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Ein Elektroauto wird an einer öffentlichen Ladestation geladen.

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    Spannung unterm Sitz: E-Auto und Sicherheit

    Technisch sind Elektrofahrzeuge eine ganz andere Welt als Verbrenner. Der Einsatz starker Batterie-Akkus und Leistungselektronik bringt auch andere Schutzregeln mit sich, die Verbraucher, Werkstätten und Unfallhelfer berücksichtigen sollten.

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    Von
    • B5 aktuell
    • Ines Schneider

    Nach stotterndem Beginn gewinnt die E-Mobilität in Deutschland an Schwung - mit einem gewaltigen Bonusprogramm hat die Bundesregierung den Stromern auf die Spur geholfen. Seitdem der staatliche Zuschuss im Sommer 2020 verdoppelt wurde, gehen die Zulassungszahlen durch die Decke. Im letzten Jahr wurden mit gut 194.000 Pkw mit reinem Elektroantrieb so viele neu zugelassen wie nie zuvor. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einer Verdreifachung der Zulassungszahl. Und für die Zukunft der Elektromobilität in Deutschland hat die Bundesregierung auch ganz konkrete Vorstellungen und Pläne formuliert. So sollen bis 2030 sieben bis zehn Millionen Elektrofahrzeuge in Deutschland zugelassen sein. Außerdem sollen bis dahin insgesamt eine Million Ladepunkte zur Verfügung stehen.

    E-Autos: Es gelten hohe Sicherheitsstandards

    Wie bei Verbrennern auch gelten bei der Fertigung und Verbauung hohe Sicherheitsstandards. "Generell müssen alle Fahrzeuge dieselben Anforderungen erfüllen, um auf die Straße zu kommen", heißt es beim Autoverband VDA. Der TÜV Nord erklärt, es werde "jedes Bauteil auf Herz und Nieren geprüft". Der Umgang mit den Stromern wirft aber trotzdem - gerade für Verbraucher - einige Sicherheitsfragen auf. Denn wenn doch einmal etwas passiert, gilt es sich klar zu machen: Der Wagen erfordert wegen seines grundsätzlich andersartigen Aufbaus besondere Vorsicht an Stellen, über die man sich bei einem Diesel oder Benziner wohl kaum Gedanken machen würde.

    Höhere Energien bedeuten höhere Spannungen

    Im Elektrofahrzeug werden Akkus verwendet, die deutlich mehr Strom liefern als herkömmliche Systeme. Schließlich müssen die meist mit Lithium-Ionen arbeitenden Zellen leistungsfähig genug für die Bereitstellung der gesamten Antriebskraft sein, die der E-Motor nach Umwandlung der chemischen und elektrischen Energie in Bewegungsenergie entfalten soll. Entsprechend viele Zellen mit Elektrolyt-Lösung kommen zum Einsatz. Zwischen manchen Kontakten können dabei Spannungen von etlichen hundert Volt anliegen, die dann auch hohe Stromstärken ergeben. Das ist zwar weniger als eine Hochspannung, wie E-Techniker sie offiziell definieren - aber doch ein Vielfaches der Netzspannung zu Hause.

    Schutzstandards - was ist Vorschrift?

    In puncto Fahrdynamik und Normalbetrieb bestehen keine speziellen Vorschriften für E-Autos, so der VDA. Bei Crashtests haben sich Wagen mit Lithium-Ionen-Zellen als ebenso stabil wie Verbrenner erwiesen. "Aber natürlich gibt es für die Hochvolt-Batterien im Fahrzeug selbst besonderen Schutz durch zusätzliche Anforderungen", sagt der Verband. So werden die Module, die oft in großen Paketen über den gesamten Unterboden des Autos verbaut sind, gegen Stöße abgekapselt. Nässe-Abdichtung ist ebenfalls wichtig. Denn das Alkalimetall Lithium ist in reiner Form eines der reaktivsten chemischen Elemente. Zusammen mit Wasser kann ein heftiger Prozess unter Bildung brennbaren Wasserstoffs ablaufen. Es kommt in den Akkus zwar in Verbindungen und als positiv geladenes Teilchen (Kation) vor. Dennoch sollte der Kontakt mit äußerer Feuchtigkeit vermieden werden.

    Das E-Mobil im Alltag

    "Grundsätzlich gibt es eigentlich kein erhöhtes Risiko", sagt Michael Zeyen, Chef des Beratungs- und Entwicklungsdienstleisters Vancom - sofern gewährleistet sei, dass die Passagiere nicht mit der Leistungselektronik in Berührung kommen und Wartungen nur von Profis gemacht werden. "Für Arbeiten an solchen Fahrzeugen in Werkstätten laufen intensive Schulungen." Die Brandgefahr an sich ist auch aus Sicht der Versicherer gering. Um das System zu versiegeln, werden Schutzschaltungen in Akkusteuerung und Kabel eingefügt, so dass Laden auch bei Regen oder Schnee möglich ist. "Der Umgang mit E-Autos ist eigentlich einfacher und sicherer als bei Verbrennerfahrzeugen, wo man ja schon beim Tanken mit explosiven Flüssigkeiten zu tun hat", meint Roger Eggers vom TÜV Nord. "Wenn Sie dagegen Ihr E-Auto 'auftanken', wird der Stromfluss immer erst dann hergestellt, sobald das System einen eindeutig abgesicherten Zustand zwischen Auto und Ladesäule feststellt."

    Wenn es mal kracht

    Komplizierter und riskanter kann es bei Unfällen werden. Im Fall größerer Verformungen oder Brüche der Trennschichten zwischen den Zellpolen können sich Kurzschlüsse ergeben, Stoffe in der Zelle weiter reagieren, diese überhitzen und in Brand setzen. Bei solchen Erschütterungen soll die automatische Notabschaltung greifen. "Diese funktioniert ähnlich wie bei der Auslösung des Airbag-Systems und ist teilweise auch damit gekoppelt", so ein VDA-Experte. Sollten alle Stricke reißen, lässt sich der Strom manuell abregeln. Dafür hat jedes Fahrzeug noch einmal eine gesonderte Trennstelle.

    Wichtig ist, dass sich Laien auch bei vermeintlich kleineren Pannen nicht selbst am Wagen zu schaffen machen. Zudem kann nach Schäden an einem Akku ein Brand gegebenenfalls erst verzögert ausbrechen. Oder es können schon gelöscht geglaubte Feuer erneut auflodern - geschehen etwa bei Tesla-Modellen in den USA oder manchen Smartphones. Tritt ein massiver Unfall ein, müsse man das Fahrzeug komplett isolieren, rät Eggers Feuerwehren. "Dann besteht das adäquate Mittel darin, das ganze Auto in einen Container zu setzen und mit Sand zu bedecken."

    Fortbildung für Helfer und Datenabfrage

    Ein "Arbeitskreis Retten" wurde eingerichtet, über den Feuerwehren, Bundesverkehrsministerium und Verbände Erfahrungen zum Vorgehen bei Unfällen austauschen. Ziel: eine bessere, flächendeckende Information über die Besonderheiten etwa bei der Brandbekämpfung an E-Autos. Über das Kennzeichen ist eine eindeutige Identifizierung der Antriebsart bereits möglich.

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