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Skorpione: Bedrohung und Schutz seit 450 Millionen Jahren | BR24

© picture alliance / imageBROKER/ Fotograf: Stephan Rech

Oft zu Unrecht gefürchtet: Der Skorpion, eines der ältesten Landtiere auf der Erde.

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Skorpione: Bedrohung und Schutz seit 450 Millionen Jahren

Ihr Gift ist gefürchtet, für den Menschen aber selten gefährlich. Ganz im Gegenteil: Ihm wird sogar eine heilende Wirkung zugesprochen. Bis nach Österreich hat es das Wüstentier verschlagen, in Deutschland existiert es nicht - aus gutem Grund.

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Sie gehören zu den ältesten Landtieren und haben sich seit ihrem ersten Erscheinen auf der Erde kaum verändert. In den Tropen und Subtropen fühlen sich Skorpione am wohlsten, doch auch in Österreich tauchen die wegen ihres Gifts oft gefürchteten Tiere auf. In Deutschland haben wir die Krabbler, die zu den sogenannten Spinnentieren gehören, hingegen nicht zu befürchten. Ihre beschränkte Mobilität ist wohl eine Ursache dafür.

Skorpione: Nachtaktiv und bei UV-Licht leuchtend

Skorpione sind nachtaktive Tiere. Tagsüber verstecken sie sich in Spalten und Ritzen - oder auch mal in einem Schlafsack oder einem Schuh, was sie für Menschen lästig und zum Teil auch gefährlich macht. Eine gute Chance, die Tiere mit ihren acht Beinen zu entdecken, hat, wer nachts mit UV-Licht durch die Gegend streift. Denn Skorpione sind Tiere, die im Dunkeln bei UV-Licht leuchten.

© picture alliance /Boris Roessler/dpa

Leuchtet unter UV-Licht: Skorpion (Pandinus Imperator), hier bei einer Sonderausstellung des Senckenberg-Museums in Frankfurt am Main.

(Fress-)Verhalten der Skorpione

Skorpione sind Einzelgänger, fressen sich im Extremfall sogar gegenseitig auf. Nachts, auf ihrem Beutezug, vertilgen sie alles, was ihnen in der passenden Größe begegnet, also Insekten, Spinnentiere und andere wirbellose Tiere. Finden sie nichts, hungern sie einfach.

Besonderheiten des Skorpions: "Hör-Haare" und Giftstachel

Skorpione sehen, wie alle Spinnentiere, extrem schlecht, behelfen sich aber mit sogenannten "Hör-Haaren". Dies sind lange Borsten auf dem gesamten Körper, mit denen sie Vibrationen am Boden und Schallwellen in der Luft wahrnehmen. So können die Tiere feststellen, was sich um sie herum bewegt – und sich entweder für Flucht oder für Angriff entscheiden. Diese erfolgen dann blitzschnell, wobei bei einem Angriff der gefürchtete Giftstachel zum Einsatz kommt. Die Waffe des Skorpions sitzt am Ende eines großen, mehrgliedrigen und sehr beweglichen Schwanzes, den die Tiere im Ernstfall steil aufrichten und nach vorne beugen können, um dann den Feind oder das Beutetier zu stechen und das Gift zu injizieren.

© picture alliance /blickwinkel/G. Kunz

Mitunter eine gefährliche Waffe: Schwanz mit Giftstachel eines Skorpions

© picture alliance/WILDLIFE/F.Teigler

Einer der wenigen Skorpione, die gefährlich werden können: der giftige Dickschwanzskorpion (Androctonus australis).

© picture alliance / blickwinkel/G. Kunz

Skorpion, der in Österreich auftaucht: der sogenannte Alpenskorpion (Euscorpius germanus).

© picture alliance / blickwinkel/B. Trapp

Brutales Naturschauspiel: Skorpion (Euscorpius italicus) frisst kleineren Skorpion.

© picture alliance / Arco Images GmbH/Usher, D.

Gelber Skorpion mit erbeuteter Spinne

© picture-alliance /dpa/Bert Reisfeld

Besonderer Paarungstanz: Das Männchen packt das Weibchen mit den großen Scheren - das Skorpiongift dient dabei als Stimulator zur Fortpflanzung.

Nur ein Dutzend aller Arten ist für Menschen gefährlich

Für den Menschen ist das Gift des Skorpions relativ selten gefährlich oder gar tödlich. Von den mehr als 2.000 Skorpionarten, die es weltweit gibt, sind nur etwa ein Dutzend für den Menschen wirklich gefährlich. Dickschwanzskorpione zum Beispiel, die in Südeuropa und Nordafrika leben, sind eine echte Bedrohung. Das Gift des großen, hellen "Androctonus australis", der dazu als sehr aggressiv gilt, ist so stark wie das einer Schwarzen Mamba. In Tunesien oder in der Türkei werden jährlich zigtausend Skorpionstiche gemeldet, von denen einige tödlich enden – auch, weil sie sich in abgelegenen Regionen ohne ausreichende medizinische Versorgung ereignen.

Skorpione setzen ihr Gift nur in Ausnahmefällen ein

Selbst wenn das Gift des Skorpions für den Mensch gefährlich ist, besteht in der Regel kein Grund zur Sorge. Denn Skorpione setzen ihr Gift nur in wirklichen Ausnahmesituationen ein. "Man muss sie wirklich sehr, sehr lange ärgern und quetschen, bis sie bereit sind, zu stechen", sagt Christian Komposch, Biologe und Spinnentierexperte bei "Ökoteam"- Institut für Tierökologie und Naturraumplanung in Graz. Das liege vor allem daran, dass das Gift für die Tiere sehr aufwändig zu produzieren sei, erklärt Komposch.

Keine Skorpione in Süddeutschland

Skorpione kommen, außer in den Polargebieten, fast überall zurecht, auch in Regenwäldern, Stadtgebieten oder an Bachufern. Die größte Artenvielfalt gibt es in den Tropen und Subtropen und hier vor allem in Stein- und Sandwüsten. Ihr nördlichstes Verbreitungsgebiet in Europa ist Österreich: Hier leben die drei harmlosen, wenige Zentimeter großen, dunkel gefärbten Arten: "Euscorpius germanus“, "Euscorpius carpathicus“ und der "Euscorpius talicus". Warum Skorpione in Österreich leben, aber nicht im nahe gelegenen Süddeutschland, begründet Biologe Komposch so:

"Wir haben sonst viele, viele schöne Spinnentiere in Süddeutschland, aber keine Skorpione mehr. Das liegt daran, dass die Tiere nur eine beschränkte Mobilität haben. Wir müssen daran denken, dass während der letzten Eiszeiten weite Teile von Nord- und Mitteleuropa völlig vereist waren. Die Tiere hier sind damals ausgestorben oder in den Süden zurückgedrängt worden. Nach der Eiszeit haben die Tiere sich quasi auf den Fußmarsch gemacht und wieder langsam Meter für Meter dieses Gebiet zurückerobert. Da waren eben die letzten 12.000 Jahre zu kurz, um Süddeutschland zu erreichen." Christian Komposch, Spinnentierexperte aus Graz

Skorpione - nach Österreich eingeschleppt als Medizin?

Weil Skorpione extrem schlecht zu Fuß sind, ist es sogar wahrscheinlich, dass sie vor Jahrhunderten von den Menschen nach Österreich eingeschleppt wurden. Und zwar zu einem Zweck:

"Im Mittelalter hat man das Skorpiongift in der Volksmedizin benutzt. Diesem Skorpiongift wurde eine starke, große Heilwirkung zugeschrieben und so gab es keine Apotheke, die das Gift nicht irgendwo in ihrem Repertoire hatte." Christian Komposch, Spinnentierexperte aus Graz

Wie viele Skorpione in Österreich leben und wo, das weiß niemand. Sie sind eben sehr unauffällig, verstecken sich, kommen nur nachts heraus. So hat der Biologe Martin Scheuch 2016 in seiner Heimatstadt Krems, nur 70 Kilometer von Wien entfernt, Skorpione entdeckt. Dieser "Kremser Skorpion" gilt als das nördlichste Vorkommen überhaupt. Sein Lebensraum ist denkbar klein: Ein rund 200 Meter langer, felsiger Abhang mitten in der Stadt, neben einer viel befahrenen Straße.

Früher sollte das Gift der Skorpione gegen die Pest helfen oder gegen Syphilis. Bis heute findet es als Gegengift in vielen alternativen medizinischen Behandlungsmethoden Anwendung. So zum Beispiel in der Traditionellen Chinesischen Medizin, in der Volksheilkunde und in der Homöopathie.

Skorpion - Symbol für weibliche Fürsorge

In vielen Kulturen galt das Skorpion als Sinnbild weiblicher Fürsorge und Stärke. Das lässt sich mit dem ungewöhnlichen Brutverhalten der Tiere erklären: Die zehn bis 40 Jungtiere werden lebend geboren. Danach steigen die winzig kleinen weißen Tierchen auf den Rücken des Muttertiers und lassen sich von ihm zwei, drei Wochen lang herumtragen. Erst danach gehen die Jungtiere ihre eigenen Wege.

© picture-alliance/ dpa/ DB Barbara Minnemann

Symbol für weibliche Fürsorge: Skorpion-Mutter, hier ein Kaiserskorpion, mit seinem schneeweißem Nachwuchs auf dem Rücken.

Skorpione: Auch für die moderne Wissenschaft interessant

Auch heute noch hat der Skorpion Symbolkraft. Er steht für Artenvielfalt, ist eine zoologische Rarität und weil er vielleicht in naher Zukunft bei der Entwicklung neuer Medikamente zur Behandlung von Krankheiten hilft, interessiert sich die moderne Wissenschaft für ihn.