer Light-Variante hervorrufen. Mit ein bisschen Fieber, Schnupfen oder Husten. Auch die gefährliche Masern-Enzephalitis kann auftreten: bei etwa einem von einer Million geimpfter Kinder.

Nochmal zum Vergleich: Ohne Impfung bekommt ein Kind unter tausend die Hirnhautentzündung.

Keine Masern-Partys!

Daher erübrigt sich nach Meinung von Experten auch die Frage, wie sinnvoll sogenannte "Masern-Partys" sind, auf die einige Eltern ihre Kinder schicken wollen. Sie drehen sich um infizierte Kinder, die dann die eigenen Kinder anstecken sollen, um sie nach einer durchgemachten Infektion immun werden zu lassen.

Gerne nochmal: Das Risiko einer schweren Hirnhautentzündung ist groß. Eines von tausend Kindern bekommt sie. Mit einer Impfung nur eines von einer Million. Und nicht nur das: Masern können langfristig Organe und das Immunsystem schädigen und schwächen, geistige Behinderungen auslösen. Virologe Uwe Liebert von der Uniklinik Leipzig spricht von schweren Komplikationen durch Masern sogar bei einem unter 500 Kindern. Wer möchte sein Kind dem freiwillig aussetzen?

Zweite Impfung extrem wichtig

Die Ständige Impfkommission empfiehlt die erste Impfung im Alter von 11 bis 14 Monaten, die zweite kann frühestens vier Wochen danach erfolgen. Empfohlen ist ein Alter von 15 bis 23 Monaten. Die zweite ist besonders wichtig, denn bei circa acht Prozent der Geimpften bildet das Immunsystem nach der ersten Impfung noch keine Antikörper aus. Nach der zweiten Impfung sind etwa 98 bis 99 Prozent gegen Masern immun.

Bei den ganz wenigen, bei denen die Krankheit doch auftreten kann, kommt sie in einer leichten Variante daher. Die zwei Impfungen sind notwendig für das weltweite Ziel einer 95-prozentigen Immunität. 2019 stieg die Anzahl der registrierten Fälle auf 870.000 - so viel wie seit 1996 nicht mehr.

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