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Sommer-Bilanz 2018
© dpa-Bildfunk / Daniel Karmann

Autoren

Anja Bühling
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Sommer-Bilanz 2018

Wird der Sommer 2018 der heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen oder wird er es nicht? Nein, er wird es nicht. Rekordhalter bleibt der Sommer 2003 mit 19,7 Grad Celsius (°C). Dahinter reiht sich nun der diesjährige Sommer mit 19,3 °C ein. Das meldet der Deutsche Wetterdienst DWD nach Auswertung von circa 2.000 Messstationen in seiner heutigen vorläufigen Bilanz für den meteorologischen Sommer 2018.

Anhaltende Hitze

Gegenüber der Vergleichsperiode 1981 bis 2010 ging die Temperatur durchschnittlich um 2,2 Grad nach oben. Auch im Sommer setzte sich der Trend des Frühjahrs fort: Die Temperaturen blieben im Mittel von Juni bis August immer weit über dem Durchschnitt und es gab insgesamt viel zu wenig Niederschläge. Laut DWD herrschten im Juni und weitgehend auch im Juli noch relativ angenehme Temperaturen, die nicht über 34 °C stiegen. Ab Ende Juli und Anfang August kam dann die große, anhaltende Hitze. So konnte man zum Beispiel in Kitzingen am Main diesen Sommer insgesamt 44 heiße Tage mit über 30 °C zählen. Die bundesweit höchste Tagestemperatur wurde in Bernburg (Saale) in Sachsen -Anhalt am 31. Juli registriert: 39,5 °C.

Viel zu wenig Regen – viel zu trocken

Normalerweise sollte es durchschnittlich 239 Liter pro Quadratmeter (l/m²) regnen. Diesen Sommer regnete es durchschnittlich nur 54 Prozent dieser Menge, an manchen Orten erreichten die Niederschläge nicht einmal 50 oder 30 Prozent: Mit rund 130 l/m² war dieser Sommer nach 1911 der zweittrockenste. Am schlimmsten betroffen von der Dürre war der Nordosten Deutschlands, doch auch alle anderen Regionen hatten viel weniger Niederschläge zu beklagen als üblich. Die Folge: Ausgedörrte Böden, vertrocknende Bäume und Pflanzen, schlechte Ernteergebnisse und vielerorts Wassermangel. Zudem erhöhte Waldbrandgefahr und große Feuer, wie in Brandenburg.

Bayern: Zweitkühlste und niederschlagreichste Bundesland

Bayern war mit 18,9 °C im Mittel – wie üblich – insgesamt das zweitkühlste Bundesland. Aber: Es lag 3 °C über dem Durchschnitt der Referenzzeit und damit viel zu warm. Zudem war es mit etwa 210 l/m² (314 l/m²) das niederschlagsreichste Bundesland – aber eben dennoch über 100 l/m² unter der normalen Regenmenge. An vielen Orten fiel nicht die Hälfte der Niederschläge, an anderen nicht einmal ein Drittel. Gerade der Norden Bayerns war extrem von der Trockenheit betroffen.

Die bundesweit größte Tages-Niederschlagsmenge des Sommers wurde im Bayerischen Wald erreicht: Am 12. Juni meldete Mauth-Finsterau 166,5 l/m².

Sommer für Sonnenanbeter

Sonnenanbeter hatten in diesem Sommer reichlich Gelegenheit ihrem Hobby zu frönen, denn es gab Sonne satt: Mit rund 770 Stunden zählt dieser Sommer bundesweit zu den drei sonnenscheinreichsten seit Beginn von Messungen 1951. Am meisten zeigte sich die Sonne auf Rügen mit über 900 Stunden. Im Westen Deutschlands und in Teilen Oberbayerns waren es dagegen örtlich weniger als 650 Stunden. Mit 790 Stunden durchschnittlich lag Bayern über dem bundesweiten Mittel und weit über den "normalen" bayerischen 623 Stunden.

Weltweit häufen sich Wetterextreme

Sieht man sich das Wetter dieses Sommers weltweit an, so fallen zahlreiche extreme Wetterphänomene auf. Quriyat, an der Nordostküste von Oman gelegen, meldete am 25./26. Juni 2018 eine 24-stündige Minimum-Temperatur von 42,6 °C . Im algerischen Ouargla zeigte das Thermometer am 5. Juli 2018 eine Höchsttemperatur von 51,3 °C.

"Wir erleben diesen Sommer an vielen verschiedenen Orten der Welt zeitgleich ein gehäuftes Auftreten von Hitzewellen und extremen Starkniederschlägen. Genau eine solche Häufung von meteorologischen Extremereignissen wurde von uns als Folge des anthropogenen Klimawandels prognostiziert." Paul Becker, Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes

Auch Finnland, Norwegen und Teile Schwedens vermeldeten den wärmsten je gemessenen Juli und die Wassertemperatur der Ostsee erreichte bei Lettland 26 °C. Überschwemmungen trafen Länder in Europa wie Österreich und Südfrankreich. Am schlimmsten traf es Indien. Dort hat die Regierung die Überschwemmungen, die über eine Million Menschen obdachlos gemacht haben, zur nationalen Katastrophe erklärt.