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"Stadtgrün 2021" - Welche Stadtbäume dem Klimawandel trotzen | BR24

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Bäume in der Stadt spenden Schatten, kühlen das Stadtklima, binden Staub und halten bei Starkregen Wasser zurück. Doch wie kommen die Stadtbäume mit dem Alltag zwischen Asphalt, Hitze und Dürre zurecht?

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"Stadtgrün 2021" - Welche Stadtbäume dem Klimawandel trotzen

Durch den Klimawandel werden unsere Städte immer heißer. Das halten nicht alle Stadtbäume gleich gut aus. Beim Projekt "Stadtgrün 2021" werden neue Arten getestet - zum Beispiel die Silberlinde in Würzburg. Der macht Hitze nicht so viel aus.

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Während des Klimawandels werden unsere Städte immer wärmer - und nicht alle Stadtbäume können damit gut umgehen. Die Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim macht darum einen Langzeitversuch, für den 650 Versuchsbäume gepflanzt worden sind: "Stadtgrün 2021". Die ersten im Jahr 2009, die letzten 2015. Einige der Bäume stehen auch in Würzburg und werden zweimal im Jahr kontrolliert.

Bäume für das trockene und warme Würzburg

Die Biologin Susanne Böll inspiziert darum regelmäßig Baumkronen in fünf bis sechs Metern Höhe. Die Bäume stecken voller Messgeräte, zum Beispiel einem Thermometer in der Krone einer Hainbuche, einem heimischen Vergleichsbaum. Schon jetzt, kurz vor Ende des Langzeitversuchs, konnten Susanne Böll und ihr Team zeigen, dass diese Baumart mit Hitze und Trockenheit in Würzburg gut zurecht kommt. Doch damit ist sie eher eine Ausnahme.

"Unsere heimischen Baumarten, die kommen ja aus dem Wald. In der Stadt, da ist es immer deutlich wärmer als im Wald. Vor allem die Rückstrahlung durch die versiegelten Flächen nachts – das macht den Bäumen sehr zu schaffen. Deswegen sind einige Bäume bereits am oder über dem Limit. Also in Würzburg zum Beispiel werden sie an der Straße in zehn Jahren keinen Ahorn mehr sehen." Biologin Susanne Böll

Neue Baumarten im Klimawandel?

Darum werden in Zukunft in unseren Städten wohl mehr neue Baumarten gepflanzt werden. Für den Versuch "Stadtgrün 2021" sind das zum Beispiel: Zürgelbäume aus Nordafrika, der Französische Ahorn, die spanische Eiche, die nordamerikanische Zelkove, der asiatische Gingkobaum oder auch der japanische Dreizahn-Ahorn.

Silberlinde mag Wärme

Die Silberlinde aus Südosteuropa scheint auf jeden Fall ein vielversprechender Kandidat zu sein. Sie hält es gut mit kalten Wintern, aber auch mit heißen, trockenen Sommern aus. Susanne Böll hat dazu die Temperatur in den Baumkronen gemessen und festgestellt, dass die Silberlinde bei hohen Temperaturen ihre helle Blattunterseite der Sonne entgegen dreht. Das reflektiert das Licht und wirkt so quasi wie eine eingebaute Klimaanlage für den Baum. Vielleicht hält die Art deshalb Hitze so gut aus.

Mit außergewöhnlicher Kälte aber kann die Silberlinde nicht so gut umgehen. In Hof, einem weiteren bayerischen Versuchsstandort, sind die Bäume in Winterkälte erfroren.

Schutz vor Temperaturextremen

Auch die Hopfenbuche und die Blumenesche wachsen gut in Würzburg. Im Laufe der Untersuchung sollen auch Baumschutzmaßnahmen getestet werden. Zum Beispiel Schutzmatten an Baumstämmen. Sie sollen verhindern, dass sich der Stamm auf Schatten- und Sonnenseite unterschiedlich erhitzt. Bis zu 15 Grad Unterschied zwischen den Seiten können an einem sonnigen Tag gemessen werden.

"Das kann zu Spannungen in der Rinde führen und die Rinde reißt dann längs auf und es können Schädlinge eindringen und dann ist das Anwachsen des Baumes und das Weiterleben gefährdet." Biologin Susanne Böll

Bis 2021 noch wird die Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau ihre 650 Versuchsbäume regelmäßig ausmessen. Dabei sollen unter anderem auch Pilz- und Schädlingsbefall sowie die Artenvielfalt an den neuen Bäumen gemessen werden.