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Corona: Sollten Eltern früher geimpft werden?

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Sollten Eltern früher gegen Corona geimpft werden?

Unter dem Hashtag #Elternimpfen wird auf Twitter gerade diskutiert, ob Eltern früher geimpft werden sollten. Aus epidemiologischer Sicht, sagen manche, wäre das sogar im Sinne der Pandemiebekämpfung förderlich.

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Von
  • Katharina Pfadenhauer
  • BR24 Redaktion

"Die Elterngeneration ist die, die die Wirtschaft am Laufen hält", schreibt eine Userin. Ein anderer schreibt: "Mehr Sicherheit gibt es nur durch #Elternimpfen". Und auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach meldete sich zu Wort: "Wenn Ältere geimpft sind, gehen Eltern durch große B117 Ausbrüche mit ihren Kindern voll ins Risiko."

Die Corona-Patienten auf den Intensivstationen sind Lauterbach zufolge im Durchschnitt 47 bis 48 Jahre alt, darunter zahlreiche Väter und Mütter. Auf Twitter warnte Lauterbach: "Viele Kinder verlieren ihre Eltern."

SPD: Lieber Schulen und Kinder schützen

Komme es zu massiven Ausbrüchen an Schulen, seien auch die Eltern massiv gefährdet, so Lauterbachs Argumentation. Das sieht auch Die SPD-Landtagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende im Gesundheitsausschuss, Ruth Waldmann. Trotzdem möchte Waldmann an der Impfreihenfolge festhalten und sieht Handlungsbedarf an anderer Stelle: Es müsse eben alles darangesetzt werden, dass es nicht zu massiven Ausbrüchen an den Schulen komme, so Waldmann.

Grüne: Stiko-Reihenfolge ist richtig

Eltern priorisiert zu impfen, findet auch die Grünen-Landtagsabgeordnete Christina Haubrich berechtigt. Sie ist ebenfalls Mitglied im Gesundheitsausschuss. Wenn man Eltern früher impfen würde, so Haubrich, würde sich immerhin eine Art Kokon bilden, so Haubrich.

Gleichzeitig plädiert Haubrich dafür, an der Reihenfolge der Ständigen Impfkommission (Stiko) festzuhalten. Denn solange der Impfstoff knapp ist und noch viele Ältere oder Menschen mit Vorerkrankung oder Behinderung ungeimpft sind, sei es richtig, die zuerst zu impfen.

Priorisierung innerhalb der einzelnen Stufen

Zuletzt hatte auch die Soziologin Michaela Mahler mit ihrem Artikel "Eltern sind der letzte Rest" die Diskussion befeuert. Zwar wolle sie nicht erreichen, dass pauschal alle Eltern zuerst geimpft werden. Ihr zufolge sollten Eltern aber innerhalb der einzelnen Priorisierungsgruppen früher geimpft werden.

So könne man etwa die Supermarktangestellte mit Kindern vor der Supermarkangestellten ohne Kinder impfen, meint Mahler. Sie stellt also nicht die Priorisierungspläne als solches in Frage, sondern die Priorisierung innerhalb der einzelnen Stufen: "Ich will nicht, dass Eltern sich vordrängeln vor Risikogruppen, aber sie sollten innerhalb ihrer Priorisierungsgruppe mehr wahrgenommen werden."

Eltern sind "epidemiologisches Drehkreuz"

Auch epidemiologisch würde Mahler zufolge einiges dafür sprechen, Eltern innerhalb der einzelnen Gruppen priorisiert zu impfen. Denn in der Pandemie würden Eltern wie eine Art Drehkreuz fungieren: Eltern tragen die Infektionen aus der Arbeitswelt in die Familien rein, stecken die Kinder an, die Kinder tragen die Infektionen wiederum in die Schulen und Kitas und umgekehrt, erklärt Mahler.

Keine Wertschätzung von "Care-Arbeit"

Die Soziologin kritisiert einerseits die Einteilung der Systemrelevanz und andererseits, dass "Care-Arbeit", also die Erziehung von Kindern, in unserer Gesellschaft einen zu geringen Stellenwert habe. Die Pandemie sei hierfür zum idealen Spiegelbild geworden.

Während so mancher Beruf in der Vergangenheit als systemrelevant definiert wurde, würde es Eltern abgesprochen, besonders relevante Funktionen für die Gesellschaft auszuüben. Dabei würden Eltern genau das tun, findet Mahler.

Schließlich trügen sie Verantwortung für ihre Kinder, müssten immer da sein, seien nicht ersetzbar, könnten nicht mal eine Woche ins Krankenhaus und müssten eben ihre Kinder in der Pandemie beschulen und betreuen, ohne dass ihnen dafür irgendein Status der Systemrelevanz verliehen werde, findet die Soziologin.

Einzelne Personengruppen vorziehen

Auch das Bayerische Gesundheitsministerium hat mehrfach betont, der Priorisierungsempfehlung der Ständigen Impfkommission folgen zu wollen.

Die Soziologin Michaela Mahler hat für dieses Argument Verständnis, von einer Forderung will sie aber nicht abweichen: Zumindest Alleinerziehende und Eltern mit behinderten Kindern sollten schneller geimpft werden.

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