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Sind die Hundstage wirklich die heißesten Tage des Jahres? | BR24

© Bild: picture alliance/APA/picturedesk.com

Heiße Hundstage: Aber warum heißen sie so und stimmt die Regel, dass es die heißesten Tage des Jahres sind?

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Sind die Hundstage wirklich die heißesten Tage des Jahres?

Die Hundstage vom 23. Juli bis zum 23. August sind die heißesten Tages des Jahres - so die landläufige Meinung. Aber stimmt das auch? Was sagen die Wetterdaten? Und warum bitte Hundstage? Vielleicht, weil es Hunden bei der Hitze so hundeelend geht?

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Hitzeperioden im Sommer bezeichnet man umgangssprachlich als Hundstage. So ganz stimmt das aber nicht, denn die Hundstage haben einen fixen Termin - nämlich jährlich vom 23. Juli bis zum 23. August. Die Hundstage sind damit also kein meteorologisches, sondern vielmehr ein astronomisches Phänomen. Denn die Namensgebung dieser Periode leitet sich von dem Doppelstern Sirius (A und B) und dem Sternbild "Großer Hund" ab. Zu Beginn des Römischen Reichs ging der Stern Sirius in dem Zeitraum der Hundstage gemeinsam mit der Sonne auf und wieder unter. Der Hauptstern befand sich währenddessen im Sternbild "Großer Hund".

Zeitraum der Hundstage heutzutage bedeutungslos

Weil sich die Stellung der Sterne zur Erde im Laufe der Zeit immer mehr verschoben hat, ist die Bezeichnung der Hundstage aus astronomischer Sicht nicht mehr ganz korrekt. Deshalb hat die antike astronomische Bedeutung der Hundstage im heutigen Mitteleuropa keine Gültigkeit mehr.

Bauernregeln zu den Hundstagen

Geblieben sind die überlieferten Bauernregeln wie: "Sind die Hundstage voll Sonnenschein, wird das Jahr recht fruchtbar sein" oder "Hundstage heiß, bringen dem Bauern viel Schweiß". Diese Regeln sagen zwar nicht aus, dass es an diesen Tagen tatsächlich zwingend heiß sein muss, trotzdem sind für viel Menschen die Hundstage die heißesten und schwülsten Tage des Jahres. Aber stimmt das auch? Zumindest heuer ist der Einstieg in die Hundstage laut Wetterbericht kühler und teilweise regnerisch.

Was sagen die Klimadaten des Deutschen Wetterdienstes?

Die Klimadaten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) für 55 bayerische Wetterstationen zeigen: Ein Körnchen Wahrheit steckt noch drin. Die Hundstage umfassen 32 der 92 Tage des meteorologischen Sommers, der von Juni bis August geht. In den letzten 30 Jahren entfielen in Bayern im Durchschnitt 6,7 der 15 heißesten Tage eines jeden Jahres auf die Hundstage. Das bedeutet: Auf die etwa 30 Prozent des meteorologischen Sommers entfielen knapp 45 Prozent der heißesten Tage.

Hundestage: Die heißesten Tage des Jahres?

Betrachtet man die Verteilung in diesen Jahren genauer, gibt es vereinzelte Beispiele, in denen die heißesten Tage fast ausschließlich auf die Hundstage entfallen, etwa im Dürrejahr 2018. Häufiger ist eine Aufteilung auf die Hundstage und die angrenzenden Tage im Juli und September. Nimmt man die Bauernregeln nicht aufs Datum genau, stimmt die Voraussage immer noch recht gut. Allerdings gibt es auch etliche Jahre, in denen fast alle der 15 heißesten Tage außerhalb der Hundstage liegen:

© BR | Claudia Kohler

Die heißesten Tage in Bayern 1990

© BR | Claudia Kohler

Die heißesten Tage in Bayern 1996

© BR | Claudia Kohler

Die heißesten Tage in Bayern 2000

© BR | Claudia Kohler

Die heißesten Tage in Bayern 2003

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Die heißesten Tage in Bayern 2010

© BR | Claudia Kohler

Die heißesten Tage in Bayern 2018

Hundstage: keine verlässliche Regel

Unterm Strich sprechen die Daten nicht für eine verlässliche Regel, sondern eher für eine leichte Tendenz. Man kann sagen, dass Menschen und Tiere in den vergangenen 30 Jahren während der Hundstage etwas öfter mit Hitze zu kämpfen hatten, als an den restlichen Sommertagen.

Was die Daten jedoch deutlich zeigen: Die Temperaturen werden extremer. In der klimatologischen Referenzperiode (1961-1990) war die höchste Temperatur, die pro Jahr während der Hundstage in Bayern gemessen wurde, im Schnitt 33,6 Grad. In den nachfolgenden 29 Jahren erhöhte sich dieser Wert um 1,3 Grad auf 34,9. Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung:

© BR | Claudia Kohler

Die höchstgemesse Temperatur vom 23. Juli bis zum 23. August

Besonders stark spürt man die Veränderung in Unterfranken und der Oberpfalz. Hier gibt es an vielen Wetterstationen während der Hundstage im Schnitt mehr als sieben Hitzetage - Tage mit einer Höchsttemperatur von mehr als 30 Grad.

Über die Daten

Alle untersuchten Daten werden vom Deutschen Wetterdienst (DWD) zur Verfügung gestellt. Basis für die historische Einordnung ist die von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) festgelegte und noch bis 2021 gültige Klimatologische Referenzperiode 1961-1990.

Die Berechnung der durchschnittlichen Verteilung der heißesten Tage und ihre Darstellung in den Grafiken beruht auf Daten von 55 bayerischen Wetterstationen. Diese Daten sind außerdem Grundlage für die Aussagen über die regionalen Unterschiede.

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