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Antibiotika mit Nebenwirkungen: Warnung vor Fluorchinolonen | BR24

© Julian Stratenschulte / dpa-Bildfunk

Warnschreiben mit Anwendungsbeschränkung vor Apothekenschild

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    Antibiotika mit Nebenwirkungen: Warnung vor Fluorchinolonen

    Sehnenrisse, Schlafstörungen, Depressionen und Angstzustände - die weit verbreitete Antibiotikagruppe der Fluorchinolone kann schwere Nebenwirkungen auslösen. Ärzte sollen sie deshalb nur noch stark eingeschränkt verschreiben.

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    In einem Brief warnen aktuell Pharmaunternehmen mit einem sogenannten Rote-Hand-Brief Ärzte und Krankenhäuser vor Fluorchinolon-Antibiotika. Die Nebenwirkungen könnten "lang anhalten, die Lebensqualität beeinträchtigen und sind möglicherweise irreversibel", so das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte.

    Die Rede ist von Entzündungen oder Rissen der Sehnen, Muskelschwäche, Gelenkschmerzen, Schwierigkeiten beim Gehen, Müdigkeit, Depressionen, Schlafstörungen oder Problemen beim Sehen oder Hören. Sie treten aber offenbar nur selten auf. Beim ersten Anzeichen einer dieser Nebenwirkungen sollte die Behandlung beendet werden. Besondere Vorsicht sei unter anderem bei älteren Menschen und bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion geboten.

    Medikamente werden bislang häufig eingesetzt

    Die neue Einschätzung ist das Ergebnis eines europäischen Risikobewertungsverfahrens. Es geht um die Wirkstoffe Ciprofloxacin, Levofloxacin, Moxifloxacin, Norfloxacin und Ofloxacin. Die Arzneimittel werden üblicherweise über den Mund eingenommen, gespritzt oder inhaliert. Insgesamt sind Produkte von mehr als 30 Pharmaherstellern betroffen. Laut dem Wissenschaftlichen Institut der AOK wurden im Jahr 2017 rund fünf Millionen Packungen mit fluorchinolonhaltigen Antibiotika gesetzlich Versicherten von niedergelassenen Ärzten verordnet.

    Fluorchinolone bleiben wichtige Behandlungsoption

    Die Wirkstoffe sind antibakteriell wirksam und können schwerwiegende, lebensbedrohende Infektionen heilen. In der Praxis werden sie aber häufig auch bei Bagatellerkrankungen wie unkomplizierten Harnwegsinfekten oder Bronchitis und Sinusitis ambulant verordnet. Sie gelten als sogenannte Reserveantibiotika, die eingesetzt werden, wenn andere Antibiotika nicht mehr helfen.

    Künftig sollen sie beispielsweise nicht mehr gegen akute Bronchitis, Mandelentzündung und zur Prävention von Reisedurchfall verwendet werden. Die ärztliche Entscheidung, Fluorchinolone zu verschreiben, sollte nur nach einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Bewertung im Einzelfall getroffen werden, so das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte.