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So können Sie Schmetterlingen in Ihrem Garten helfen | BR24

© picture alliance / blickwinkel/ Fotograf: R. Wilken

Rund die Hälfte aller in Deutschland vorkommenden Tagfalter, wie der Admiral, hier Nektar einer Blüte saugend, ist gefährdet.

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So können Sie Schmetterlingen in Ihrem Garten helfen

In den vergangenen drei Jahrzehnten haben Pestizide und intensivierte Landwirtschaft weltweit zu einem massiven Insektensterben geführt. Auch viele der in Deutschland lebenden Schmetterlingsarten sind bedroht. So helfen Sie den Tieren, zu überleben.

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Eine Datenerhebung zum weltweiten Insektensterben hatte schon Ende 2017 ergeben: In den vergangenen dreißig Jahren sind 75 Prozent aller Fluginsekten in Schutzgebieten verschwunden. Was die Forscher vom Entomologischen Verein Krefeld in der "Krefelder Studie" damals veröffentlicht haben, betrifft auch Schmetterlinge. Von den 189 in Deutschland vorkommenden Tagfalterarten stehen 99 Arten auf der Roten Liste. Davon sind zwölf Arten vom Aussterben bedroht und fünf Arten bereits ausgestorben. Das Senckenberg Deutsche Entomologische Institut schlug im März 2019 in einer Studie Alarm: Senckenberg-Wissenschaftler konnten zeigen, dass es auf Wiesen mit angrenzender intensiver Landwirtschaft nicht einmal die Hälfte der Tagfalterarten gibt wie auf Flächen in Naturschutzgebieten.

"Wenn wir jetzt nicht bald das Ruder rumreißen, ist es irgendwann zu spät. Sofortiges Handeln ist angesagt." Thomas Schmitt, Direktor des Senckenberg Deutschen Entomologischen Instituts

Gesucht: Lebensraum für Schmetterlinge

Zunehmende Monokulturen in der Landwirtschaft und der Einsatz von Pestiziden gelten als Hauptursachen für den weltweiten Artenschwund. Doch dem muss man nicht tatenlos zusehen. Wer den Schmetterlingen helfen will, zu überleben, kann auch im eigenen Garten oder auf dem Balkon eine Menge tun.

So wird Ihr Garten oder Balkon zum Paradies für Schmetterlinge

Ziersträucher sind zwar schön anzusehen und bei den meisten Schmetterlingen auch beliebt. Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs und Admiral naschen zum Beispiel gerne den süßen Nektar des Schmetterlingsflieders.

© picture alliance / Fotograf: Hinrich Bäsemann

Admiral auf einem Schmetterlingsflieder.

Etwa 50 Schmetterlingsarten lieben Brennnesseln

Doch für die Jungtiere muss es gar nicht der beliebte Zierstrauch mit seinen violetten oder weißen Blüten sein. Sie brauchen deftigere Kost. Die Raupe des Tagpfauenauges lässt sich die Brennnessel schmecken - so wie es insgesamt etwa 50 Schmetterlingsarten in ihrem Larvenstadium tun.

© picture alliance / blickwinkel/ Fotograf: A. Hartl

Raupe eines Tagpfauenauges auf einem Brennnesselblatt

Und nicht nur als Raupe schmeckt ihnen die Brennnesssel.

© picture-alliance/ dpa/ Fotograf: Julian Stratenschulte

Frischgeschlüpftes Tagpfauenauge auf einer Brennnessel.

Auch das frischgeschlüpfte Tagpfauenauge freut sich noch über eine Brennnessel. Generell sollte es beides im Garten oder auf dem Balkon geben: Nektarpflanzen für die Falter und Futterpflanzen für die Raupen.

Schmetterlinge mögen auch Fenchel, Dill und Möhre

Auch Küchenkräuter mögen Schmetterlinge gerne. So legen Schwalbenschwänze ihre Eier bevorzugt an sogenannten Doldenblütlern, also an der Wilden Möhre, an Fenchel, Kümmel, Dill oder Möhre ab.

© picture alliance / WILDLIFE/ Fotograf: Harms

Schwalbenschwanz auf Möhre

Falter lieben blaue, rote und violette Blüten

Rainer Ulrich, Schmetterlingsexperte beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu), rät dazu, seinen Garten oder Balkon mit unterschiedlichen Pflanzen zu bestücken. Dazu eignen sich: Thymian, Oregano, Rotklee und besonders der Natternkopf, wegen seiner blauen Blüten auch "Blauer Heinrich" genannt. Denn Falter lieben blaue, rote und violette Blüten.

© picture alliance / Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB

Kohlweißling auf Natternkopf, auch "Blauer Heinrich" genannt.

Glattblatt- und Rauhblatt-Astern, Blaunessel, Wiesenflockenblume, Lavendel, Wiesensalbei, Karthäusernelke, Tauben-Skabiose, Blutweiderich und Gewöhnlicher Wasserdost sind für Schmetterlinge daher ebenso ideal.

© picture-alliance/ dpa/dpaweb/ Fotograf: Wolfgang Weihs

Schmetterling der Art "Kleiner Fuchs" auf einer blauen Lavendelblüte.

Auch auf gelben Blüten fühlen sich Schmetterlinge wohl

Aber auch gelb steht bei manchen Schmetterlingsarten hoch im Kurs. So fliegen Falter wie Kaisermantel, Tagpfauenauge, Distelfalter und Kleiner Fuchs gerne auf den gelb blühenden Echten Alant. Die Raupen des Kohlweißlings fühlen sich nicht nur auf Kohl wohl, sondern auch auf der Kapuzinerkresse. Bläulingsraupen verspeisen Luzerne und die Larven des Aurorafalters machen es sich gerne mal auf Wiesenschaumkraut oder auf der Knoblauchrauke gemütlich. An deren Blüten naschen auch Schmetterlinge wie Landkärtchen, Waldbrettspiel und Grüner Zipfelfalter.

© picture alliance / blickwinkel/Fotograf: F. Hecker

Aurorafalter auf Wiesenschaumkraut sitzend.

Gelber Hornklee hat wichtige Funktion für manche Schmetterlingsarten

Ganz wichtig für das Überleben der Schmetterlinge ist der gelbe Hornklee. Mehrere Schmetterlingsarten legen dort ihre Eier ab. Eselsdisteln, die oft am Wegesrand wachsen, gelten für Schmetterlinge als Delikatesse. Distelfalterraupen fressen davon das Laub, andere Falter und auch Hummeln machen sich an den Blüten zu schaffen.

© picture alliance / blickwinkel/McPHOTO

Zwei Schmetterlinge der Art Sechsfleck-Widderchen, auch "Blutströpfchen" genannt, auf gelbem Hornklee sitzend.

Damit Schmetterlinge überleben - Tipps für die Gartengestaltung

Um Schmetterlingen eine bessere Überlebenschance zu geben, rät die Biologin Elke Schwarzer Gartenbesitzern zu folgenden Maßnahmen:

  • Wärmeinseln wie Trockenmauern einrichten,
  • weder zu düngen noch zu spritzen,
  • eine Hecke aus heimischen Sträuchern als Windschutz pflanzen,
  • einen Reisighaufen zum Verstecken anlegen,
  • das Laub im Herbst zum Überwintern auf den Beeten liegen lassen,
  • eine Blumenwiese stehen lassen anstatt einen sterilen Rasen anzulegen.
© picture alliance / Bildagentur-online/Fotograf: Fischer

Himmelblauer Bläuling

Aber das Allerwichtigste ist natürlich - egal ob auf dem Balkon oder im Garten: Die nimmersatten Raupen auch in Ruhe fressen zu lassen.

© BR

Gut zu wissen-Autorin Katharina Heudorfer will etwas gegen das Insektensterben tun und ihren Garten insektenfreundlich anlegen. Worauf muss sie dabei achten? Sie holt sich Rat bei Konrad Bucher vom Ökologischen Bildungszentrum München (ÖBZ).