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Ein Kind mit einer Schutzmaske gegen Smog. Ein WHO-Bericht enthält neue Zahlen über die Gefahren der Luftverschmutzung bei Kindern.
© dpa-Bildfunk/Rolex Dela Pena

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Georgia Tscharke
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Ein Kind mit einer Schutzmaske gegen Smog. Ein WHO-Bericht enthält neue Zahlen über die Gefahren der Luftverschmutzung bei Kindern.

Für das Jahr 2015 kommen Forscher der Europäischen Umweltagentur (EEA) auf rund 442.000 statistisch errechnete vorzeitige Todesfälle im Zusammenhang mit Luftverschmutzung. In Deutschland gehen sie davon aus, dass eine schadstoffbelastete Umgebung zum Tod von mehr als 62.000 Menschen beigetragen hat. Das entspricht etwa jedem 15. Todesfall, wie das Forscherteam in ihrem Bericht im Fachblatt "The Lancet" schreibt. Ursachen sind etwa Feinstaub, bodennahes Ozon und Stickstoffdioxid. Sie verursachen oder verschlimmern Atembeschwerden, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs und führten zu einer verkürzten Lebensdauer.

Mehr als 90 Prozent der Kinder atmen verpestete Luft

Auch einer neuen Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge tötet Luftverschmutzung weltweit sieben Millionen Menschen pro Jahr vorzeitig. Rund 600.000 von ihnen sind Kinder unter 15 Jahren. Das berichtet die WHO in ihrer neuen Studie, die vor Beginn der weltweit ersten Konferenz zu Luftverschmutzung und Gesundheit vorliegt. "Luftverschmutzung ist eine globale Gesundheitskrise", warnt die WHO, die sich auf Zahlen aus dem Jahr 2016 bezieht. Etwa 93 Prozent der Kinder, vor allem in ärmeren Ländern, atmen Luft ein, die ein Risiko für ihre Gesundheit und ihre Entwicklung ist.

Die WHO unterscheidet zwischen Verschmutzung der Außenluft und der Luft in Innenräumen. Unter freiem Himmel verpesten etwa die Verbrennung von fossilen Rohstoffen oder Abfall, Industrieabgase, Waldbrände und Vulkanausbrüche die Luft. In Häusern nehmen Rauch von Kerosin, Kohle, Bioabfällen oder Holz zum Kochen, Heizen oder die Beleuchtung Menschen den Atem. Dies sei vor allem für Kinder fatal, die in jungen Jahren besonders viel Zeit zu Hause verbringen. Rund 13 Prozent der unter Fünfjährigen sind 2016 weltweit an Lungenentzündung gestorben, heißt es in der Studie - mehr, als durch Durchfall ums Leben kamen, oder durch Mangelernährung oder ansteckende Krankheiten.

Luftverschmutzung: Wunsch nach reiner Luft

Laut der WHO beeinträchtigt schmutzige Luft das Nervensystem und die kognitiven Fähigkeiten von Kindern. Ferner könnten Asthma und Krebs ausgelöst werden. Die Kinder seien in ihrem späteren Leben als Erwachsene von Herzerkrankungen bedroht. Schwangere Frauen, die verschmutzter Luft ausgesetzt seien, haben den WHO-Angaben nach öfter Frühgeburten und ihre Babys seien oft relativ klein und schwach.

Die WHO verlangt von den Regierungen, sich für saubere Luft einzusetzen. So sollten mehr erneuerbare Energien genutzt werden, und der Gebrauch fossiler Brennstoffe müsse stark verringert werden. Kinder atmen den Angaben nach schneller als Erwachsene und nehmen somit mehr Schmutzpartikel auf. Zudem seien die Kleinen aufgrund ihrer geringen Körpergröße bestimmten Schadstoffen stark ausgesetzt, die sich in Bodennähe konzentrieren.

So gefährlich ist Feinstaub

Abhängig von ihrer Größe dringen die Feinstaub-Partikel in die verschiedenen Regionen der Lunge ein und lagern sich dort ab. Feine und ultrafeine Partikel dringen am tiefsten ein und belasten die Bronchien und den gasaustauschenden Bereich der Lunge. Die Partikel treten zwar hauptsächlich über die Atemwege in den Körper ein, können aber über den Blutstrom letztlich sämtliche Organe schädigen. Nach bisheriger Erkenntnis ist Feinstaub dadurch der für unsere Gesundheit schädlichste Luftschadstoff.

Aber nicht nur Kinder sind gefährdet. Betroffen sind auch Menschen mit chronischer Bronchitis und anderen Lungenerkrankungen wie zum Beispiel Asthma. Ebenso gefährdet sind Diabetiker, Menschen, die an Bluthochdruck, Vorhofflimmern, Herzinsuffizienz und Arteriosklerose leiden. Feinstaub erhöht hier in jedem Fall das Herzinfarkt- und Schlaganfall-Risiko. Ein geschwächtes Immunsystem aufgrund von hohem Alter, Krankheit oder ungesundem Lebensstil kann die negativen Auswirkungen von Feinstaub noch verstärken.