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Stand-Up-Paddler schrecken Zugvögel auf | BR24

© picture alliance/Daniel Karmann/dpa

Stand-Up-Paddler stören Zugvögel - Symbolbild

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Stand-Up-Paddler schrecken Zugvögel auf

Zugvögel haben offenbar Panik vor Stand-Up-Paddlern. Sie erkennen die menschliche Silhouette und halten das Paddel vermutlich für ein Gewehr. Keine andere Wassersportart schreckt die Tiere derart auf und lässt sie so weit flüchten.

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Stand Up Paddling (SUP) wirkt sich besonders negativ auf Zugvögel aus - das zeigt eine Untersuchung. Der Landesverband für Vogelschutz (LBV) hat zwei Jahre lang beobachten lassen, wie Zugvögel von September bis April auf Störungen durch Wassersportgeräte und -fahrzeuge reagieren.

Das Ergebnis: Stand-Up-Paddler schreckten Zugvögel stärker auf als Segelboote, Windsurfer, Kanufahrer oder Ruderer. Die Tiere flogen weiter weg und verließen oft ganz das Wasser. In 36 Prozent der erfassten Fälle flogen die Zugvögel mehr als 100 Meter weit.

"Es gibt die Vermutung, aus Studien aus der Schweiz, auch vom Bodensee, dass es eventuell damit zu tun haben kann, dass ein Stand-Up-Paddler für den Vogel eine menschliche Silhouette ist, noch dazu mit etwas Langem in der Hand, was für den Vogel eine Assoziation mit einem Gewehr herstellen könnte." Thomas Rödl, LBV

Störungszonen Voralpenraum-Seen, Fränkisches Seenland, Donau-Staustufen

Erfasst wurden 364 Störungen. 104 wurden von Stand-Up-Paddlern verursacht, 260 von anderen Wassersportarten. Am meisten wurden Vögel durch Stehpaddler auf den großen Seen im Voralpenraum gestört sowie im Fränkischen Seenland und an Staustufen größerer Flüsse wie etwa der Donau bei Günzburg und entlang des Lechs. Bayerische Seen sind im Winterhalbjahr Dreh- und Angelpunkt internationaler Vogelzugrouten. Im Schnitt überwintern an einem Dezembertag mehr als 150.000 Vögel auf Seen und Flüssen in Bayern.

Gefährlicher Energieverlust für Zugvögel

Für Zugvögel bedeutet die Flucht vor Stand-Up-Paddlern einen gefährlichen Energieverlust. Gerade im Herbst tanken Zugvögel auf Zwischenstopps Kraft, um die oft lange Reise ins Winterquartier zu überstehen. Auch die Zugvögel, die aus dem Norden nach Bayern ins Winterquartier kommen, müssen mit ihrer Energie haushalten, denn hier ist im Herbst und Winter das Futter knapp.

Rücksicht nehmen

Um die Zugvögel zu schützen, hat der LBV mit Wassersportverbänden zum Beispiel am Starnberger See bei München neben ganzjährigen Schutzgebieten auch spezielle Winterruhezonen eingerichtet. Wassersportler sollten den Tieren die Ruhe gönnen und ihnen im Wasser großräumig aus dem Weg gehen:

"Tatsächlich ist es bei diesen Verbänden und bei den Stand-Up-Paddlern so, dass sie dann ab November bis März komplett auf ihren Betrieb verzichten oder eben nur in solchen Bereichen fahren, die unproblematisch sind." Dr. Andrea Gehrold, Landesverband für Vogelschutz

Wie man als Wassersportler Zugvögel schützt

  • Auf Stand Up Paddling zur Vogelzugzeit verzichten, also im Zeitraum von Anfang Oktober bis Ende März.
  • Immer einen großen Abstand - mindestens 300 Meter - zu Vogelgruppen halten.
  • Nur angelegte Einstiegsstellen wie Häfen, Badestrände und Slipanlagen in Gewässer nutzen.
  • Abstand halten zu Naturschutzgebietsgrenzen, Winterruhezonen, Flachwasserbereichen und Schilfgürteln.
  • Sich vor dem Wassersport in Seen über Schutzgebiete und Befahrungsregeln informieren.
© BR

Video: Immer mehr Stand-Up-Paddler sind auf Flüssen und Seen unterwegs. Gerade im Herbst kann das zum Problem für Millionen von Zugvögeln werden, die in Bayern überwintern oder einen Zwischenstopp machen. Das kostet die Tiere wertvolle Energie.

Sendungen:

  • Abendschau, 18.10.2019, 18.00 Uhr, BR Fernsehen
  • IQ, 18.10.2019, 18.05 Uhr, Bayern 2
  • Gut zu wissen, 19.10.2019, 19.00 Uhr BR Fernsehen
  • nano, 22.11.2019, 16.00 Uhr, ARD-alpha