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Wer nach einer Covid-Erkrankung wieder Sport treiben will, sollte sich umfassend untersuchen lassen, sagt ein Experte von der TU München.

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Sport mit Long-Covid: Was ein Experte empfiehlt

Wer nach einer Covid-19-Infektion wieder Sport treiben möchte, sollte sich am besten einmal medizinisch durchchecken lassen - vor allem, um eine Herzmuskelentzündung auszuschließen. Möglich ist das in einer Ambulanz der TU München.

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Von
  • Susanne Dietrich

Viele Long-Covid-Patienten fühlen sich schlapp, sind schnell erschöpft oder haben ein Engegefühl im Brustkorb. Sie leiden an einem Chronischen Müdigkeitssyndrom oder postinfektiösen Syndrom. Prof. Martin Halle von der Technischen Universität (TU) München führt das darauf zurück, dass das Coronavirus die Gefäße, vor allem die ganz kleinen, angreift: "Im Prinzip kann jedes Organ befallen und in seiner Funktion eingeschränkt sein. Und das Virus löst auch eine Entzündungsreaktion aus, manchmal sogar im ganzen Körper."

Schwerwiegende mögliche Folge: Die Herzmuskelentzündung

Wenn davon das Herz betroffen ist, kann sich eine Herzmuskelentzündung entwickeln. Sich damit körperlich zu belasten, kann dramatische Folgen haben: von einer Einschränkung der Herzleistung bis zum plötzlichen Herztod. Wie oft es aber nach einer Corona-Infektion zu einer Herzmuskelentzündung kommt, dazu gibt es verschiedene Studien - die Häufigkeit reicht von wenigen Prozent bis über 50 Prozent.

Bei solch unklarer Datenlage ist man lieber vorsichtig und macht bei genesenen Covid-19-Patientinnen und -Patienten oft sicherheitshalber ein Herzultraschall.

Sportmedizinischer Check-up zum Beispiel an der TU München

Deswegen sollte man sich vorsorglich durchchecken lassen, etwa im Klinikum rechts der Isar. Dort befindet sich die Ambulanz für präventive Sportmedizin und Sportkardiologie der TU München. Zum sportmedizinischen Check-up nach Corona gehört meist auch ein Herzultraschall, bei dem die Herzvorhöfe, die Herzkammern und -klappen untersucht werden. Außerdem werden in der Ambulanz des Klinikums der TU ein Lungenfunktionstest, ein Belastungstest und die Bestimmung der Blutwerte durchgeführt.

Jeden Tag kommen rund fünf Patientinnen und Patienten mit einer überstandenen Covid-19-Infektion in die sportmedizinische Ambulanz, eine oder einer davon mit Corona-Langzeitfolgen. Ambulanzleiter Halle betont, dass das keineswegs ältere Menschen seien, die sich wenig bewegen, sondern "sie sind im mittleren Alter, wir haben auch Jüngere, die davor super fit gewesen sind und jetzt kaum die Treppen hochkommen".

Wiedereinstieg in den Sport: Langsam mehr bewegen

Wichtige Regel aus der Sportmedizin: "Nach Trainingstagen eine Pause einlegen, dass man den Körper regenerieren lässt." In einer Studie untersucht Halles Team Covid-19-Genesene, damit künftig mehr über den gesunden Wiedereinstieg in den Sport nach einer Corona-Infektion bekannt wird.

Auch die Psyche kann nach einer überstandenen Covid-19-Infektion aus der Balance geraten. Am Klinikum rechts der Isar gibt es seit Anfang dieses Jahres eine gemeinsame Ambulanz der Psychosomatik und der Sportmedizin für Corona-Genesene – um Fachwissen zu bündeln und die Betroffenen besser unterstützen zu können. Anmelden kann man sich über die Sportmedizin.

Nach einem Jahr Erfahrung in der Behandlung von Patienten ist Halle zuversichtlich, dass die Müdigkeit irgendwann verschwindet: "Je jünger man ist, umso eher geht’s weg. Bei Älteren kann’s sich auch mal länger hinziehen. Aber im Grunde ist das eine ganz gute Botschaft, dass man nicht so verzweifelt ist."

Forderung: "Politik muss handeln"

Prof. Halle ist erschüttert über die große Zahl der Menschen mit Corona-Langzeitfolgen, die er täglich in seiner Ambulanz sieht. "Die Politik muss handeln. denn es fehlt Forschung, es fehlen Anlaufstellen, gemeinsame Datenbanken und eine gute Dokumentation", sagt er.

Über mehr gut vernetzte Anlaufstellen für Corona-Genesene mit Langzeitfolgen hat auch der Gesundheitsausschuss des Bundestags diskutiert. Dabei wurden mehr Behandlungskapazitäten gefordert - ebenso wie die Verankerung von Long-Covid-Behandlungszentren im Sozialgesetzbuch. Bei der Anhörung sprach die Deutsche Krankenhausgesellschaft von Long-Covid als einer zentralen Herausforderung für das Gesundheitswesen, die in den nächsten Jahren bewältigt werden müsse.

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Das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 verursacht bei vielen Infizierten kaum Probleme. In Einzelfällen aber kann es zu Langzeitfolgen an diversen Organen wie Lunge, Herz oder Gehirn kommen.

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