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Schutz vor gefährlicher Erdnuss-Allergie | BR24

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Erdnuss- und Haselnussallergie: Was heißt das für den Alltag?

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Schutz vor gefährlicher Erdnuss-Allergie

Während manche Erdnüsse als Nervenfutter lieben, können bei anderen schon Spuren davon zu Erstickungsanfällen führen. Wie können Betroffene sich schützen? Denn Spuren der Hülsenfrucht können auch in reiner Vollmilchschokolade enthalten sein.

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Eine Erdnussallergie bleibt ein Leben lang. Inzwischen ist schon jedes 200. Kind davon betroffen. Tendenz steigend. Es gibt keine Therapie dagegen. Müsli, Schokolade, Kekse, Fruchtjoghurt, diese Produkte können Spuren von Nüssen und Schalenfrüchten enthalten. Kindergeburtstage oder der Besuch eines Kindergartens werden bei Allergikern deshalb häufig gemieden. Denn eine starke Ausprägung einer Erdnussallergie kann zu Juckreiz im Mund, Atemnot oder einem Kreislaufkollaps führen, der sogar tödlich enden kann.

Hyposensibilisierung bei Erdnussallergie

Doch nun gibt es Hoffnung für die Betroffenen. Das Stichwort heißt Hyposensibilisierung, wie man es vom Heuschnupfen her kennt. Ein internationales Forscher-Team aus Brisbane in Kalifornien hat erfolgreich eine Therapie gegen Erdnussallergie getestet. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler im November 2018 im "New England Journal of Medicine". An der Studie nahmen 496 Kinder zwischen vier und 17 Jahren aus den USA und Europa teil.

Das Immunsystem täglich trainieren

Jedes der Kinder litt an einer nachgewiesenen Erdnussallergie. Unter Aufsicht wurde dann ihr Immunsystem trainiert. Jedes Kind bekam täglich kleine Mengen des Allergens, bis es eine ganze Erdnuss vertrug. Denn wenn das Immunsystem eine Erdnuss toleriert, reicht das aus, um Spuren der Hülsenfrucht in einem Kuchen ohne allergischen Schock zu verkraften.

Erfolgreiche Allergietherapie bei Kindern

Die Kinder nahmen über den Zeitraum von einem Jahr regelmäßig und in langsam gesteigerter Dosis das neue Präparat AR101 ein. Das Medikament wird aus Erdnüssen gewonnenen und enthält eine tägliche Dosis von 300 mg Erdnussprotein. Nach den Ergebnissen der Studie vertragen 67 Prozent der Kinder und Jugendlichen jetzt wenigstens zwei ganze Erdnusskerne. Damit ist das Primärziel erreicht. Allerdings war die Wirkung bei älteren Teilnehmern zwischen 18 und 55 Jahren nicht signifikant.

Neue Studie zur oralen Immuntherapie bei Erdnussallergie

Eine neue Untersuchung der US-amerikanischen Stanford University, die im September 2019 im Fachmagazin "The Lancet" veröffentlicht wurde, konnte die Ergebnisse der Vorgängerstudie fortführen. Frühere Studien hatten gezeigt, dass die orale Erdnussimmuntherapie (OIT) - mit kleinen, kontrollierten Mengen an Erdnussprotein - Erwachsene und Kinder desensibilisieren und lebensbedrohliche allergische Reaktionen verhindern kann.

Wie lange dauert eine Hyposensibilisierung?

Bislang war aber die optimale Dauer und Dosis dieser Hyposensibilisierung unbekannt. Deswegen haben Forscher die Studie fortgesetzt: Nachdem die Ärzte die Teilnehmer der Studie erfolgreich gegen Erdnüsse desensibilisieren konnten, führte das Absetzen der Immuntherapie oder ihre Fortsetzung mit einer reduzierten Dosis zu einem Rückgang ihrer schützenden Wirkung. Die Studie ergab auch, dass mehrere Bluttests, die vor der OIT durchgeführt wurden, den Erfolg der Therapie vorhersagen konnten.

Erdnussallergie-Studie mit 120 Teilnehmern

120 Personen im Alter von sieben bis 55 Jahren mit einer diagnostizierten Erdnussallergie nahmen an der Studie teil. Während der gesamten Zeit erhielten 95 Teilnehmer eine allmählich steigende Tagesdosis Erdnussprotein von bis zu vier Gramm, und 25 Teilnehmer erhielten täglich Placebo-Haferflocken. Nach 24 Monaten wurde die Toleranz der Teilnehmer auf Erdnüsse getestet. Von den Teilnehmern, die die Erdnuss-Immuntherapie erhalten hatten, zeigten 83 Prozent keine allergischen Reaktionen, bei denjenigen, die ein Placebo erhalten hatten, waren es nur vier Prozent.

Fortführen der Immuntherapie auch bei Erfolg

Die Teilnehmer, die keine Reaktionen zeigten, erhielten in der Folge entweder ein Placebo oder die tägliche Dosis von 300 mg Erdnussprotein, was der Menge einer ganzen Erdnuss entspricht. Ein Jahr später zeigten 37 Prozent der Teilnehmer, die 300 mg Erdnussprotein bekommen hatten, keinerlei allergische Reaktion, 13 Prozent, die ein Placebo bekommen hatten, dagegen schon. Die Forscher fanden bestätigt, was sich schon in vorherigen Studien abgezeichnet hatte: Die Desensibilisierung wirkte nur noch bei einer Minderheit der Teilnehmer, wenn die OIT eingestellt oder reduziert wurde.

Vorteil: Niedrige Antikörper-Werte vor der Therapie

Die Forscher konnten der Studie auch entnehmen, dass Teilnehmer, die ihre allergische Reaktion auf Erdnüsse überwunden hatten, bereits zu Beginn der Immunisierung niedrigere Werte an Antikörpern gegen Erdnussprotein im Blut hatten. Die zukünftige Forschung wird sich darauf konzentrieren, herauszufinden, wie lange und in welcher Dosis das Allergen nach Absetzen der oralen Immuntherapie noch eingenommen werden sollte. Ein abruptes Absetzen scheint jedenfalls wenig sinnvoll.