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So viele Treibhausgase verursacht die Landwirtschaft  | BR24

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Rinder und Kühe in einem Stall in Niedersachsen

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So viele Treibhausgase verursacht die Landwirtschaft 

Wie lassen sich die Treibhausgas-Emissionen in kurzer Zeit verringern? Über die Umsetzung des Pariser Abkommens berät ab heute wieder die Weltklimakonferenz in Madrid. Ein beachtlicher Teil der Treibhausgase kommt aus der Landwirtschaft.

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Für 23 Prozent der weltweiten Treibhausgase sind Land- und Forstwirtschaft sowie andere Landnutzung verantwortlich. Das hat ein Bericht des Weltklimarats für die Jahre 2011 bis 2017 ergeben, der im August veröffentlicht wurde. Inbegriffen ist hier auch die Rodung von Regenwäldern für Rinderweiden und Sojafelder.

Methan ist wesentlicher schädlicher als CO2

In Deutschland verursachen Landwirtschaft und die landwirtschaftliche Nutzung von Mooren elf Prozent der Treibhausgase. Allerdings sind darin nicht eingerechnet: Benzin für Schlepper, der Energieaufwand, die Rohstoffe für die Herstellung von mineralischem Dünger und zum Beispiel auch die Treibhausgase aus importiertem Soja, das hier an Nutztiere verfüttert wird

Grund für den Ausstoß ist bei der Landwirtschaft in Deutschland allerdings nicht immer CO2. Rinder haben zum Beispiel eine schlechte Klimabilanz. Sie sind Wiederkäuer und in ihren Mägen bildet sich Methan, wenn Futter zersetzt wird. Die Kühe und Bullen rülpsen und stoßen dabei das Methan aus. Das Gas ist 25-mal klimaschädlicher als CO2.

Lachgas belastet das Klima

95 Prozent der Emissionen des Gases Ammoniak kommen in Deutschland aus der Landwirtschaft. Es entsteht zum Beispiel dann, wenn Gülle auf die Felder ausgebracht wird und mit Luft in Berührung kommt. Dadurch können Luft-, Wasser- und Ökosysteme überdüngt, verschmutzt und geschädigt werden. Auch Stickstoff kann ein Problem sein. Teilweise würden zu viel Gülle und mineralischer Dünger auf die Äcker verteilt, sagt Axel Don vom Institut für Agrarklimaschutz am Thünen-Institut. Den darin enthaltenen Stickstoff können die Pflanzen dann nicht komplett aufnehmen. "Dieser Stickstoff, der zu viel da ist, verursacht besonders viele Lachgasemissionen, die sehr klimabelastend sind", erklärt Axel Don. Lachgas ist 300-mal klimaschädlicher als CO2. 

Doch die Landwirtschaft lasse sich nicht eins zu eins mit anderen Bereichen wie dem Verkehr vergleichen. Treibhausgas-Emissionen in der Landwirtschaft seien viel komplizierter, so Axel Don: "Das sind alles biologische Prozesse, die diese Treibhausgase verursachen. Im Boden und im Magen der Kühe entstehen diese Treibhausgase und sie sind nie komplett vermeidbar."

Zurück zum Prinzip Sonntagsbraten 

Gerade bei der Tierhaltung gehe eine Reduktion der Treibhausgas-Emissionen im großen Stil fast nur über den Konsum, sagt Axel Don. Ähnliches hört man von Alexander Popp vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, der mit am aktuellen Bericht des Weltklimarats geschrieben hat. Er sagt: Wir müssen zwar nicht komplett auf Fleisch verzichten, aber weniger davon essen. "Zurück zum Prinzip Sonntagsbraten", fordert Popp. 

Vegane Fleischalternativen boomen 

Immer mehr Hersteller, große Handelsketten und Discounter versuchen mit veganen Alternativen zu punkten. Der Markt boomt. Mit einem Marktanteil von 0,5 Prozent zwar noch auf niedrigem Niveau, so die Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie - sie geht aber von im Schnitt 20 Prozent Wachstum aus.  

Die Verbraucherzentrale Bayern sagt, veganer Fleischersatz könne unter Umständen eine gute Alternative sein. Für das Tierwohl ist komplett veganer Fleischersatz ohnehin von Natur aus besser. Einige Fleischalternativen enthalten aber derzeit noch Eier; sie sind dann als vegetarisch gekennzeichnet.  

Soja aus Bayern für veganen Fleischersatz 

Bei den Treibhausgasen muss man differenzierter hinschauen. "Prinzipiell ist es so, dass zum Beispiel Rindfleisch eine sehr hohe CO2-Bilanz hat, die veganen Fleischersatzprodukte haben da deutlich bessere Bilanzen", sagt Verbraucherschützerin Daniela Krehl. Trotzdem seien die Zutaten oft weit gereist und die Produkte aufwendig verarbeitet - mit einem dementsprechend hohen Energieaufwand, "sodass manchmal die Bilanz nicht ganz so gut ist, wie man vermuten würde", so Krehl. 

Auf der anderen Seite gibt es aber auch Produkte, die auf heimische Rohstoffe setzen, zum Beispiel auf Soja, das mittlerweile auch in Bayern angebaut wird. Außerdem gibt es Produkte aus der bisher wenig bekannten Lupine. Die Hülsenfrucht ist eine heimische Alternative zum Soja, sehr eiweißreich und ein guter Dünger für den Boden und die nachfolgenden Kulturen. 

Wie gesund veganer Fleischersatz ist, hängt stark vom Produkt ab 

"Gerade vegane Fleischersatzprodukte spielen mit einem grünen Anstrich, dass sie gesünder und nachhaltiger sind", sagt Verbraucherschützerin Daniela Krehl, "da muss man als Verbraucher die Augen offenhalten." Im Sommer hat der Beyond-Meat-Burger einen Hype ausgelöst, weil er in Geschmack und Bissfestigkeit von Fleisch kaum zu unterscheiden ist. Doch je mehr die Ersatzprodukte Fleisch imitieren würden, je mehr sie so schmecken und riechen wie Fleisch, desto mehr müsse die Lebensmitteltechnologie auf Chemie zurückgreifen, sagt Daniela Krehl. Ohne Aromen und andere Zusatzstoffe kämen diese Produkte nicht aus. 

Auf der anderen Seite gebe es Fleischalternativen, die wenige oder keine Zusätze hätten. Der klassische Gemüsebratling zum Beispiel, aber auch viele Bioprodukte, so Daniela Krehl. Diese Produkte könnten eine gute Alternative sein, wenn man mal oder auch ganz auf Fleisch verzichten wolle.