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Silvester: Stress pur für Tiere und ihre Besitzer | BR24

© pa/dpa/Franziska Gabbert

Katzen haben panische Angst vor Raketen und Böllern

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Silvester: Stress pur für Tiere und ihre Besitzer

Während viele Menschen das Silvester-Feuerwerk am Himmeln bejubeln, ist für viele Tiere der Start ins neue Jahr absolut kein Spaß. Hunde, Katzen, Pferde - sie alle haben ein feines Gehör. Böller erschrecken sie zu Tode. Was tun?

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Charlie liegt zitternd am Boden, kann sich kaum bewegen. Der zehnjährige Hund ist starr vor Angst. Diese Panikattacke gefilmt und gepostet hat Charlies Frauchen Fiona MacFarlane. Das Video wird in den letzten Tagen viel geteilt auf Facebook, denn es zeigt eindrucksvoll, wie sehr Tiere unter Böllern leiden. Allein bei der BBC Scotland wurde der Clip bereits 15 Millionen Mal angeschaut und knapp 74.000 Mal geteilt.

Fiona berichtet, sie habe bereits ein kleines Vermögen ausgegeben, um ihrem Hund die Angst vor Feuerwerk zu nehmen. Medikamente, Kopfhörer, sogenannte Thundershirts oder Aromatherapie - nichts helfe.

Panische Angst vor Krachern

Wie Fiona geht es Millionen Tierbesitzern. Jedes Jahr an Silvester geraten ihre Fellnasen in Panik, wenn es knallt und blitzt. Sie jaulen, laufen davon, verkriechen sich und erholen sich oft Tage lang nicht mehr von dem Schock. Es kann auch zu Gehörschäden kommen, und nicht selten landen Haustiere in den Tagen um den Jahreswechsel mit Brand- und Augenverletzungen in den tierärztlichen Notdiensten.

Der Deutsche Tierschutzbund rät deshalb, schon in den Tagen vor und auch nach Silvester besonders auf der Hut zu sein: Hunde gehören in bewohnten Gebieten an die Leine, denn verfrühte oder verspätete Kracher könnten sie so verschrecken, dass sie ausbüxen. Außerdem: Katzen mit Freigang so früh und so lange es geht, im Haus halten.

Tiere nicht alleine lassen

In der Silvesternacht selbst gehören Tiere dann grundsätzlich ins Haus und sollten nicht alleine gelassen werden. Der Münchner Tierschutzverein rät zudem, Fenster und Rollos zu schließen und für eine alltägliche Geräuschkulisse zu sorgen: "Manchen Tieren hilft es, wenn Licht brennt, Musik oder der Fernseher läuft, sodass vertraute Geräusche ablenken und der Lärm gedämpft wird", schreiben die Tierschützer in ihrem Ratgeber.

Spiele und Leckerlis als Tröster

Auch Ablenkung kann hilfreich sein. Also: Leckerlis und Spielzeug parat haben. Verkriechen sich Tiere lieber, sollte man sie nicht zu sehr bedrängen. "Übermäßiges Streicheln oder Zureden helfen dem Tier dann wenig", so der Deutsche Tierschutzbund. Generell gelte: sich als souveräner "Rudelführer" bewusst entspannt geben und so Sicherheit vermitteln.

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Weitere Information zur Verweildauer

© BR

Für Haustiere bedeutet der Silvesterkrach puren Stress. So sind zum Beispiel viele Hunde-Besitzer mit den Panikattacken ihrer Vierbeiner überfordert. Doch auch auf solche Situationen kann man sich vorbereiten.

Beruhigende Medikamente

In sehr schweren Fällen können auch Medikamente gegeben werden - allerdings nur in Absprache mit einem Tierarzt. "Bitte keine Selbstmedikation, denn einige Beruhigungsmittel entspannen lediglich die Muskeln, wirken aber kaum angstlösend", warnt der Münchner Tierschutzverein. Das sei extrem kontraproduktiv: "Stellen Sie sich vor, Sie haben panische Angst und können sich nicht bewegen."

Ab in die Pampa

Am besten wäre es natürlich, dem Silvesterlärm komplett zu entfliehen. Viele Tierbesitzer packen ihre Vierbeiner ins Auto, stellen das Radio an und fahren um Mitternacht an ruhige Orte raus aufs Land oder auf die Autobahn. Vereinzelt bieten Hotels in abgelegenen Gebieten oder an Flughäfen mit Feuerwerksverbot "Silvester mit Hund"-Pakete an.

Mit Hund und Katz ins Hotel

In Stockholm zum Beispiel werden heuer mehr als 300 Hunde und sechs Katzen im Clarion Hotel Arlanda einchecken und zusammen mit ihren Herrchen und Frauchen einen entspannten Silvesterabend verbringen. Das Airport-Hotel reserviert an Silvester seit Jahren mehrere Stockwerke für Menschen und ihre Vierbeiner.

Aus Liebe zum Tier: Kein Feuerwerksverkauf

Als wahre Tierfreunde zeigen sich auch ein Baumarkt und eine Supermarkt-Filiale in Deutschland. Der Rewe-Markt in Adenau in Rheinland-Pfalz bietet dieses Jahr "aus Rücksicht auf Tiere" keine Raketen und Böller an und spendet 1.000 Euro an ein Tierheim. Auf Facebook folgte ein Candystorm: 3.790 von 3.810 Reaktionen fielen positiv aus.

Auch der Hagebaumarkt im rheinländischen Langenfeld verzichtet aus "Liebe zu den Tieren" auf den Verkauf von Feuerwerk. Die Resonanz auf den Facebook-Post fiel ebenfalls deutlich aus: 1.600 Likes und kaum verärgerte Reaktionen.

Auch Wildtiere leiden unter Feuerwerk

PETA Deutschland ernannte die Supermarktbetreiber zu "Helden für Tiere" und wies dabei ausdrücklich darauf hin, dass nicht nur Haustiere leiden an Silvester. Auch für Wildtiere ist der Jahreswechsel gefährlich, wenn nicht sogar tödlich. "Sie fahren im Winter ihren Stoffwechsel herunter, um während der kalten Jahreszeit Energie einzusparen." Panisches Flüchten endet für Rehe deshalb oft mit dem Tod. Auch für Vögel ist Silvester ein einziger Albtraum: "Für sie wird in Städten der Himmel zum Inferno."