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Schmelzende Gletscher: Das Fieberthermometer der Alpen | BR24

© picture-alliance/dpa

Der Bergsturz Piz Cengalo

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    Schmelzende Gletscher: Das Fieberthermometer der Alpen

    Gletscher schmelzen und in vielen Bereichen taut der Permafrost. Nirgends werden die Veränderungen durch den Klimawandel so sichtbar wie im Alpenraum: Das einst festgefrorene Gestein lockert sich, die Gefahr von Murenabgängen und Bergstürzen wächst.

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    Beim Pariser Klimaabkommen haben sich 195 Staaten vorgenommen, die Erderwärmung unter zwei Grad zu halten. In den Alpen ist diese Grenze schon fast erreicht. Der Alpenraum ist die Region, in der die Durchschnittstemperatur seit Beginn systematischer Aufzeichnungen besonders stark angestiegen ist.

    "Also in den Alpen sind wir bei 1,8 Grad plus Erwärmung seit Messbeginn, also seit 1850. Global sind wir bei 0,9 Grad, globales Mittel." Tobias Hipp, Klimaexperte des Deutschen Alpenvereins

    Gletscher schmelzen und verschwinden

    Gletscher gelten als das Fieberthermometer der Alpen und als Mahnmale des Klimawandels. Speziell seit dem Jahr 2000 nimmt die Gletschermasse deutlich ab. In den letzten sieben Jahren hat sich dieser Prozess noch einmal beschleunigt.

    "Was wir zurzeit beobachten: Auf der Fläche verlieren wir etwa einen Meter Eis pro Jahr. Das heißt, Flächen, die noch zwanzig Meter dick waren, was für einen Alpengletscher eine ordentliche Dicke ist, die werden in zwanzig Jahren schon lange verschwunden sein im Prinzip." Christoph Mayer, Glaziologe an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften

    Besonders düster sieht die Zukunft für die bayerischen Gletscher aus. Von den noch fünf bayerischen Gletschern, da ist sich der Gletscherspezialist Christoph Mayer sicher, werden drei innerhalb der nächsten Jahre verschwinden: der Watzmanngletscher, das Blaueis und der südliche Schneeferner. Aber auch der nördliche Schneeferner wird mittelfristig verschwinden.

    Extremereignisse im Gebirge

    Durch den Klimawandel treten in den Alpen auch häufiger Starkregen und Unwetter auf. Diese Extremereignisse können zunehmend zu Murenabgängen und Schlammlawinen führen. Zum Beispiel hat in den Stubaier Alpen ein größerer Murenabgang schon große Schäden hinterlassen.

    Auch für Bergwanderer und Bergsteiger heißt es jetzt: noch mehr Vorsicht walten zu lassen. Vielerorts wird der Untergrund instabil, die Felswände werden brüchig. Deshalb arbeiten Wissenschaftler auch daran, gefährliche Wandbereiche zu identifizieren und Prognosen darüber abzugeben, welche Wandbereiche im nächsten Jahrzehnt wirklich gefährlich werden könnten.

    "Wir haben in den Ötztaler Alpen das Hochwildehaus auf circa 3000 Meter. Das Fundament war früher Permafrost. Die Hütte stand sehr angenehm auf gefrorenem Seesediment. Und die musste geschlossen werden, weil durch Sackungen im Boden die ganze Hütte statisch instabil geworden ist." Tobias Hipp, Klimaexperte des Deutschen Alpenvereins