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Statt Plastik: Ein essbarer Überzug soll Gemüse frisch halten | BR24

© stock.adobe.com/Korta

Statt Kunststoff soll eine aufgespritzte, essbare Schutzschicht Früchte länger frisch halten.

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    Statt Plastik: Ein essbarer Überzug soll Gemüse frisch halten

    Der Lebensmittelhandel steckt in der Zwickmühle. Plastikverpackungen für Gurke und Co sind für immer mehr Kunden tabu. Lebensmittelhänder testen jetzt neue Techniken, um Obst und Gemüse frisch zu halten. Helfen soll eine essbare Schutzschicht.

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    Lange galten Plastikverpackungen als beste Möglichkeit, Obst und Gemüse vor dem Verderben zu bewahren. Deutschlands größte Lebensmittelhändler Edeka und Rewe testen deshalb neue Techniken, um die empfindliche Ware auch ohne Kunststoffverpackung länger frisch zu halten. Statt Kunststoff soll eine aufgespritzte, essbare Schutzschicht direkt auf die Schale der Früchte aufgetragen werden und sie so frisch halten.

    Schutzmantel besteht aus rein pflanzlichen Materialien

    Der vom US-Konzern Apeel Sciences entwickelte Schutzmantel besteht laut Hersteller aus rein pflanzlichen Materialien, die in Schalen, Samen und im Fruchtfleisch verschiedener Obst- und Gemüsesorten vorkommen. Er sei geschmacks- und geruchlos und essbar. Bei Rewe besteht der Überzug aus Zucker, Zellulose und pflanzlichen Ölen.

    12 Millionen Tonnen Lebensmittel landen jährlich im Müll

    Jährlich landen nach einer aktuellen Studie des Bundesforschungsinstituts für ländliche Räume, Wald und Fischerei (Thünen-Institut) mehr als 12 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Der Großteil der Abfälle - 7 Millionen Tonnen - entsteht in Privathaushalten. Jeder Bundesbürger werfe im Durchschnitt etwa 85 Kilogramm Lebensmittel im Jahr weg, schätzen die Wissenschaftler.

    Die Bemühungen um Plastikvermeidung haben das Problem eher noch verschärft. Nach Informationen der "Lebensmittel Zeitung" hat etwa der Verzicht auf Kunststofffolien bei Salatgurken dazu geführt, dass im vergangenen Herbst deutlich mehr spanische Gurken vernichtet werden mussten, weil sie den langen Transportweg nicht unbeschadet überstanden hatten. "Gurken für die Tonne", titelte das Fachblatt.

    Überzug könnte auch bei anderen Produkten üblich werden

    Bisher werden die neuen Beschichtungsverfahren in Deutschland nur bei Früchten eingesetzt, deren Schalen nicht verzehrt werden. Doch auf Dauer könnte der Überzug auch bei anderen Produkten üblich werden. Das US-Unternehmen Apeel hat nach eigenen Angaben Rezepturen für 30 verschiedene Obst- und Gemüsesorten entwickelt, darunter Erdbeeren, Tomaten, Äpfel und Paprika. Es bereitet laut Edeka bereits einen Zulassungsantrag bei der Europäischen Kommission vor.

    Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg begrüßt grundsätzlich den Vorstoß der Supermarktketten. Doch könne dies nur ein Element im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung sein. Hier müsse der Handel an vielen Schrauben drehen. "Es wird noch immer zu viel weggeworfen. Da ist der Handel gefragt - mit allem was geht, nicht nur mit einer Methode", so der Lebensmittel-Experte.

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