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Ein Schlaganfall und seine unsichtbaren Folgen | BR24

© picture-alliance/dpa

Je frühzeitiger ein Schlaganfall behandelt wird, umso besser sind die Heilungsaussichten. Mit Reha lassen sich viele Folgen beheben oder lindern.

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Ein Schlaganfall und seine unsichtbaren Folgen

Der Schlaganfall ist eine der häufigsten Todesursachen bei Erwachsenen. Die Hauptursachen sind starkes Übergewicht und hoher Blutdruck. Häufig bleiben unsichtbare Schäden, unter denen die Betroffenen leiden. Wie schützt man sich am besten?

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Rund 270.000 Menschen erleiden in Deutschland pro Jahr einen Schlaganfall, davon rund 70.000 bereits zum wiederholten Mal. Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland und die häufigste Ursache für Behinderungen im Erwachsenenalter. Was viele nicht wissen: Noch häufiger hinterlässt der Schlaganfall unsichtbare Folgen.

Die Auswirkungen für die Betroffenen sind deshalb aber nicht weniger tragisch. Der "Tag gegen den Schlaganfall" am 10. Mai 2019 stand unter dem Motto "Ich spüre was, was du nicht siehst". Er will auf das Schicksal dieser Schlaganfallpatienten aufmerksam machen. Über die Ursachen eines Schlaganfalls, die vermeidbaren und unvermeidbaren Folgen und wie man sich am besten vor einem Hirninfarkt schützt.

Was passiert eigentlich bei einem Schlaganfall?

Den Schlaganfall gibt es in zwei verschiedenen Formen:

  1. Ein Blutgerinnsel verschließt ein gehirnversorgendes Gefäß und führt zu einer Durchblutungsstörung. Das passiert in 80 Prozent aller Fälle.
  2. Ein Blutgefäß im Gehirn reißt plötzlich und es kommt zu einer Blutansammlung im Gehirn. 20 Prozent aller Schlaganfälle sind solche Hirnblutungen.

In beiden Fällen werden Teile des Gehirns plötzlich nicht mehr durchblutet. Die Nervenzellen des Gehirns werden an der betroffenen Stelle nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt und sterben ab. Je länger diese Durchblutungsstörung andauert, desto mehr Nervengewebe wird unwiederbringlich zerstört. Deshalb ist es wichtig, dass bei einem Schlaganfall möglichst schnell intensiv-medizinisch eingegriffen wird, um ein Gerinnsel wieder aufzulösen oder Blutungen zu stoppen.

Wie sich ein Schlaganfall zeigt: Warnsignale

Die klassischen Symptome für einen Schlaganfall sind:

  • kurzfristige halbseitige Lähmung
  • kurzzeitige halbseitige Gefühlsstörung
  • Doppelbilder
  • akuter Schwindel
  • akute Kopfschmerzen
  • kurzzeitige Sehstörungen

Richtiges Handeln bei einem Schlaganfall - mit dem FAST-Test

Je schneller ein Patient versorgt wird, desto geringer sind die Folgen. Deshalb ist richtiges Handeln bei einem Schlaganfall besonders wichtig. Dabei hilft der sogenannte FAST-Test. F-A-S-T steht für Face (Gesicht), Arms (Arme), Speech (Sprache) und Time (Zeit).

Face - Feststellung einer Gesichtslähmung: Bitten Sie die Person zu lächeln. Ist das Gesicht einseitig verzogen, dann deutet das auf eine Halbseitenlähmung hin.

Arms - Feststellung einer Bewegungsstörung: Bitten Sie die Person, die Arme nach vorn zu strecken und dabei die Handflächen nach oben zu drehen. Bei einer Lähmung können nicht beide Arme gehoben werden; sie sinken oder drehen sich.

Speech - Feststellung einer Sprachstörung: Lassen Sie die Person einen einfachen Satz nachsprechen. Ist sie dazu nicht in der Lage oder klingt die Stimme verwaschen, liegt vermutlich eine Sprachstörung vor.

Time - der Zeitfaktor: Wählen Sie unverzüglich den Notruf 112. Weisen Sie auf die vorliegenden Schlaganfall-Symptome hin und äußern Sie deutlich, dass Sie den Verdacht haben, dass ein Schlaganfall vorliegt. Denn nur im Krankenhaus kann die Ursache des Schlaganfalls ermittelt und die richtige Therapie eingeleitet werden.

Was Sie bei einem Schlaganfall noch beachten sollten:

  • Geben Sie dem Betroffenen nichts zu essen oder zu trinken, da der Schluckreflex gestört sein kann und Erstickungsgefahr droht.
  • Öffnen Sie einengende Kleidungsstücke.
  • Achten Sie auf freie Atemwege, entfernen Sie notfalls Zahnprothesen.
  • Teilen Sie dem Notarzt die Symptome und den Zeitpunkt des Auftretens mit.

(Quelle: Kaufmännische Krankenkasse KKH)

Sichtbare und unsichtbare Folgen eines Schlaganfalls

Je nachdem, wie schwer das Gehirn durch den Schlaganfall geschädigt wurde, kommt es zu mehr oder weniger gravierenden Folgen. Häufig kommt es bei entsprechender Hirnschädigung durch einen Schlaganfall zu Lähmungserscheinungen und Sprech- oder Sprachstörungen.

Die Mehrzahl aller Schlaganfallpatienten leidet aber an den unsichtbaren Folgen eines Schlaganfalls. Dabei handelt es sich um sogenannte neuropsychologische Funktionsstörungen, die vor allem zu Aufmerksamkeits- und Konzentrationsdefiziten führen. Die Betroffenen sind dadurch weniger belastbar und häufig überfordert. Das ist laut der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe bei 80 Prozent der Schlaganfall-Patienten der Fall.

Vermeidbare Folgen eines Schlaganfalls

Nicht selten führt diese Überforderung zu Problemen im Alltag und Beruf - gerade, weil man den Betroffenen die Einschränkung nicht ansieht. Zusammenbrüche und Klinikaufenthalte bis hin zur Frühverrentung sind oft die Folge, Das müsste nicht sein, sagt Caroline Kuhn, Leiterin der Neuropsychologischen Lehr- und Forschungsambulanz der Universität des Saarlandes. In einem Interview mit der "Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe" anlässlich des "Tag gegen den Schlaganfall" rät sie Betroffenen, ihre Probleme im persönlichen Umfeld offen anzusprechen,

"Wenn ich das offen kommuniziere, kann ich auch besser mit dem Unverständnis des gesunden Umfeldes umgehen." Caroline Kuhn, Neuropsychologin an der Universität des Saarlandes

Aber auch die Familie, Freunde und Arbeitskollegen sollten insbesondere in der ersten Zeit nach dem Schlaganfall besonders einfühlsam mit den Betroffenen umgehen.

"Das Gehirn braucht in den ersten 18 bis 36 Monaten nach dem Schlaganfall extrem viele Erholungspausen." Caroline Kuhn, Neuropsychologin

Lässt sich ein Schlaganfall vermeiden? Die Risikofaktoren

Laut der "Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe" sind mindestens 70 Prozent aller Schlaganfälle vermeidbar. Wer sein Schlaganfallrisiko so gering wie möglich halten will, sollte auf folgende Faktoren achten:

Jeder einzelne Risikofaktor wirkt sich auf das Gesamtrisiko aus. Der negative Einfluss mehrerer Faktoren addiert und potenziert sich. Viele Risikofaktoren von Gefäßerkrankungen bedingen sich gegenseitig. In der Regel führen alle zu einer Arteriosklerose, also einer Verkalkung der Blutgefäße. Studien zufolge erhöhen auch die ethnische Zugehörigkeit und das Geschlecht das Schlaganfallrisiko. So erleiden zum Beispiel schwarze Amerikaner doppelt so häufig einen Schlaganfall wie weiße und Männer haben ein höheres Risiko als Frauen. (Quelle: Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe)

Schlaganfall - Testen Sie Ihr Risiko

Die "Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe" hat einen Test online gestellt, in dem Sie Ihr persönliches Schlaganfall-Risiko selbst überprüfen können.

Der "Tag gegen den Schlaganfall"

1999 rief die "Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe" erstmals den "Tag gegen den Schlaganfall" aus. Seither veranstalten Kliniken, Ärzte und Selbsthilfegruppen bundesweit rund um den 10. Mai Gesundheitsaktionen und Vorträge.

© Bayerischer Rundfunk / Campus Talks

Schlaganfall, kein gesunder Mensch erleidet ihn. Er bahnt sich über Jahre an. Neben Übergewicht und Stress spielt auch das Verhalten eine Rolle. Der Neurologe Arno Villringer spricht über die Ursachen eines Schlaganfalls.