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Schreckt Grannenweizen Wildschweine ab? | BR24

© Bayerischer Rundfunk

Die borstigen Ähren des Grannenweizen werden von Wildschweinen und Vögeln verschmäht. Zudem haben Forscher festgestellt, dass begrannte Sorten besser keimen und bei Trockenheit eine gewisse Ertragssicherheit bieten. Ein Getreide für den Klimawandel?

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Schreckt Grannenweizen Wildschweine ab?

Grannenweizen wird immer häufiger angebaut. Die Sorte gilt als ertrag- und eiweißreich und verträgt Trockenheit relativ gut. Außerdem könnten die stacheligen Grannen als Schutz der Pflanzen vor Wildschweinen dienen.

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Grannenweizen wird in Bayern seit einigen Jahren immer häufiger angebaut, weil die Sorte als ertrag- und eiweißreich gilt und Trockenheit relativ gut verträgt. Das ist wichtig in Zeiten des Klimawandels. Zudem mögen anscheinend Wildscheine, die sich sonst gern über die Äcker hermachen, die stacheligen Grannen nicht.

Was sind Grannen?

Laien kommen am Ackerrand oft ins Grübeln: Ist das Getreide nun Weizen, Gerste, Roggen, Triticale oder Hafer? Die Gerste – so kann man es sich gut merken – hat am Ende lange, steife Fortsätze, fast wie Haare, sogenannte Grannen. Moderne Weizensorten haben diese Haare eigentlich nicht. Doch es gibt es auch Grannenweizen und der hat - ähnlich wie die Gerste - borstige Ähren, also Grannen.

Grannenweizen ist genügsam

Woher der Grannenweizen stammt, ist nicht eindeutig belegt. Vermutlich liegen die Ursprünge in Mesopotamien. In Südosteuropa wird er häufig angebaut. Auch in den USA und Frankreich gibt es viel begrannten Winterweizen. Fakt ist: Auch bei uns gibt es ihn schon sehr lange. Er war aber eher bedeutungslos. Grannenweizen wird zwischen 60 und 150 Zentimeter hoch und verträgt einen harten Winter sowie trockene Lagen.

Optimal für trockene Standorte

Landwirt Bernhard Huber in Maxhütte in der Oberpfalz baut die Sorte schon seit mehr als zehn Jahren an. Aus gutem Grund: Grannenweizen hat keine sehr hohen Ansprüche an Boden und Feuchtigkeit, und da es in der Region nicht viel regnet und die Böden recht steinig sind – das Wasser sich also nicht lange halten kann – konnte er damit in den vergangenen Trockenperioden vergleichsweise gute Erträge einfahren.

Eine Weizensorte also für den Klimawandel. Bernhard Hubers Vater hatte die Sorte in Österreich entdeckt und das Saatgut mitgebracht. Vor kurzem wurde der Weizen gedroschen. Bernhard Huber ist zufrieden:

"Zwar ist die Korngröße nicht ganz so optimal, durch die Trockenheit und die starke Hitze bei der Abreife, doch wir haben einen Durchschnittsertrag von 7,5 Tonnen pro Hektar, was für die Gegebenheiten in diesem Jahr eigentlich ganz in Ordnung ist." Landwirt Bernhard Huber

Zuchtziel: Bessere Resistenzen

In einem Versuchsgut bei Freising beschäftigen sich auch Experten der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft mit Grannenweizen. Auf einigen Parzellen stehen neben modernen unbegrannten, auf Ertrag gezüchteten Sorten auch begrannte. Auch Kreuzungsversuche gebe es, erklärt Lorenz Hartl, Koordinator des Arbeitsbereichs Getreide: "Unser Zuchtziel ist die Verbesserung des Weizens, eine Verbesserung der Resistenzeigenschaften. Da nutzen wir Weizen aus aller Herren Länder und viele dieser Linien sind begrannt und die nutzen wir zur Einkreuzung."

Die Forscher suchen unter anderem nach Resistenzgenen gegen Krankheiten wie Gelb- und Braunrost. Denn viele sogenannte Elitesorten haben diese Resistenzen im Lauf der Zeit verloren.

Wozu hat Getreide Grannen?

Die Grannen waren ursprünglich ein Vermehrungsorgan, erklärt Lorenz Hartl. Wenn die Ähren und die Körner auf den Boden fallen, verbinden sie sich durch die Grannen besser mit der Erde und keimen leichter. Außerdem heißt es, dass die Grannen auch unter Trockenstress noch wachsen und dadurch eine gewisse Ertragssicherheit bieten. Wissenschaftlich nachgewiesen ist das bisher aber nicht.

Wissenschaftler erforschen Backqualität

Im Backlabor in Freising erforscht Bäckermeister Hans Grameier die Backqualität verschiedener Weizensorten. Vor allem der Protein- und Stärkegehalt im Korn macht die Qualität eines Weizenmehls aus. Davon hängt ab, wie viel Wasser ein Teig aufnehmen kann und wie voluminös und locker er wird.

Das Mehl von Grannenweizen kann mit seinen Inhaltsstoffen durchaus mit dem Mehl unbegrannter Sorten mithalten.

Weniger Wildschäden?

Bei Jägern, die oft den Bauern Wildschäden finanziell erstatten müssen, ist der Grannenweizen ein Geheimtipp. Denn die langen, borstigen Grannen sind vermutlich unangenehm für die Wildschweine. Sie kratzen beim Fressen, daher meidet das Schwarzwild Felder mit Grannenweizen. Das ist auch die Erfahrung von Landwirt und Jäger Helmut Seiler. Er ist amtlicher Kreisjagdberater im Landkreis Regensburg:

"Im Grannenweizen haben wir praktisch keine Schäden mehr. Die Wildschweine gehen wohl durch und suchen dann aber wo anders ihre Nahrung." Kreisjagdberater Helmut Seiler

Eines funktioniert aber nicht: Manche Landwirte bauen auf ihren Feldern eine Mischung aus zwei verschiedene Weizensorten an - mit und ohne Grannen. Doch die schlauen Wildschweine fressen dann gezielt den unbegrannten Weizen, den Rest lassen sie stehen.