BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© picture alliance / Zoonar | Svetlana Radayeva
Bildrechte: picture alliance / Zoonar | Svetlana Radayeva

Mit vielen kleinen Entscheidungen in unserem Alltag können wir zum Artenschutz beitragen.

4
Per Mail sharen

    Selbstversuch: Wo ich im Alltag Tiere und Pflanzen retten kann

    In Deutschland sind laut Bund Naturschutz circa 7.000 Arten vom Aussterben bedroht. Da der Mensch weiter in ihre Lebensräume vordringt, müssen viele Tiere und Pflanzen sich anpassen. Was aber wäre, wenn der Mensch sich anpasst? Ein Selbstversuch.

    4
    Per Mail sharen
    Von
    • Viktoria Hausmann
    • Martin Jarde

    Auf meinem Balkon lebt seit ein paar Wochen ein Eichhörnchen. Es täglich auf meinen Blumenkästen zu sehen, macht mich nachdenklich. Kann ich als Stadtmensch im Einklang mit den Tier- und Pflanzenarten in meiner Umgebung leben?

    Rund 10.000 Tier- und Pflanzenarten in Großstädten

    In einer durchschnittlichen europäischen Großstadt wie München leben - grob geschätzt - 10.000 Arten. Neben Eichhörnchen und Vögeln sind das auch jede Menge Insekten. Letztere werden vom Menschen oft als etwas lästig empfunden, sind aber als Pflanzenbestäuber und Nahrung für Vögel und kleine Säugetiere sehr wichtig. Keine Insekten, das bedeutet: keine Früchte, keine neuen Blüten und keine Vögel. LBV und NABU rufen daher regelmäßig dazu auf, Insekten zu zählen.

    Lichtverschmutzung als besondere Gefahr für Insekten

    Weniger bekannt ist die sogenannte Lichtverschmutzung. Sie bringt den Biorhythmus von Menschen, Tieren und Pflanzen durcheinander und ist für Insekten oft tödlich. Sie werden sogar oft von Lichtquellen versengt. Deswegen findet man tote Insekten um Straßenlaternen und vor Lampen an Hauseingängen, sagt Andreas Hänel von Dark Sky, einer Initiative deutscher Hobby-Astronomen, die sich dafür einsetzen, dass unsere Städte wieder dunkler werden.

    Die insektenfreundlichste Beleuchtung sei die, die überhaupt nicht eingeschaltet ist, so Hänel. Wenn man trotzdem eine brauche, sollte darauf geachtet werden, dass sie nicht zu hell ist. Des Weiteren sei wichtig, erklärt Hänel, "dass es nur dorthin scheint, wo man es benötigt, zum Beispiel auf eine Gehwegfläche. Dass es nicht in die umliegenden Naturräume hineinleuchtet."

    Licht aus spart Strom - und CO2

    Und zum Schluss sollte man noch beachten, dass diese Leuchtmittel möglichst wenig Blauanteil und Ultraviolettanteile hätten, weil Insekten gerade auf diese Farbanteile fliegen, weiß der Astronom. "Man sollte also nur warmweiße Lichtquellen unter 1.500 Kelvin benutzen."

    Fazit: Licht aus und einfach die von der Natur gegebene Helligkeit nutzen. Gerade im Sommer, sagt Hänel, ist der Himmel bis weit nach 21 Uhr noch so hell, dass wir massiv Strom sparen könnten. Weniger Strom bedeutet weniger CO2. Also weniger Erderwärmung. Theoretisch rettet man so nicht nur Insekten und kleine Stadttiere, sondern auch Eisbären.

    Schnell mal beim Einkaufen Arten retten

    Aber kann ich auch Arten beim Einkaufen retten? Eins meiner Lieblingsessen ist Salat mit Lachs und Avocado. Nicht vegetarisch, ich weiß. Kann ich das noch mit gutem Gewissen machen, wo doch die Meere überfischt werden? Es gibt zwar Logos, die mich davon überzeugen wollen, dass alles fair und ökologisch zugeht, aber da ist leider oft nicht das drinnen, was draufsteht, sagt Thilo Maarck von Greenpeace.

    "Tatsächlich kann man als Verbraucher nicht sagen, ob ein Fisch nachhaltig gefangen wurde. Da ist auch auf viele Siegel wie das MSC-Siegel kein Verlass." Thilo Maarck, Greenpeace

    Sein Tipp: Die Empfehlungen von Greenpeace oder dem WWF lesen "oder eine sehr drastische Entscheidung treffen, nämlich gar keinen Fisch mehr zu essen". Relativ unbedenklich sollen laut WWF nachhaltig gezüchtete Garnelen aus Aquakulturen sein. Trotzdem ist mir der Appetit auf Fisch erstmal vergangen.

    Ein Kilo Avocados: Bis zu 1.500 Liter Wasser beim Anbau

    Und meine Avocado? Die verbraucht neben CO2 beim Transport auch riesige Mengen an Wasser beim Anbau. Wasser, das eventuell dortigen Pflanzen und Tieren fehlt. Laut dem Foodblog "Eat Smarter" circa 1.000 bis 1.500 Liter pro Kilo. Ein schweres Dilemma: Wenn ich sie nicht kaufe, leidet wegen mir am Ende ein armer Avocado-Bauer mit seiner Familie darunter. Kaufe ich sie, verdursten wegen mir Tiere und Pflanzen in der Savanne, und auch für Menschen wird das Trinkwasser dann womöglich knapp.

    Also doch lieber Brot mit einer bekannten Nuss-Nugat-Creme? Von wegen, da ist Palmöl drin! Mein Lieblingsaufstrich gefährdet also nicht nur meine Figur, sondern zerstört auch den Regenwald. Vielleicht nehme ich doch besser einen Apfel aus der Region.

    Eine halbe Million tote Tiere durch Wildunfälle jedes Jahr

    Zum Essen geht es in den Park, aber mit dem Rad statt mit dem Auto. Seit Corona fahren mehr Menschen Auto als vorher, um sich nicht in der Bahn anzustecken. Ich auch. Zumindest, wenn ich weit weg muss. Die Abgase, die ich dabei produziere, sind aber leider nicht nur schlecht fürs Klima, sondern auch für heimische Wälder und Tiere. Außerdem sterben laut Statista jedes Jahr über 500.000 Tiere bei Wildunfällen.

    Radfahren kann da einiges ändern. Jan van Meerendonk ist Mitglied im Allgemeinen Deutschen Fahrradclub Dachau. Zusammen mit seinem Bruder und der Stadt Dachau hat er eine Initiative gegründet, die umsonst Lastenräder verleiht. Und sie haben bewiesen, dass man damit sogar Waschmaschinen transportieren kann.

    Radfahren schützt die Umwelt - und macht Menschen glücklich

    "Ich muss nur vor die Tür schauen, was sich hier täglich für Blechlawinen durch die Stadt schieben. Es stinkt, es macht Lärm. Es macht nicht glücklich, daneben zu wohnen", begründet van Meerendonk seine Entscheidung, das Rad dem Auto vorzuziehen. "Ich glaube, die Vorteile des Rads sind allgemein bekannt, von Umweltschutz über Gesundheitsschutz."

    Internet produziert mehr CO2 als weltweiter Flugverkehr

    Fehlt nur noch eins: mein Internetkonsum. Laut "ZDF heute" hat das Internet schon vor zwei Jahren genauso viel CO2 produziert wie der gesamte Flugverkehr weltweit. Tendenz steigend. Und das oft ziemlich unnötig. Über 60 Prozent davon sind nämlich nur gestreamte Videos.

    Jeder Klick auf süße Kätzchen im Netz bedroht also den Lebensraum der Eisbären: Polkappen verschwinden wegen überhitzter Server. Ich werde also erstmal auf Youtube und Co. verzichten.

    Sie interessieren sich für Themen rund um Religion, Kirche, Spiritualität und ethische Fragestellungen? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter. Jeden Freitag die wichtigsten Meldungen der Woche direkt in Ihr Postfach. Hier geht's zur Anmeldung.