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Affe in Versuchslabor
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Autoren

Margit Ehrlich
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Affe in Versuchslabor

Wenn der Forscher behaupte, mit seinen Tests sei der Weg für Versuche an Menschen frei, womit in Zukunft der akute Organmangel verringert und die Wartelisten wieder kürzer werden könnten, dann handle es sich hier um "gravierend falsche Versprechungen", sagte die Sprecherin des Vereins "Ärzte gegen Tierversuche e.V.", Silke Strittmatter, dem Bayerischen Rundfunk. Sie nannte die sogenannte Xenotransplantation den "schlimmsten Auswuchs der tierexperimentellen Forschung". Ethische Grenzen würden ignoriert.

Hier werde etwas als medizinischer Durchbruch dargestellt, das nicht der Realität entspreche. Für den Versuch seien Schweine genmanipuliert worden, die Folgen für Menschen seien unabsehbar, so Strittmatter.

"Solche Heilsversprechen aus den Tierversuchslaboren kommen immer wieder. Würde man den Versprechen einiger Forscher glauben, wäre Aids seit 1983 besiegt, Krebs seit 1990 und schon seit 2005 könnten standardmäßig Schweineherzen auf Menschen transplantiert werden." Silke Strittmatter, Ärzte gegen Tierversuche

Unabsehbare Folgen

Strittmatter betonte, es sei verwerflich, Organe von im Labor manipulierten Tieren übergangsweise oder dauerhaft als Ersatzorgan für Menschen verwenden zu wollen. Denn die körpereigene Immunabwehr müsse massiv unterdrückt werden. Zudem sei es vollkommen unklar, welche Leiden und Schäden Menschen davontragen würden und wie ein Schweineorgan auf den menschlichen Lebensstil reagieren würde.

Es bestehe die Gefahr, dass Tiere Krankheiten auf den Menschen übertrügen, mit denen der menschliche Körper nicht umgehen könne, sagte Strittmatter. Zwar habe der Münchner Forscher eine Schweineart benutzt, die aller Wahrscheinlichkeit nach das für Menschen gefährliche PERV-Virus nicht in sich habe, das bedeute aber nicht, dass weitere gefährliche Übertragungen ausgeschlossen seien.

Tierversuche mit schwerem Leid

Medizinethisch seien die Versuche ohnehin verwerflich, so Strittmatter weiter. Sie erklärte, dass Xenotransplantationen von der EU als Tierversuche mit den größten Schmerzen, Leiden und Schäden für ein Tier eingestuft würden.

"An der LMU München werden seit mindestens 20 Jahren Schweineorgane auf Affen übertragen, mitfinanziert aus Steuergeldern. Anstatt im Labor mit der Xenotransplantation wissenschaftlich kritikwürdige Forschung zu betreiben, sollte der Fokus besser auf die Ursachenforschung von Krankheiten und die moderne In-vitro-Forschung mit ausgeklügelten Computermodellen und Organchips gesetzt werden, die im Gegensatz zum Tierversuch den menschlichen Körper simulieren und übertragbare Ergebnisse liefern." Silke Strittmatter, Ärzte gegen Tierversuche

Münchner Forscherteam meldet Durchbruch

Ein Forscherteam um den Münchner Herzchirurgen Bruno Reichart hatte gestern bekannt gegeben, gentechnisch veränderte Schweineherzen in Paviane transplantiert zu haben. Wie die Forscher im Fachmagazin "Nature" berichten, waren von fünf Tieren zwei noch nach 90 Tagen bei guter Gesundheit, als der Versuch beendet wurde. Zwei Tiere lebten sogar rund ein halbes Jahr, bevor sie getötet wurden.

Die Wissenschaftler sprachen von einem Meilenstein auf dem Weg zu einer möglichen Transplantation von Schweineherzen bei Menschen. Schweine seien als Spender besonders geeignet, weil ihr Stoffwechsel dem der Menschen ähnelt.

Zwei genmodifizerte Ferkel, deren Herzen in den rechts im Bild dargestellten Affen transplantiert wurden.

Zwei genmodifizerte Ferkel, deren Herzen in den rechts im Bild dargestellten Affen transplantiert wurden.